Die Brennpunkte der Stadt Alsdorf fest im Blick

Von: Karl Stüber
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Brennpunkt Annaplatz in Alsdor
Brennpunkt Annaplatz in Alsdorf: Frank Dohms, Fachgebiet Sicherheit und Ordnung, zeigt mit seinen Kollegen vom Präsenzdienst immer wieder Flagge. Nicht nur in den dunklen Stunden des Tages gibt es dort Probleme. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Eigentlich ist Frank Dohms nur zum Fototermin gekommen. Aber schnell wird daraus für den Mann vom Präsenzdienst der Stadt Alsdorf Ernst. Vor dem Eingang des großen Kaufhauses an der Annaplatte gehen zwei junge Leute mit der Sammelbüchse auf Passanten zu, um für Tiere zu sammeln.

In den Augen von Frank Dohms bedrängen sie die Vorbeigehenden einen Tick zu viel. Der Mann vom Präsenzdienst zückt seinen Dienstausweis und überprüft die Zwei. Ja, eine Genehmigung haben die beiden dabei. Und deren Echtheit wird telefonisch von einem Kollegen des Alsdorfer Ordnungsamtes bestätigt.

Die Überprüften dürfen weitermachen - müssen sich aber etwas zurücknehmen. Die Uhr zeigt 13.15 Uhr. Eine Drogenabhängige hat den Mitarbeiter des Ordnungsamtes erkannt und spricht ihn an. Sie gehört zu einer Gruppe sichtlich Angeschlagener, die dort ihr Bier picheln und klönen. Da habe sie doch so ein blonder Typ mit Brille angemacht, dass bald ein Platzverbot ausgesprochen werde, berichtet sie.

Dohms bleibt ruhig und verbindlich. Nein, über geplante Maßnahmen pflege die Behörde nicht vorab zu informieren. Ja, er könne sich vorstellen, wer da wohl meinte, sich für einen Mitarbeiter der Stadt ausgeben zu müssen. Dohms wird der Sache sicherlich nachgehen. Da jagt ein Jugendlicher auf einem Moped quer über die Fußgängerzone. Schade, zu schnell sogar für den sportlichen 44-Jährigen. Dohms arbeitet seit 22 Jahren beim Ordnungsamt der Stadt Alsdorf.

Er ist Alsdorfer von ganzem Herzen, das ist seine Heimat. „Ich will, dass die Bürger sich wieder mehr mit Alsdorf identifizieren und nicht weggucken, wenn etwas passiert”, beschreibt er seine Zielsetzung. Sicherheit und Ordnung herstellen zu helfen, ist seine schwierige Aufgabe. Dohms kommt gerade aus der Mittagspause, genauer gesagt vom Ausdauertraining, das er sich gezielt gönnt, um Stress abzubauen und in Form zu bleiben. Er und seine Kollegen haben alle Hände voll zu tun, wie er jetzt im Stadtrat detailliert berichtet hat.

Sechs Mitarbeiter des Ordnungsamtes durchstreifen die Stadt, bei Bedarf ergänzt durch zwei weitere Kollegen Sachbearbeiter. Rund 13 000 Dienststunden werden im Jahr geleistet, zusätzlich fallen rund 400 angeordnete „Mehrarbeitsstunden” an, begleiten die engagierten Kollegen Großveranstaltungen. „Oft freiwillig”, wie Dohms hervorhebt. Unterstützt werden sie seit gut zwei Monaten von vier Bürgerarbeitern, die der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) hierfür abgestellt hat.

Das Quartett soll für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Das Problem: Kaum sind sie angelernt, werden sie wohl bald wieder weg sein, sagt Erster Beigeordneter Ralf Kahlen.

Die Kollegen vom Präsenzdienst schauen dort hin und greifen ein, wo andere lieber wegschauen. Das kann auch schon mal eng und ernst werden. Die Polizei hat sich in den letzten Jahren immer mehr aus dem Aufgabengebiet „Gefahrenabwehr” zurückgezogen und sich auf ihre originäre Zuständigkeit, die Vereitelung und Aufklärung von Straftaten, zurückgezogen, wie Dohms sagt. „Der klassische Streifenpolizist ist aus dem Stadtbild gänzlich verschwunden”, bedauert er. Dabei ist die Kooperation mit den klassischen Ordnungshütern eng.

Seit 2005 besteht eine Ordnungspartnerschaft mit der Polizeibehörde Aachen. Bisweilen gibt es gemeinsame Streifen. Der Schwerpunkt der Arbeit des Präsenzdienstes liegt in Alsdorf-Mitte, wie Kahlen sagt. Während die Stadt in der Regel nur nach Bürgerhinweisen in den Ortslagen aktiv werden muss, sieht das für Mitte anders aus. Kontrollschwerpunkte bei Streifengängen sind Denkmalplatz, Zentralparkplatz, Bahnhofstraße, Annapark, der Zentrale Busbahnhof Annapark, Annaplatz, der Park&Ride-Platz an der Prämienstraße und der Bereich Unterstation, wo eine Diskothek geplant ist.

Gewaltbereitschaft nimmt zu

„Die Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen steigt und die Hemmschwelle sinkt”, bedauert Dohms. Deshalb geht man in der Regel nicht allein auf Streife, am Abend sind bis zu vier Kollegen gemeinsam unterwegs. Auffällig ist aus Sicht von Dohms, dass Abfallablagerungen im großen Stil zunehmen. „Wir stellen mehr Vermüllung von Wohnraum fest.” Weiterhin steigt die Zahl der Jugendlichen, die ihrer Schule „zugeführt” werden müssen. Sogenannte Gefährdungsansprachen bei Bürgern, etwa wegen ihrer Kampfhunde, bei Geschäftsleuten (Verkauf von Alkohol und Tabak), das Nachhaken bei Geruchs- und Lärmbelästigung, das Schlichten von Nachbarschaftsstreit und das Abarbeiten vielfältiger weiterer Beschwerden und Anliegen machen den Alltag des Präsenzdienstes aus.

Dabei sind Augenmaß und hohes Maß an Fingerspitzengefühl gefordert, wie Dohms jetzt im Stadtrat den Mandatsträgern erläuterte. Schnell können ohnehin brenzlige Situationen in Gewalt kippen. Dabei ist personell das Ende der Fahnenstange erreicht, wie der überaus motiviert wirkende Dohms deutlich machte. „Weitere Aufgaben können nur mit der Aufstockung des Personals im Präsenzdienst kompensiert werden.”

Dank und gute Wünsche für die weitere Arbeit durfte Dohms aus Reihen der Fraktionen auch für seine Kollegen mitnehmen. Aber auch die Aussicht auf mehr Personal?

Für eine Kommune im Haushaltssicherungskonzept wohl kaum realistisch. Aber Beigeordneter Ralf Kahlen sagte auch: „Wenn sich die Polizei aus weiteren Aufgaben zurückzieht, müssten wir da nachschießen.”
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