Der Weg zum Schienennetz ist lang und steinig

Von: Stefan Klassen
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Schienen-Abzweig nahe Alsdorf-Mariagrube: Wird hier in vielleicht 10 oder 15 Jahren einmal die Euregiobahn Richtung Baesweiler fahren? Foto: Karl Stüber
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Die Euregiobahn quert die Bahnhofstraße in Alsdorf. Wird sie bald auch nach Baesweiler fahren? Foto: Dagmar Meyer-Roeger

Baesweiler/Alsdorf. Wird irgendwann einmal die Euregiobahn auch ins Baesweiler Stadtgebiet rollen? Welche Streckenführung wäre die beste? Und würde sich ein solches Projekt langfristig finanziell tragen? Eine Machbarkeitsstudie, die Antworten auf solche Fragen liefern soll, liegt nun vor. Ihr Ergebnis dämpft voreilige Hoffnungen auf eine zügige Anbindung Baesweilers, bietet aber langfristige Perspektiven.

Hans-Joachim Sistenich, Geschäftsführer von Aachener Verkehrsverbund (AVV) und dem Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR), der die Studie auf Betreiben Baesweilers und Alsdorfs hatte anfertigen lassen, bringt es auf den Punkt: „Das Projekt hat eine Chance, aber nach den derzeit vorliegenden Bedingungen wird eine Realisierung schwierig. Da muss man realistisch sein.“

Die Gutachter – das Kamp-Lintforter Büro für Verkehrs- und Stadtplanung Pachan & Rödel sowie das Berliner Beratungsunternehmen für Schienenprojekte KCW – hatten den Auftrag, zuerst aus drei Trassenvarianten die beste herauszusieben und diese dann auf ihre Umsetzung hin unter die Lupe zu nehmen. Dipl.-Ing. Kai Pachan und sein Team untersuchten eine West-Variante, die auf der Trasse der ehemaligen Carl-Alexander-Bahn vom Euregiobahn-Haltepunkt Alsdorf-Annapark über Merkstein-Ost, den Carl-Alexander-Park (CAP) und das Gewerbegebiet Baesweiler bis zu einem gemeinsamen Haltepunkt Baesweiler/Setterich in Höhe B57/Adenauerring/geplante L50n führen würde. Dann prüften die Schienenverkehrsexperten eine sogenannte Variante Mitte, die von Alsdorf-Annapark entlang der B57 bis Neuweiler und dann Richtung CAP und weiter über das Gewerbegebiet bis zum Gemeinschaftsbahnhof Baesweiler/Setterich verlaufen würde. Doch diese beiden Trassenvarianten fanden bei den Gutachtern wenig Anklang: nicht genug Fahrgäste, dafür zu hoher Investitionsbedarf in den Streckenausbau, so das Fazit.

Favorit der Fachleute ist die sogenannte Variante Ost: Sie würde ebenfalls am Annapark beginnen und auf der größtenteils noch vorhanden Schienentrasse ab Alsdorf-Mariagrube über Hoengen, Gewerbegebiet Hoengen und Siersdorf in das Baesweiler Stadtgebiet hineinführen. „Diese Variante hat deutliche Vorteile“, sagt Gutachter Kai Pachan mit Blick auf erwartbare Fahrgastzahlen, Betriebs- und Investitionskosten. Letztere kalkuliert Pachan auf rund 13,5 Millionen Euro. Christian Hartrampf, Geschäftsführer des Euregiobahn-Infrastrukturunternehmens Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), schätzt, dass dieser Betrag sogar noch deutlich unterschritten werden könne.

Rahmenbedingungen verbessern

Gleise für die Ostvariante liegen – dem längst zu Grabe getragenen Bergbau sei Dank und im Bahndeutsch als „2565/2556“ bezeichnet – bis hinter Siersdorf. Gutachter Pachan hat seine 13,5-Millionen-Kostenberechnung für eine Weiterführung der Trasse bis zu einem Haltepunkt nahe der Parkstraße in Baesweiler gemacht. Von dort aus würde die Euregiobahn dann an der östlichen Wohnbebauung entlang zum Gemeinschaftshaltepunkt Baesweiler/Setterich rollen. Eine weitere – weniger aufwändige und wohl auch schnellere – Variante ist die direkte Fortsetzung der Strecke von Siersdorf nach Baesweiler/Setterich. Kein Geheimnis ist, dass die Verantwortlichen der Stadt Baesweiler sich im Idealfall eine Weiterfahrt von dort aus Richtung Gewerbegebiet und CAP wünschen. EVS-Chef Christian Hartrampf hält diese Option allerdings für recht kühn. „Zuerst ginge es an den Streckenabschnitt bis Siersdorf, dann an den Neubau bis Setterich. Alles weitere ist noch überhaupt nicht berechnet.“

Hans-Joachim Sistenich als Geschäftsführer des NVR, der Fördergeber ist, betont, dass die Machbarkeitsstudie nur der Anfang eines langen Prozesses sein könne. „Wenn man eine geringe Chance auf die Realisierung einer Euregiobahnstrecke nach Baesweiler haben will, dann kommt überhaupt nur die Variante Ost in Frage.“ Das Projekt habe aber nur eine Chance, wenn auf kommunaler Ebene verbesserte Rahmenbedingungen geschaffen werden würden. „Die Frage ist nun, wie es mit der räumlichen Entwicklung weitergeht“, betont er. Die Schaffung weiterer Arbeitsplätze und zusätzlichen Wohnraums im Einzugsbereich der potenziellen Euregiobahnstrecke seien unabdingbar, damit die Züge in der Zukunft einmal rollen könnten. Es müssten auch die Entwicklung im Industriepark Emil-Mayrisch (z.B. Galileo-Projekt) sowie der Plan für ein interkommunales Gewerbegebiet zwischen Setterich und Siersdorf mit einbezogen werden, empfiehlt Sistenich. Dabei sei in langen Zeiträumen von mindestens 10 bis 15 Jahren zu denken, bis im Idealfall eine Realisierung der Euregiobahn-Anbindung konkret wird.

Stadt ist gefordert

Wie geht es nun weiter? Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens, der bislang eine Variante West mit direktem Anschluss des Gewerbegebietes favorisiert hatte, will nun auf Basis der Machbarkeitsstudie zusammen mit Stadtrat und seinem Verwaltungsteam „überlegen, wie wir die Standortbedingungen für die Variante Ost optimieren können“. Es gelte, „Argumente aufzubauen, damit ein wirtschaftlicher Betrieb der Euregiobahn auf einer Strecke bis Baesweiler möglich ist“. Darüber hinaus müsse Ziel sein, das Gewerbegebiet mit den rund 4000 dort tätigen Menschen ans Schienenetz anzubinden. Auch das werden wir nicht außer Acht lassen“, kündigt Linkens an.

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