Der Trend geht weg vom Vereinssport

Von: Karl Stüber
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Mehr Unterstützung von der Stadt Alsdorf wäre angebracht: Auch wenn viele Sportvereine mit ihren Ehrenamtlern Erhebliches in Eigenleistung erbringen, sind die Mittel begrenzt. Und der Trainings- und Spielbetrieb hat Vorrang vor Entrosten und Lackieren von Metallzäunen. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Sportstättenentwicklungsplanung in Alsdorf – das klingt positiv, dynamisch nach vorne gerichtet. Beim ersten Lesen oder Hören sieht das nach mehr aus und klingt auch danach. Allerdings geht es um die Anpassung der Sportstätten an den Bedarf.

Und der dürfte sich seit der letzten Fortschreibung des Entwicklungsplans vor 15 Jahren deutlich gewandelt haben. Die Stadt Alsdorf hat im letzten Jahr 2000 Haushalte angeschrieben und einen umfangreichen Fragebogen beigelegt. Ziel war, repräsentativ Daten über das Sportverhalten der Bevölkerung zu erhalten, wie Hubert Sieprath vom Sportamt der Stadt erläutert.

Dank zusätzlich eingesetzter Interviewer beträgt der Rücklauf knapp über 50 Prozent. Auch alle Sport anbietende Vereine wurden einbezogen. Die Quote des Rücklaufs seitens der Vereine fiel nicht ganz so hoch aus. Mittlerweile hat die Stadt die Fragebögen statistisch ausgewertet und auf die Bevölkerung um- bzw. hochgerechnet.

Und die so gewonnenen Zahlen sollen nun genauer aufbereitet und nach ersten Beratungen in der Lenkungsgruppe Sport Einzug in die politische Diskussion, also in die Fachausschüsse und den Stadtrat halten. „Wir werden sicherlich noch Monate darüber diskutieren, wo es lang geht“, sagt Sieprath. Der Mann vom Sportamt muss jetzt als weitere Entscheidungsgrundlage die gewonnenen Daten in Nutzungszeiten umrechnen und den Bedarf dem Bestand an Sportmöglichkeiten gegenüberstellen.

Derzeit gibt es im Stadtgebiet 13 Sportplätze und 18 Hallen. Sind die noch bedarfsgerecht? Was wird sich, was muss sich ändern? Erste Möglichkeit, die nun vorliegenden Erkenntnisse öffentlich zu diskutieren, bietet das 10. Stadtgespräch der Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing Alsdorf und unserer Zeitung am Mittwoch, 15. Mai, ab 19.30 Uhr (siehe Info).

Das Thema lautet aus gutem Grund „Sport in Alsdorf – was Bürger wollen, was sich die Stadt leisten kann“, denn nicht alles, was wünschenswert und bedarfsgerecht wäre, kann die klamme Stadt finanzieren. Was aus den Erkenntnissen der Umfrage gemacht wird, dürfte vor allem die angestammten Sportvereine brennend interessieren. Denn die Richtung ist eindeutig. „Der derzeitige Trend zahlreicher Sportaktiven und der hiermit verbundenen Sportaktivitäten geht zur ungebundenen, vereinsunabhängigen Sportausübung hin, wodurch der Sportaktive Zeitpunkt, Ort und Art der Sportbetätigung selbst bestimmen kann“, ist in den Vorbemerkungen zum Entwurf des neuen Sportentwicklungsplans der Stadt Alsdorf zu lesen.

Und die Vereine selbst liefern dazu passende Zahlen. „Während die Sportvereine in der Stadt Alsdorf im Jahre 1994/95 noch insgesamt über 10.185 Mitglieder verfügten, sind diese Zahlen im Jahre 2011/12 um 2436 (12,9 Prozent) auf 7749 deutlich zurückgegangen.“ Das heißt aber nicht, dass damit automatisch weniger Sportstätten erforderlich sind, betont Sieprath. Zumal die Stadt die Voraussetzungen für einen ordnungs- und richtliniengemäßen Schulsportunterricht erhalten will.

Allerdings heißt es weiter: „Im Rahmen ihrer Pflichten zur Daseinsvorsorge kann die Stadt Alsdorf nur eine Förderung des Sports und nur Sportanlagen für Grundversorgungsaufgaben im Breiten- und Schulsport mit dem Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendförderung übernehmen.“

Laut Umfrageergebnis beträgt der Anteil der sportaktiven Bevölkerung – Alsdorf zählte in 2012 gut 46 000 Bürger – 40,4 Prozent. Bezüglich sportlicher Aktivitäten waren Mehrfachnennungen möglich. Der Aktive joggt eben nicht nur, sondern fährt auch Rad und geht regelmäßig schwimmen, greift vielleicht auch mal in der Tennishalle zum Schläger. Noch eine interessante Zahl: Von den „sportorientierten“ Personen sind derzeit 41 Prozent Mitglieder in Sportvereinen, dabei sind passive Mitglieder mitgezählt.

Und wie hat sich das Sportverhalten innerhalb der letzten anderthalb Jahrzehnte in Alsdorf verändert? Einige Beispiele: Nach Angaben des Landessportbundes sank die Zahl der Vereinsmitglieder in Fußballvereinen von stolzen 4419 auf noch 2895, ein Minus von rund 35 Prozent. Auch die organisierten Handballer büßten ein: minus 62,4 Prozent, von 274 auf nur noch 103 Vereinsmitglieder. Im Tennis minus 48 Prozent (von 942 auf 490), beim Turnen minus 27 Prozent (von 1227 auf 898). Dagegen nahm die Mitgliederzahl bei Vereinen, die Kampfsport betrieben mit einem Plus von 188 Prozent deutlich zu (von 186 auf 536).

Tanzen ist an prozentualem Zuwachs Spitzenreiter mit 758 Prozent, dahinter stehen aber nicht so viele „Beine“: eine Steigerung von 12 auf 103 Vereinsmitglieder. Die Zahl der organisierten Schwimmer sank von 845 auf 766. Die Zahl der Bürger, die generell schon mal die Badehose einpacken und sich zu Wasser lassen, ist mit 2944 dagegen recht ansehnlich. Ob diese Erkenntnis die Stadt die 700.000 Euro Zuschuss pro Jahr fürs alte Hallenbad nebst Sauna besser verschmerzen lässt? Hoch im Kurs steht Radfahren. 3230 Befragte haben dies als sportliche Betätigung angegeben.

Das passt auch gut zu der Aktionsreihe „Ab aufs Rad!“ unserer Zeitung, bei der noch bis zum 24. Mai insgesamt acht Touren mit Radwegekarten der Tageszeitung nach und nach beigelegt werden. Dass Badminton typisch für Sportcenter mit entsprechenden Spezialplätzen ist, zeigt die Anzahl von 615 bekennenden Spielern bei nur 24 erfassten Vereinssportlern. Das gilt auch in Maßen für Tennis: 1024 Nennungen, 490 Vereinsmitglieder. Enorm beliebt ist der Bereich Fitnesstraining, der vor 15 Jahren kein Thema war. 2949 gaben jetzt an, das sei für sie die Form der sportlichen Aktivitäten.

Turnvater Jahn hätte es gefreut: Die Zahl der vereinsungebundenen Turner beträgt stolze 1031.

Sicherlich kann man sich darüber streiten, was Sport alles sein kann. Für Bürgermeister Alfred Sonder steht jedenfalls fest: „Wer sich den Turnschuh anzieht und losgeht, betreibt Sport.“ Sonders „macht“ das Sportabzeichen. Und der Mann walkt. Sonders teilt diese Passion laut Umfrage mit exakt 1541 Bürgern: You never walk alone – Du bist nicht allein mit klickenden Stöcken unterwegs.

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