Baesweiler - Der Traum vom Reich der Mitte

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Der Traum vom Reich der Mitte

Von: Sigi Malinowski
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Sie paukt schon jetzt intensiv
Sie paukt schon jetzt intensiv Vokabeln: Lisa Gütter aus Baesweiler fliegt nächstes Jahr für nach China. Im Norden des Riesenreiches wird sie ein Jahr lang leben. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Flatterhaft? Nein, so ist Lisa Gütter nicht. Jedenfalls wirkt die 15-Jährige nicht so. Die Gymnasiastin weiß bereits in jungen Lebensjahren, was sie will. Und dafür tut sie auch viel.

Zum Beispiel, dass sie in ihrem Zimmer auf dem Boden schläft. Denn das lieben Chinesen auch. Viele ihrer Mahlzeiten nimmt die Schülerin des Baesweiler Gymnasiums per Stäbchen auf. Denn in einem knappen dreiviertel Jahr wird die Teenagerin auch wissen, wie das vor Ort schmeckt. Lisa Gütter geht nach China, und darauf hat sie schon jetzt ihr Leben ein bisschen abgestellt. „Unser Schuldirektor Wilhelm Merschen kann sich nicht erinnern, so einen Fall bisher schon mal gehabt zu haben”, sagt die junge Neuntklässlerin und lächelt in fast asiatischer Zurückhaltung. Eine Baesweilerin in China.

Mit zwölf allein nach New York

Mit 14 Jahren besuchte Lisa erstmals die von unserer Zeitung präsentierte Messe ZAB, „Zukunft, Ausbildung, Beruf”. Dort entdeckte die Schülerin ihre Liebe für China. Gewundert hat es ihre Mutter Carmen ganz und gar nicht. „Lisa ist mit zwölf Jahren schon alleine nach New York geflogen, sie war auch schon in England. Meine Tochter ist ein sehr selbstständiges Mädchen”, sorgt sich Mutter Gütter ganz und gar nicht.

Was bei der „ZAB” begonnen wurde, endete (vorläufig) mit einer Bewerbung beim Verein „AFS Interkulturelle Begegnung”. Der Verein, der Schüleraustausch und Gastfamilienbegegnungen organisiert, nahm die Baesweiler Schülerin an Noch vor Weihnachten kommt die Organisation für Filmaufnahmen zu Familie Gütter.

Bestärkt wurde Lisa auch durch ihren Klassenlehrer Dr. Ansgar Lerner und die beiden Englischlehrer Andreas Haupts und Hans-Joachim Schippers. Außerdem ist da ihre Freundin und Klassenkameradin Dou Dou Jiang. Die 15-jährige Chinesin - sie wohnt nach einem Gastaufenthalt bei der Familie der Baesweiler Wolfgang und Elli Backhaus inzwischen mit ihren Eltern „fest” in Baesweiler - ist eine gute „Lehrerin” für Lisa.

Die beiden jungen Frauen verbringen viele Stunden miteinander, um die Sprache sowie Vokabeln zu üben. Zudem bringt Dou Dou ihrer Freundin Lisa - eins von vier Kindern der Familie Gütter - die chinesische Kultur näher. Falsche Scheu ist da fehl am Platz. So hat Lisa bereits eine Suppe, die aus Vogelnestern zubereitet wurde, gekostet. Wo sie in China hinkommen und die Schule besuchen wird? Lisa hat eine konkrete Vermutung. „Ich denke, dass ich irgendwo im Norden oder Nordosten sein werde.” Daher lernt sie das sogenannte Hochchinesisch (Mandarin) schon jetzt intensiv.

Angst hat sie jedenfalls keine. Weder vor der politischen Situation („Ich weiß schon, dass man da nicht unbedingt seine Meinung sagen darf”), noch vor den kulturellen Unterschiedlichkeiten. Sollte sie mal melancholisch werden und „Heimweh kriegen, werde ich eben schreiben”. Die junge Judosportlerin und Schülerin von Ü-40 Europameister Jörg Heynen hat auch ein Faible fürs Gedichteschreiben. Ihre favorisierte Musik wird Lisa Gütter möglicherweise in ihrem Gastland nicht näher anbringen können. Ihr Herz geht bei Heavy Metal (Metallica, Manowar) ganz weit auf.

Alternativen für die junge Bassgitarristin wären jedenfalls Corean- oder China-Pop. Bevor sich Lisa - wahrscheinlich im Juli oder August 2012 in den Flieger begibt - wird Familie Gütter aber auch einen Kassensturz vornehmen müssen. Denn: „Für einen Appel und ein Ei ist das nicht zu haben”, sagen die Eltern. Daher ist man auf der Suche nach Sponsoren. Dass Lisa fündig wird, da sind sich die Gütters sicher. Schließlich sei die fleißige Schülerin ja nicht mit Flausen im Kopf an diese Herausforderung herangegangen. Acht, neun Monate vor ihrem Auslandsaufenthalt kann sie sich sprachlich bereits gut verständigen. So wird sie wohl kaum mit ihren künftigen Gasteltern zusammensitzen und nur höflich lächeln. Das Mädchen aus Deutschland wird viel zu erzählen, aber auch zu hören haben.
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