Der tägliche Kampf gegen die Vorurteile

Von: Stefan Schaum
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Wir packen es an: Thomas Medve
Wir packen es an: Thomas Medvedev (l.) und Metallbaumeister Dieter Dassen sind ein gutes Team. Foto: Stefan Schaum

Würselen/Alsdorf. Genau so einen wie Thomas Medvedev hat Metallbaumeister Dieter Dassen gesucht. Einen, der motiviert ist, der Spaß an der Arbeit hat und morgens pünktlich in der Werkstatt steht.

„Er bringt alles mit, was ich brauche”, sagt der 48-Jährige, der sich vor gut zwei Jahren mit einem kleinen Betrieb in Linden-Neusen selbständig gemacht hat. Dass der 23-Jährige Medvedev auch ein Handicap mit sich bringt, weil er nur langsam lernt und in Förderschulen für das Arbeitsleben überhaupt erst fit gemacht werden musste, sieht sein Chef ganz gelassen. „Für mich zählt nur, wie einer anpackt. Man muss den Menschen auch Chancen geben.”

Genau so einen wie Dieter Dassen hat Arbeitsvermittlerin Anke Esser gesucht. Einen, der offen ist für ihre Vorschläge, der mal was wagt. Die junge Frau ist in der Bundesagentur für Arbeit im Nordkreis für die Vermittlung von Behinderten zuständig. Leicht ist das nicht. Einen großen Teil ihrer Zeit muss sie aufwenden, um bei potenziellen Arbeitgebern Vorurteile beiseite zu räumen.

Da fallen dann bei ihren Ansprechpartnern Sätze wie: „Aber Behinderte werden doch häufiger krank, oder?”, „Die können aber nicht so viel Leistung bringen, oder?”, „Die sind nicht so fleißig, oder?”. Hat sie alles schon gehört. Sie weiß, dass all das nicht stimmt - und wundert sich deshalb umso mehr darüber, wie hartnäckig sich solche Vorurteile halten. „Viele Arbeitgeber sehen nicht zuerst den Menschen, sondern nur dessen Behinderung.” Ein weiterer Vorbehalt, den sie gut kennt: „Wenn ich einen Behinderten einstelle, werde ich den doch nie wieder los!”

Das stimmt so auch nicht, wenngleich Schwerbehinderte einen besonderen Kündigungsschutz genießen. Ein zweischneidiges Schwert, sagt Anke Esser. „Einerseits fallen Behinderte nicht so schnell aus dem Arbeitsleben hinaus, andererseits kommen sie nur schwer überhaupt hinein.” So rasch, wie sie Thomas Medvedev vermittelt hat, klappt es nämlich nicht immer. Nur vier Monate, das ist flott.

„Ich musste nicht viele Bewerbungen schreiben”, freut sich Thomas Medvedev, der vor diesen vier Monaten seine dreijährige Ausbildung zum Metallarbeiter im Berufsbildungswerk Frechen beendet hat. Der Alemannia-Fan aus Alsdorf, der in seiner Freizeit gern Autos repariert, hat sich während eines Praktikums im Betrieb von Dieter Dassen bewährt. Der Chef schwärmt seitdem von ihm: „Der Thomas zeigt mir täglich, dass er es wirklich will.”

Und vor allem: Dass er es gut kann. Hier und da müsse er ihm vielleicht mal etwas zweimal erklären, sagt Dassen und schaut zu seinem neuen Mann an der Werkzeugbank herüber. Der lächelt zurück. Da haben sich zwei gefunden, die offenbar richtig gut zueinander passen.
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