Alsdorf - Der Lehrstreb landet auf dem Schrottplatz

Der Lehrstreb landet auf dem Schrottplatz

Von: Stefan Schaum
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Bergmannsschatz in der Dunkelh
Bergmannsschatz in der Dunkelheit: Mit Strahler und Taschenlampe werfen die ehemaligen Kumpel Christian Rennertz (l.) und Hartmut Krämer einen Blick in den Lehrstreb. Foto: Schaum

Alsdorf. Bergmannstradition hin, Erinnerungswert her: Am Schrottplatz führt letztlich kein Weg vorbei. Alle großen Apparate und Maschinenteile, die dieser Tage aus den langen Gängen des Kellers unter der Kraftzentrale ins Freie gekarrt werden, müssen versilbert werden, damit das Leerräumen finanziell überhaupt gestemmt werden kann.

Und freie Bahn braucht es, damit die Kraftzentrale wie geplant Teil des Kultur- und Bildungszentrums (Kubiz) werden kann. Der ehemalige Lehrstreb des EBV bleibt dabei allerdings auf der Strecke.

„Das tut weh”, sagt Hartmut Krämer, der den Lichtkegel seiner Taschenlampe im dunkeln Keller über das lenkt, was noch da ist: alte Förderbänder etwa und die wuchtigen hydraulischen „Schilde”, die die untertägigen Streben vor Gesteinseinbrüchen schützten. Vieles andere ist bereits ausgeräumt worden.

„Das war hier mal ein richtiges Lehrbergwerk”, sagt der ehemalige Steiger der Grube Anna II und Mitglied des Bergbaumuseumsvereins in Alsdorf. Ende der 1950er Jahre wurde der Lehrstreb angelegt, um dort den Nachwuchs für die Arbeit unter Tage zu schulen. Zwar haben diese Geräte längst ausgedient, doch das Bergmannsherz hängt immer noch sehr daran. „Das hat alles so hohen ideellen Wert, was da steht”, sagt er. „Wenn man denkt, dass man das einfach wegwerfen kann - das ist der größte Humbug!”

Einfach haben sich die Wegbereiter des Kubiz die Entscheidung auch nicht gemacht. „Doch wir konnten letztlich nicht anders”, sagt Günter Jansen, Geschäftsführer der Grund- und Stadtentwicklungsgesellschaft (GSG). „Wir müssen den Keller dringend frei bekommen, um die Statik des Hallenbodens und des Daches zu sichern”, sagt er.

Zusätzliche Stützpfeiler müssen dazu gesetzt werden, im Frühjahr soll das geschehen. Bis dahin muss das raus, was auch Jansen gerne erhalten gesehen hätte. „Ich selbst habe einmal mit meiner Schulklasse diesen Lehrstreb besucht”, erinnert er sich. „Für uns als Bergmannskinder war das ja eine besondere Gelegenheit, diese Dinge einmal hautnah zu erleben.”

Doch es ist, wie es ist: Könnte die beauftragte Firma, die den Keller leerräumt, nicht den Schrottwert der Anlagen verbuchen, wäre „das für uns zu teuer geworden”, sagt Christoph Kemperdick, Projektmanager bei NRW Urban. Zwar habe der Bergbaumuseumsverein in Alsdorf großes Interesse an den Geräten gezeigt, „doch konnte er diese großen Maschinen nicht ausbauen.”

Auch Harald Richter, Projektbeauftragter für die Energielandschaft Anna, musste letztlich abwinken. „Ich hatte die Hoffnung, diese Sachen bergen und im Energeticon präsentieren zu können - aber sie sind einfach zu groß.” Einen kleinen „Ersatz” solle es aber geben. Zwei hydraulische Schilde, wie sie im Lehrstreb abgebaut werden, wolle der Schrotthändler Franz Plum dem Energeticon zur Präsentation überlassen.
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