Der Kampf um gutes Kitapersonal wird härter

Von: Naima Wolfsperger
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Gute Betreuung für jedes einzelne Kind: Das wünschen sich alle Eltern, die Kinder in der Kita betreuen lassen. Derzeit spitzt sich allerdings die Lage auf der aus dem Arbeitsmarkt zu. da es immer mehr Kita-Plätze gibt, wird das Fachpersonal langsam knapp. Foto: dpa

Nordkreis. Nicht weniger als 14 verschiedene Erzieher haben die Kinder einer Würselenerin in nur anderthalb Jahren kennengelernt. Von 13 von ihnen mussten sie sich dann auch schnell wieder verabschieden. Sehr zum Unmut von Eltern, die ihre Kinder in dieser Kita betreuen lassen.

Persönlich genannt werden wollen sie nicht. Aber sie fordern mehr Konstanz bei den Kontaktpersonen. Das sei aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive essenziell für eine stabile Kindheit, für ein gesundes Aufwachsen.

Der Träger der Einrichtung bestätigt diese Zahlen. „Diese Situation ist ein Ausnahmefall. Es gibt eine Lücke im Stellenmarkt“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Und manchmal komme eben alles zusammen: Mitarbeiter mit langzeitlichen Krankheiten, Elternzeiten, junge Kollegen, die erst mal überfordert seien, und hohe Konkurrenz zu anderen Trägern. „Die Regel ist das nicht“, heißt es weiter.

Stellen unbesetzt

Auch wenn die betroffene Kita nicht in kommunaler Hand ist, sei die hohe Personalfluktuation in Kitas ein großes Problem, aber gewiss kein spezifisches Würselener Thema, versichert Stadtsprecher Bernd Schaffrath. „Wir haben eine Dauerausschreibung für Springerpositionen, falls vom Stammpersonal jemand ausfällt.“ An einem Tag unterschreibe er einen Arbeitsvertrag, am nächsten erhalte er von anderer Stelle eine Kündigung.

„Die Ursachen liegen in dem erhöhten Stellenangebot, das mit der Schaffung der Plätze für Unter-Dreijährige (U3) ausgeweitet wurde.“ Seitdem es einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gebe, stünden die Kommunen in einer verschärften Konkurrenzsituation zueinander. Außerdem führten Krankheitsfälle oder Mutterschutz zu zeitweisen Personalwechseln. Laut Haushaltsplan hat die Stadt 2017 43,3 Erzieherstellen zu besetzen.

Krankheitsfälle und Elternzeit können derzeit zwar aufgefangen werden, sagt Miriam Ameri von der Stadt Würselen, meist aber eben nur mit Stückelung der Stellen in 15- oder 5-Stundenverträge. 4,85 Stunden sind derzeit nicht besetzt. Und eine Leitungsstelle in Teilzeit (32 Stunden) ist seit Anfang des Jahres ausgeschrieben.

Das Personalkorsett ist also straff – und das obwohl Würselen derzeit erhebliche Probleme hat, die notwendige Anzahl an Kita-Plätzen überhaupt zur Verfügung zu stellen. Einerseits, weil der Zuzug gerade junger Familien unterschätzt wurde und andererseits, weil Baumaßnahmen freier Träger nicht beizeiten zum Abschluss gebracht werden konnten.

Als Konkurrenz sieht zumindest Herzogenrath die Kommune Würselen nicht. „Der Personalwechsel ist in unseren Kitas sehr gering“, sagt die Teamleiterin der Kindertagesbetreuung, Gabriele von Wnuck. Bedingt durch Schwangerschaften käme es hin und wieder zu zwischenzeitlichen Personalwechseln. Dies sei aber ein ganz normales Prozedere.

Keine Schwierigkeit

Auch die Städteregion Aachen, die die Trägerschaft für einige kommunale Kitas in Baesweiler innehat, meldet keine Auffälligkeiten. Zwar sei das Problem bekannt, meldet Detlef Funken, Sprecher der Städteregion, aber bisher habe man noch keine Schwierigkeiten gehabt, Stellen im Nordkreis zu besetzen. „Auch wenn hier weniger Bewerbungen eingehen als in den südlichen Kommunen.“ Warum, das sei auch ihm ein Rätsel.

Auch in Alsdorf scheint die Personalfrage noch nicht eine solche Dringlichkeit zu haben wie in Würselen. „Das Thema ist in den Kommunen aber bekannt“, sagt Manfred Schmidt, stellvertretender Jugendamtsleiter. Derzeit sind alle Stellen in städtischen Kitas in der Kommune besetzt; auch gibt es noch einen Stellvertreter-Pool, falls es zu Ausfällen wie längeren Erkrankungen und Elternzeiten kommt. „Aber dieser Pool wird immer kleiner. Das merken wir deutlich.“

Mit der steigenden Nachfrage an Kitapersonal in der Städteregion sind befristete und Teilzeitstellen weniger attraktiv. „So weit, dass wir aktiv aus anderen Kommunen oder von anderen Trägern abwerben, sind wir aber noch nicht.“ Sollte die Betreuung weiter ausgebaut werden, käme man aber früher oder später in Bedrängnis. „Wir bilden selbst in Berufspraktika aus. Deshalb ist der Erziehernachwuchs bei uns recht stabil“, betont Schmidt. Deshalb käme es in Alsdorf derzeit zu keinen ungewöhnlichen Schwankungen.

„Vor allem für die freien Träger ist es schwer, Erzieher zu finden. Die Kommunen könnten bessere Gehälter zahlen“, sagt Melanie Carduck vom Deutschen-Roten-Kreuz (DRK). Mit dem U3-Ausbau seien viele neue Stellen dazugekommen, die verschiedenen Träger werben sich gegenseitig die Fachkräfte ab und zusätzlich entschieden sich viele junge Kollegen nach der Ausbildung zu einem Studium, mit dem Ergebnis, dass sie dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stünden.

In Alsdorf und Herzogenrath hat das DRK derzeit keine unbesetzte Erzieherstellen, in Baesweiler sei eine Stelle ausgeschrieben, „in Würselen sind es vier. Dort sind wir mit fünf Einrichtungen aber auch sehr stark vertreten“, sagt Carduck.

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