Jülich - Der „Herr auf dem Hof” geht zurück zur Scholle

Der „Herr auf dem Hof” geht zurück zur Scholle

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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In der Kampagne 2008/09 stand Hermann Mugele zum letzten Mal auf der „Brücke”. In der diesjährigen Kampagne wird er selbst seine Rüben zur Waschstation transportieren.

Jülich. Hermann Mugele war eine Institution. Als Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung der Zuckerfabrik Jülich dürfte er unter den Bauern in der Region einen Bekanntheitsgrad nahe 100 Prozent haben. Rübenbauern kennen ihn ausnahmslos - und er kennt jeden von ihnen.

Ab Donnerstag ist er wieder einer von ihnen. Der „Herr auf dem Fabrikhof” ist jetzt Ruheständler - nach 37 Jahren, in denen die Zuckerfabrik und die süße Knolle sein Leben bestimmten.

„Der Dr. Clahsen hatte mich damals eingestellt, weil er wusste oder voraussah, dass der Rübenanbau in einen extremen Wandel hineinkam”, erinnert sich Mugele rückblickend.

Dieser Wandel, den der damalige Chef der Zuckerfabrik Jülich ahnte, trat ein - und war so tiefgreifend, dass Mugele ihn als „Revolution” auf dem Acker bezeichnet.

Beratung der Bauern fand damals kaum statt. „Wir steckten in den Kinderschuhen der Agrochemie.” Pflanzenschutzmittel bedarfsgerecht, aber Rüben und Umwelt schonend auszubringen, war ein Feld, das noch nicht erforscht, geschweige denn bestellt war.

Gerade erst war eine Rübensorte mit einkeimigem Saatgut entwickelt. Bis dahin wurde die mehrtriebigen Pflanzen auf dem Feld noch „vereinzelt”, das heißt per Hand und Hacke wurden überschüssige Rübenkeime gekappt.

Anfang der 70er Jahre investierte der Bauer noch 200 Arbeitsstunden in jeden Hektar, um die Zuckerrübe bis zur Ernte zu kultivieren.

„Heutzutage liegen wir bei sechs bis zehn Stunden”, zieht Mugele den Vergleich. Eine solch eklatante Entwicklung, ist er sicher, „ist in dieser Konzentration nicht zu wiederholen”.

Wandel in Zahlen

Die Landwirtschaftliche Abteilung, hervorgegangen aus dem Rübenlabor der Zuckerfabrik, fungierte wie eine Nahtstelle. Sie gab die Erkenntnisse und Entwicklungen aus den Labors weiter an die Rübenbauern.

Beratung gewann einen besonderen Stellenwert. Letztendlich diente sie dem Ziel, die Effektivität des Rübenanbaus zu steigern.

In den Vorträgen, die Hermann Mugele in den zurück liegenden Monaten vor jeweils 150 bis 200 Landwirten hielt, belegte er die Rübenrevolution mit beeindruckenden Zahlen.

Das ein Zuckerrübenfeld pro Hektar mehr Sauerstoff freisetzt als ein Wald gleicher Fläche, ist aus Sicht des Bauern oder der Zuckerfabrik nicht so bedeutsam wie der drastische Rückgang der Verwendung von Insektiziden oder Herbiziden, wie die kontinuierliche Steigerung des Rübenertrags pro Hektar von 45 Tonnen Anfang der 70er Jahre auf 66 Tonnen in jüngster Zeit.

Bei aller nüchterner Zahlenarbeit blitzt immer wieder durch, dass Hermann Mugele selbst Bauer aus Überzeugung ist. „Für die Zuckerfabrik ist die Rübe ein Rohstoff, für mich ein absolut perfekter Organismus”, wirft er fast beiläufig ein.

Seinen Hof in Inden hat er während der 37 Jahre im Dienste der Zuckerfabrik bewirtschaftet, hat seine eigenen Rüben angebaut.

Und das wird er auch in seinem neuen Lebensabschnitt tun. Hermann Mugele als Rentner zu sehen, dürfte allen, die ihn kennen, schwer fallen. „Fließendes Wasser fault nicht”, ist sein Wahlspruch.

Gerade 64 geworden, ist er dabei, seinen alten Fachwerkhof bei Berzbuir auszubauen.

Im Herbst wird er seine Rüben per Lkw zur Zuckerfabrik Jülich fahren und auf dem Hof viele Bekannte treffen.

Ganz wird die Zuckerfabrik ihn sowieso nicht loslassen. Er bleibt Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Betriebs Gut Lorsbeck, das der Zuckerfabrik gehört.

Hermann Mugeles Nachfolger als Leiter der Landwirtschaftlichen Abteilung ist im Übrigen auch Bauer.

Der promovierte Landwirt Dr. Willi Kremer-Schillings wird möglicherweise eine andere Revolution erleben. Den Wandel von der süßen Knolle zum Energietank unter der Ackerscholle.
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