Nordkreis - „Der Gott des Gemetzels“ auch im Nordkreis

„Der Gott des Gemetzels“ auch im Nordkreis

Von: Marie Eckert
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Alles fängt ganz höflich und gesittet an: Mit dem Erfolgsstück „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza feierte das „aixpertentheater“ jetzt in der Klangbrücke Premiere. Foto: Andreas Schmitter

Nordkreis. Mahes bedeutet „wildblickender Löwe“. Er ist der altägyptische „Löwengott“, ein grausamer Gott, der sich über Blutvergießen freut. Ein „Gott des Gemetzels“ eben. Und genau der ist Thema in Georg Immelmanns Inszenierung des „aixpertentheaters“, die jetzt in der Klangbrücke Premiere feierte. Die Ausgangssituation: Der elfjährige Ferdinand schlägt seinem Schulkameraden Bruno bei einem Streit zwei Schneidezähne aus.

Brunos Eltern, Véronique (Astrid Kempen) und Michel Houillé (Michael Strack), laden daraufhin die Eltern des Täters, Annette (Rebecca Sohn) und Alain Reille (Christoph Friedrich), zu sich ein, um die Situation zu klären. Denn, so stellt Véronique zu Beginn fest, zum Glück gebe es ja noch die Kunst des zivilisierten Umgangs miteinander.

Absurd, grotesk, übertrieben

„Die Inszenierung ist komisch, aber regt zum Nachdenken an. Sie ist weit entfernt von purem Realismus und übertreibt“, erklärt Regisseur Immelmann. „Dieses Absurde, Groteske ist der große Reiz des Stückes.“ „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza ist mittlerweile eins der erfolgreichsten Theaterstücke und vor drei Jahren verfilmt worden. „Das macht viele Zuschauer neugierig, wie das Stück im Theater aussieht“, sagt Immelmann.

Dort steht auf der Bühne lediglich ein Couchtisch bedeckt mit Kunstbänden und einem Tulpenstrauß, dazu vier Stühle. Die Ehepaare sitzen um den Tisch, um das Vorkommnis betont freundlich ein für alle mal aus der Welt zu schaffen. „Hoffen wir, dass alles gut wird“, beginnt Annette Reille, danach peinliche Stille, Smalltalk und wieder das eigentliche Thema: die Prügelei. Und weil es sich für gute Gastgeber so gehört, servieren die Houillés selbst gebackenen Kuchen und Kaffee.

Der Umgang ist höflich, bis Annette der ganze Umstand auf den Magen schlägt und der schöne Kuchen ausgerechnet auf den Kunstbänden der Reilles landet. Oder das Gespräch laufend durch Telefonate von Alain unterbrochen wird, der als Anwalt eines Pharma-Konzerns gerade eine heikle Klage zu klären hat – zu allem Überfluss auch noch das Medikament, das Michel Houillés Mutter gerade einnimmt. Als dann noch herauskommt, dass Michel den nachtaktiven Hamster seiner Tochter ausgesetzt hat, ist Schluss mit lustig.

Immer wieder erhitzt sich die Situation, immer wieder läuft das Gespräch aus dem Ruder. Michel entpuppt sich als unerträglicher Schwarzmaler und Choleriker, und auch die Ehe der Reilles scheint plötzlich alles andere als perfekt. In wechselnden Koalitionen streiten, weinen und beschimpfen sich die Ehepaare, gegenseitig, untereinander, ganz egal. Der „Gott des Gemetzels“ zeigt seine Fratze, von den anfänglichen Gutmenschen ist fast nichts mehr übrig.

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