Würselen - Der „Freundeskreis“ setzt auf Gespräche

Der „Freundeskreis“ setzt auf Gespräche

Von: ehg
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Leerstand: In Wohnungen an der Kaiserstraße, die der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen gehören, sollen Asylbewerber einziehen. Das hat der Sozialausschuss einstimmig beschlossen. In wie vielen Monaten die Gebäude zur Erschließung der Singer-Höfe weichen müssen, steht noch nicht fest. Foto: Georg Pinzek

Würselen. Die menschenunwürdige Unterbringung von Asylbewerbern an der Jülicher Straße 24 soll – darin stimmte der Sozialausschuss in seiner jüngsten Sitzung überein – in absehbarer Zeit ein Ende haben. Er gab einstimmig dafür grünes Licht, dass sie sobald wie nur eben möglich in die leer stehenden Häuser der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEW) an der oberen Kaiserstraße umziehen werden.

 Diesen einhelligen Beschluss wertet der „Freundkreis Jülicher Straße 24“ äußerst positiv. In ihm spiegele sich ein klarer Konsens zwischen Sozialausschuss, Freundeskreis und Asylbewerbern, betonte Jürgen Hohlfeld in einem Pressegespräch. „Wir als Freundeskreis sind interessiert an einer vernünftigen Veränderung der Wohn- und Lebensverhältnisse der Flüchtlinge und nicht an einer Verschärfung von Konflikten.“

Dass Gewerbetreibende und Nachbarn an der oberen Kaiserstraße gegen die dortige Unterbringung von Asylbewerbern zu Felde ziehen, führt Alfred Dubios, der einige Jahre in Afrika als Lehrer arbeitete, auf Unwissenheit zurück. „Wir bekommen junge Leute zugewiesen, die kein Wort Deutsch, meist aber Englisch sprechen.“ Sie seien in ihrer Heimat zur Schule gegangen. Unter ihnen auch einer, der ein Mathematikstudium absolviert habe. „Doch sie werden bei uns behandelt wie Aussätzige.“ Für den Freundeskreis besteht kein Zweifel, dass ein qualifizierter Betreuer für sie zur Verfügung stehen müsse. Hildegard Hüring: „Derzeit übernehmen wir deren Betreuung, was aber nicht ausreiche.“

Im Gottesdienst vorgestellt

„Sie brauchen unsere Unterstützung“, ergänzt Pfarrerin Dorothea Elisabeth Alders. Sie wollten integriert werden. Ein erster Schritt zum gegenseitigen Kennenlernen sei der ökumenische Gesprächsgottesdienst gewesen, zu dem sich über 40 Personen in der evangelischen Kirche in Vorweiden eingefunden hatten. Drei Asylanten erzählten darin ihre Lebensgeschichte und erhielten dadurch ein Gesicht. Die Pfarrerin: „Wir müssen sie zurück ins Leben holen.“

Wie das in einem speziellen Fall geschah, schilderte Hans-Peter Clahsen. Der Asylant aus Sri Lanka, der nicht weniger als fünf Sprachen spricht, sei durch und durch traumatisiert gewesen. Er habe inzwischen seine Krankheit überwunden. Ein leuchtendes Beispiel für Integration ist Vasuthevan Manikkasagar, der als ehrenamtlicher Mitarbeite im Haus Serafine ein hohes Ansehen genießt. Hildegard Hüring: „Er hat mittlerweile einen eigenen Schreibtisch, auf dem er seine Hausaufgaben für die Schule machen kann. Vorher musste er sie auf seinem Schoß erledigen, so gut es eben ging.“

Für Jürgen Hohlfeld ist es wichtig, dass die Asylbewerber erst einmal die deutsche Sprache lernen, eine Grundvoraussetzung für die Verständigung mit den Menschen in der neuen Heimat. Nicht minder wichtig sei aber auch, dass sie arbeiten können. Um die Irritationen an der oberen Kaiserstraße aus der Welt zu räumen, setzt der „Freundeskreis Jülicher Straße 24“ auf Gespräche, nicht auf einen runden Tisch. Die Geschäftsleute und die Nachbarn sollen die Asylbewerber unmittelbar kennen lernen. Er ist sich sicher, dass dann viele noch bestehende Ressentiments abgebaut werden können.

Im Übrigen gebe es einen Gewerbetreibenden dort, der den Asylanten seit Jahren schon unter die Arme greife, wo er nur könne, ergänzte Clahsen aus seiner Erfahrung. „Es entsteht hier kein neues Asylbewerberheim. Es sollen lediglich vorhandene Wohnungen vorübergehend genutzt werden“, war Jürgen Hohlfeld bemüht, letzte Zweifel zu zerstreuen.

Dass die angestrebten Gespräche der Schlüssel zur Lösung des Problems – für den Augenblick sein mögen – ist im beiderseitigen Interesse nur zu wünschen. Doch wird die Stadtverwaltung weiterhin bemüht sein müssen, eine endgültige Lösung zu suchen und zu finden.

Schließlich noch eine gute Nachricht: Es konnten bereits sieben Asylanten von der Jülicher Straße 24 in privaten Wohnungen untergebracht werden. Dass es noch mehr werden, daran werde mit Unterstützung der Stadt gearbeitet, hieß es.

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