Der Feuerwehr fehlt es an Nachwuchs

Von: annika kasties
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Früh übt sich, wer Leben retten will: Beim Brandschutz ist der Nachwuchs aus der Jugendfeuerwehr besonders wichtig. Foto: Annika Kasties

Würselen/Nordkreis. Äxte, Brecheisen und Schläuche in den unterschiedlichsten Ausführungen. Eine Gasmaske darf natürlich auch nicht fehlen. Ein langezogenes „cool“ ertönt leise aus der Runde. Besser kann man es wohl nicht treffen. Der Inhalt eines Feuerwehrautos gleicht einer wahren Schatzkiste. Und das nicht nur für Kinderaugen.

Dass die Feuerwehr mit einer ganzen Palette an Geräten aufwartet, um im Ernstfall Leben zu retten, konnten am Mittwoch 14 Jungen und Mädchen hautnah bei der Freiwilligen Feuerwehr in Würselen erleben. Im Rahmen eines Schnuppertages lud der Löschzug Würselen-Mitte zum Brandschutzeinsatz. Mit großen Augen war es aber nicht getan. Die Kinder und Jugendlichen durften auch selbst Hand anlegen und ihre Fähigkeiten als Jung-Brandschützer im kontrollierten „Ernstfall“ erproben. „Ich habe noch nie ein Feuer gelöscht und jetzt dürfen wir das endlich!“, strahlt der elfjährige Till. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Peter überlege er sich jetzt ernsthaft, in die Jugendwehr einzutreten.

Doch all die begeisterten Kinderaugen können von einem Umstand nicht ablenken: Der Freiwilligen Feuerwehr fehlt es an Mitarbeitern. Und das in der gesamten Region. In Würselen setzt man deshalb vor allem auf die Jugendarbeit. Denn beim Nachwuchs heißt es: Je früher, desto besser! Quereinsteiger gebe es nur noch äußerst selten, erklärt Ulrich Grossmann, Zugführer des Löschzuges Würselen-Mitte. Neue Mitarbeiter müssen also aus der Jugendfeuerwehr kommen.

Auch wenn der kleine Till beim Schnuppertag große Ambitionen zeigt, bringt die 15-jährige Sarah die Problematik auf den Punkt: „Wenn ich Zeit hätte, würde ich mich total gerne bei der Feuerwehr engagieren. Doch mit Schule und meinen anderen Hobbys wird das eng.“

Diese Schwierigkeit kennt Marc Straußfeld, stellvertretender Jugendwart beim Löschzug Würselen-Mitte, nur zu gut. Die Tätigkeit bei der Feuerwehr sei zwar ein attraktives, aber auch ein sehr einnehmendes Hobby. Dadurch, dass die Feuerwehrübungen samstags seien, bestehe vor allem eine Konkurrenz zu Sportvereinen, deren Spiele und Turniere zeitgleich stattfinden. „Bei uns geht es erst ab zehn Jahren los. Da sind wir natürlich etwas spät dran, weil viele Kinder dann schon ein Hobby haben“, erklärt Straußfeld.

Dennoch könne man sich in Würselen hinsichtlich der Jugendfeuerwehr nicht beklagen. „Bei uns läuft es mit dem Nachwuchs in den letzten Jahren zum Glück gut“, betont Jugendfeuerwehrwart Sebastian Röhrhoff. 25 Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren engagieren sich zurzeit in der Jugendfeuerwehr, davon neun Mädchen.

All diese Bestrebungen sind jedoch dann für die Katz‘, wenn sich das Engagement bei der Feuerwehr nicht mit dem Beruf vereinbaren lässt. Der Einsatz im Notfall ist erst ab einem Alter von 18 Jahren erlaubt. In der aktiven Wehr zeigten sich dann auch im Würselen die Schwierigkeiten. „Wir haben vor allem Probleme in der Tagesverfügbarkeit“, erklärt Grossmann. Nämlich genau dann, wenn die meisten Freiwilligen ihrem Beruf nachgehen und sich für Einsätze nicht freistellen können. Die Wache der Freiwilligen Feuerwehr in Würselen ist laut Grossmann zwar rund um die Uhr mit acht Mitarbeitern besetzt. Doch grade wenn sich die Notrufe häufen, ist die Feuerwehr auf den Einsatz von Freiwilligen angewiesen. „Eine hauptamtlich besetzte Wache kriegt das ohne deren Unterstützung nicht in den Griff“, betont Grossmann. Beim Arbeitgeber sei der plötzliche Ausfall eines Angestellten wegen eines Feuerwehreinsatzes oft nicht gerne gesehen.

Das soll sich demnächst ändern. Im Rahmen der landesweiten Aktion „Feuerwehrensache“ des NRW-Ministeriums für Inneres und Kommunales werde in Würselen derzeit ein Projekt erarbeitet, das nach Hoffnung der Beteiligten für Entlastung sorgt. So sollen Arbeitnehmer, die berufsbedingt nach Würselen pendeln und eigentlich einer anderen Feuerwehr angehören, im akuten Bedarfsfall für die Würselener Brandschützer zur Verfügung stehen. Die Kosten, die durch den Ausfall für den Arbeitgeber entstehen, werde von der Kommune getragen. Erste Gespräche mit Arbeitgebern werden derzeit geführt, so Grossmann.

Darüber hinaus bemühen sich die Kommunen verstärkt darum, die Helfer nah am möglichen Einsatzort zu halten. Bei Bewerbungen für Stellen in der Verwaltung, kann sich die Tätigkeit bei der freiwilligen Feuerwehr durchaus positiv auf das Auswahlverfahren auswirken. Mit einer besonders außergewöhnlichen Maßnahme betrat man in Baesweiler unlängst Neuland. Dort zahlt die Stadt für die freiwilligen Mitarbeiter ihrer Feuerwehr sogar Beiträge in die Rentenversicherung ein.

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