Der Bufdi erleichtert das Ankommen der Flüchtlinge

Von: Stefan Schaum
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Zu Gast bei den Eheleuten Sawewes: Bufdi Lukas Ohler kann sich bei der Betreuung der Flüchtlinge auch Zeit für Gespräche nehmen. Foto: Schaum

Baesweiler. Noch vor ein paar Monaten tauchten diese Menschen für ihn bloß ihn Statistiken auf. Da war die Flüchtlingssituation ein Unterrichtsthema am Baesweiler Gymnasium. Jetzt, kurz nach dem Abi, ist Lukas Ohler ganz dicht dran an denen, die zuvor Zahlen waren. Der 19-Jährige hat im August seinen einjährigen Bundesfreiwilligendienst begonnen. Zwei Bufdis gibt es bei der Stadt. Beide kümmern sich vor Ort um Flüchtlinge.

Sind Alltagshelfer und Wegbegleiter, Ansprechpartner und Vermittler. Kurz: Sind im Grunde unersetzlich. Meist ist Lukas bereits zur Stelle, wenn ein Bus mit neu zugewiesenen Flüchtlingen vor dem Settericher Rathaus hält. Nach der Behörde ist er ihr Begleiter. Fährt sie zur Unterkunft und zeigt ihnen dabei die Stadt, die wichtigen Anlaufstellen vor Ort. Er erleichtert das Ankommen.

Sicher, „zu Beginn ist da oft eine gewisse Distanz zu mir spürbar“, sagt er. Aber die ist schnell überwunden. Wenn er Quatsch mit den Kindern der ankommenden Familien macht oder wenn er ein wenig plaudert, ganz locker, wie das so seine Art ist.

Das Soziale liegt ihm einfach

Das Soziale liegt ihm einfach, das war schon immer so. In der Schule hat er sich ehrenamtlich als Streitschlichter engagiert und als seine Jahrgangsstufe jüngst den Abi-Gag gemacht hat, hat er das Ganze schwungvoll moderiert.

Später mal Soziale Arbeit zu studieren – dieser Plan steht noch. Aber das Bufdi-Jahr will Lukas Ohler auch als persönliche Orientierungsphase nutzen.

Gut möglich, dass seine Erfahrungen in den kommenden Monaten ihn mehr prägen werden, als er es jetzt schon ahnt. Er wird sicher so manches hören, das an Herz und Nieren geht. Je häufiger er die Menschen in den Unterkünften besucht, desto mehr öffnen sie sich, geben von ihren Schicksalen preis. Neulich hat ihm ein junger Syrer ein Foto gezeigt, das sein Vater ihm aufs Handy geschickt hatte. Wenige Meter vor dessen Haustür war eine Bombe explodiert.

„Der Vater blieb zum Glück unverletzt, aber mir lief da schon ein Schauer über den Rücken“, sagt Lukas. „Diese Dinge, die weit weg geschehen, kommen mir jetzt so nah.“ Ist diese Aufgabe nicht sehr belastend für einen in seinem Alter? Während manch anderer sich nach dem Abi eine Auszeit in Australien gönnt, hilft er in seiner Heimatstadt. Das könne man kaum vergleichen – zudem empfinde er es nicht als schwere Aufgabe. „Ich sehe ja, dass ich wirklich helfen kann, dass ich den Menschen viele Dinge erleichtern kann. Das macht Spaß – und dann tritt die Belastung ganz klar in den Hintergrund.“

Gemeinsame Freude

Jüngst erst konnte er sich gemeinsam mit Flüchtlingen freuen. Mit Hany Sawewes, der mit Frau und den vier Kindern vor zwei Jahren aus Ägypten nach Deutschland kam. Als Christen wurden sie in ihrer Heimat bedroht, konnten sich dort nicht mehr sicher fühlen. Der ehemals selbstständige Optiker musste das vertraute Leben und die eigenen Läden zurücklassen.

Doch nun hat er Arbeit, seit wenigen Tagen. Endlich wieder. Zunächst zwar nur auf Teilzeitbasis, aber es gibt die Aussicht, dass er auch länger in einem Baesweiler Brillengeschäft arbeiten kann. Doch zeigen muss sich zunächst, ob die Familie überhaupt dauerhaft bleiben kann. Die Ungewissheit ist nicht fort – auch zwei Jahre nach der Ankunft haben die Ämter das letzte Wort in dieser Sache nicht gesprochen. . .

Erste Hindernisse nehmen

Familien wie die Sawewes, die schon länger hier leben, besucht Lukas Ohler ebenfalls. Aber eher selten. Denn die Bufdis sollen vor allem beim Ankommen unterstützen und mögliche Hindernisse aus dem Weg räumen. Dass viele dabei ihre Hilfe anbieten, begrüßt er sehr. „In der Stadt ist eine riesige Solidarität mit den Flüchtlingen spürbar“, sagt er. Die, die ihn kennen, fragen jetzt oft, ob er Dinge brauchen und an Flüchtlinge weitergeben kann.

Ob es künftig mehr wie ihn gibt, wird sich zeigen. Noch hat die Stadt zwar keine dritte Bufdi-Stelle beantragt, aber möglich wäre es, sollten die Flüchtlingszahlen weiter steigen. Kandidaten dafür dürfte es geben, und das freut Sozialamtsleiterin Angelika Breuer besonders: „Es ist bei uns noch nie eine Bufdi-Stelle unbesetzt geblieben. Das Engagement junger Menschen, sich in diesem Bereich zu engagieren, ist sehr groß.“ Und: „Nach dem Bufdi-Jahr hat jeder gesagt, dass es eine richtig wertvolle, positive Erfahrung war.“ Sieht ganz so aus, als ob Lukas Ohler dem in zehn Monaten gerne zustimmen wird.

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