Den minderjährigen Opfern sexueller Gewalt wirksam helfen

Von: Rolf Hohl
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Sie setzen sich für Opfer sexueller Gewalt ein: (v.l.n.r.) die Beraterinnen Renate Wallraff, Einrichtungsleiterin, Sandra Breuer und Verena Steinbusch. Foto: Rolf Hohl

Alsdorf. Die seelischen Belastungen von Opfern sexueller Gewalt sind für Nicht-Betroffene kaum vorstellbar. Das gilt auch für die Schwierigkeiten, nach solch einem Vorfall vertrauenswürdige Ansprechpartner zu finden, um über das Erlebte zu sprechen. Seit 30 Jahren bietet die Anlaufstelle „Anker“ in Alsdorf daher eine helfende Hand durch schwere Zeiten.

Kinder, die sexuellen Missbrauch oder Vernachlässigung erfahren haben, finden dort zuverlässig Schutz, Beratung und Zuwendung.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 465 Menschen in 163 Fällen beraten. Dabei, so die Einrichtungsleiterin Renate Wallraff, seien verstärkt auch Frauen als Täterinnen in Erscheinung getreten. Auch vier sexuell übergriffige Mädchen seien unter den Beratungsfällen gewesen.

„Manche haben immer noch dieses Klischee vom alten Mann mit Hut als Sexualstraftäter im Kopf, aber das trifft meist nicht zu“, erklärt Beraterin Sandra Breuer. Etwa ein Drittel der Übergriffe fänden nämlich durch Kinder und Jugendliche statt.

Ebenfalls habe sich in der Opferarbeit der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung erhöht. Breuer führt dies auf das Verlangen nach Machtausübung beim Täter zurück, das bei geistig eingeschränkten Menschen leichter zu befriedigen sei. Dabei müssten die steigenden Zahlen aber nicht zwangsläufig eine Zunahme von sexuellen Übergriffen insgesamt bedeuten. Viel mehr habe vermutlich die Sensibilisierung für die verschiedenen Formen und Täterprofile dazu geführt, dass diese zusehends mehr ans Tageslicht kommen.

„Oft melden sich auch nicht die betroffenen Kinder selbst bei uns, sondern die Eltern oder Schulsozialarbeiter, die eine Veränderung im Verhalten des Kindes festgestellt haben“, sagte Verena Steinbusch, ebenfalls Beraterin beim „Anker“. Wenn dieses sich etwa plötzlich auffallend oft zurückziehe, dann könne das ein möglicher Hinweis auf sexuellen Missbrauch sein.

Hierbei bietet der „Anker“ sowohl für die Kinder wie auch für Eltern und Lehrpersonen Beratung. Diese reicht von der Diagnostik von Verhaltensauffälligkeiten über Krisenintervention zum Schutz des Kindes bis zu Prozessbegleitung bei einem Strafverfahren.

Die Statistik der Beratungsstelle zeigt, dass gerade Kinder im schulischen Alter besonders oft betroffen sind. Gerade in jener Zeit des Heranwachsens also, in der sie viel Geborgenheit benötigen, brauchen sie auch immer wieder die wachsamen Augen ihrer Mitmenschen.

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