„Den Belag findet man auf keiner Straße”

Von: gep
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Stiefel haben Kommunalpolitiker stets im Kofferraum: Neben ACI-Geschäftsführer Hans-Achim Ahn (l.) Landrat Wolfgang Spelthahn, CDU-Fraktionschef Reinhard Paffen und Bürgermeister Lothar Tertel.

Siersdorf. Alle fünf Minuten rollt ein Lastzug über die lückenhafte Alleenstraße zum Industriepark Emil Mayrisch in Siersdorf. Die Lkw bringen Füllmaterial heran, um den Untergrund für die 4700 Quadratmeter große Dynamikfläche des „Automotive Testing Center” (ATCT) herzurichten.

Auf Schritt und Tritt Messer

Es ist Hausmüllverbrennungsasche vom Niederrhein, davon zeugen auf Schritt und Tritt Messer und Gabeln, die sich in der Glut der Müllöfen verbogen haben. 38 Zentimeter dick wird die Schicht sein, die den Untergrund planieren soll, schildert der Geschäftsführer der Automotive Center for Industry GnbH (ACI), Dr. Hans-Achim Ahn. Bulldozer rollen über das riesige Areal, sie arbeiten, durch GPS gesteuert, bis auf einen Zentimeter genau. Die Dynamikfläche mit einem Durchmesser von 210 Meter soll ein Gefälle von nur einem Zentimeter haben, damit das Regenwasser abfließt.

Dann tragen die Straßenbauer eine 15 Zentimeter dicke Teerverfestigung auf, die aus HGT (hydraulisch gebundene Tragschicht) besteht. Dieses Material wird noch gekerbt und zertrümmert, damit sich keine Risse bilden können.

Schließlich wird Asphalt vom Feinsten verbaut, „den findet man auf keiner Straße”, sagt Ahn.

Von der Mischung im Werk bis zur Verarbeitung vor Ort werden die Experten der RWTH Aachen den „perfekten” Baustoff aus Bitumen und Gesteinskörnungen laufend kontrollieren. Zehn Zentimeter dick wird die Tragschicht, vier Zentimeter mächtig die Deckschicht sein. 1,9 Millionen Euro kostet diese Asphalt-Piste, die am 14. Oktober fertiggestellt sein soll.

Auf ihr werden die Automobilforscher und Regelungstechniker der RWTH dann Brems- und Schleudertests durchführen sowie die Technik des geplanten europäischen Satellitennavigationssystems und GPS-Konkurrenten Galileo für den Einsatz in Pkw, Lkw und Landmaschinen bis zur Praxisreife entwickeln.

Es laufe bisher „planmäßig”, versichert Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU). Der Kreis Düren und die RWTH sind Gesellschafter der Betreibergesellschaft. Die Vertragsentwürfe für deren Gründung seien jetzt fertig, sagt Spelthahn. Das Drei-Millionen-Projekt habe, nachdem es einige Zeit auf der Standspur liegen geblieben war, „Fahrt aufgenommen” - dank des Einstiegs der Aachener Hochschule.

Damit ohne Unterbrechung der Arbeiten der 2. Bauabschnitt in Angriff genommen werden kann, hofft Spelthahn auf einen baldigen Förderbescheid der Landesregierung. Der Scheck von NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) sei bis zum 14. Oktober „herzlich willkommen”.

Für den 2. Bauabschnitt, der neben mehreren Testringen etwa die Errichtung der ersten Hallen auch für Unternehmen aus der Automobilbranche umfasst, sind insgesamt 13,24 Millionen Euro veranschlagt, davon sollen 10,5 Millionen vom Land kommen. Dann wären 40 Hektar bebaut.

Die Zahl der erwarteten Arbeitsplätze beziffert Spelthahn auf 120. Kämen dann Dienstleistungen hinzu wie Tankstelle, Restaurant usw. hinzu, hält der Landrat einen Beschäftigungsfaktor von sieben für realistisch. Ahn rechnet vorsichtig mit 400 bis 500 Arbeitsplätzen, aber „das kann dauern”.

„Schub für den Industriepark” erwartet der Aldenhovener Bürgermeister Lothar Tertel zudem von dem geplanten Biomasse-Kraftwerk, denn dann können Unternehmen, die sich ansiedeln, die gesetzlich vorgeschriebene Quote an alternativer Energie beziehen.

Die RWTH-Forscher, die schon erste Arbeitsplätze nach Siersdorf auslagern, werden die Galileo-Systeme Anfang 2010 an der Asphalt-Piste installieren. Dann können die Tester aus Aachen endlich Gas auf dem ATC geben.
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