Den arabischen Frühling auf dem Tahrir-Platz in Kairo miterlebt

Von: Nina Krüsmann
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Erfahrungen aus erster Hand: Referent Msgr. Joachim Schroedel sprach mit Pfarrer Dr. Guido Rodheudt und Buchautor Michael Hesemann (v.l.) über das Leben der Christen in Ägypten. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Den Reigen der diesjährigen Herzogenrather Montagsgespräche hat ein besonderer Referent eröffnet: Msgr. Joachim Schroedel trat die weite Anreise aus Kairo nach Herzogenrath an, um über seine Arbeit als Seelsorger der deutschsprachigen Katholiken in Ägypten und in weiteren nahöstlichen Ländern wie Syrien, Jordanien und dem Libanon zu berichten.

Pfarrer Dr. Guido Rodheudt hatte bei einer Begegnung auf der Liturgischen Tagung in Herzogenrath Kontakt zu dem Referenten geknüpft. Angesichts der aktuellen Situation in Ägypten erweckte sein Thema „Zwischen den Fronten - Christen im Nahen Osten” großes Interesse bei den Zuhörern.

Seit 17 Jahren lebt der Priester in Kairo, er gilt als ausgezeichneter Kenner der Region und beobachtet aus der Nähe das Verhältnis von Christentum und Islam. Er kenne die historischen Wegmarken der Entwicklung, die dazu geführt habe, „dass sich heute Furcht vor dem Islam, Frustration, Aggression und Kriminalität breit gemacht haben”. Oft sei er in der Zeit des Volksaufstands auf dem Kairoer Tahrir-Platz dabei gewesen.

Touristen sollen einreisen

Die sozialen Unruhen nach dem arabischen Frühling und die Rebellion der jungen Generation sieht er kritisch. „Der Tourismus ist für das Land besonders wichtig, jeder Achte lebt davon - und nun ist die Branche um 30 Prozent eingebrochen. Wer nicht nach Ägypten reist, verschlimmert die Lage weiter.” Gleichzeitig sei die Berichterstattung der Medien „nicht immer realistisch”.

Mit Äthiopien besucht Schrödel alle zwei Monate das Land, das als eines der ersten afrikanischen Länder das Christentum annahm. „Die Christen, die sich ab Mitte des 7. Jahrhunderts den einfallenden Arabern und ihrer neuen Religion, dem Islam, beugen mussten, sind nach dem Ende des Mubarak-Regimes wiederum gefordert, sich selbst zu definieren und Mut zu zeigen - gegen viele Widerstände.”

Die zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung, die sich Christen nennen, stünden heute zwischen mehreren Fronten, aber sie seien glaubensstark. In seiner lebendigen Art skizzierte Schrödel, wie der Alltag der Christen im Nahen Osten aussieht, „und wie wir uns mit ihnen solidarisieren können”. Dabei zeigte er trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas immer wieder seine humorvolle Seite. „Den Christen vor Ort geht es nicht wirklich gut, ihnen fehlen grundlegende Rechte, zum Beispiel sind sie bei der Arbeitssuche nicht gleichgestellt”, betonte Schrödel. Die Lebensbedingungen seien ebenfalls nicht besonders einladend: Sauberes Wasser ist nicht selbstverständlich, auch besitzen die wenigsten Ägypter ein Fernsehgerät und die medizinische Versorgung ist auf minimalem Niveau.

Auch über die Konvertiten, „die beeindruckt von Jesus Christus vom Islam zum Christentum übergetreten sind”, sprach Schrödel. Doch gebe es auch den umgekehrten Fall, dass Christen aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus zum Islam übertreten - denn dafür gebe es ein größeres Geldgeschenk. „Ich sehe eine Chance für einen großen Neuanfang und hoffe darauf. Ägypten ist ein heiliges Land, hier hat die heilige Familie ihre Spuren hinterlassen. Deshalb dürfen wir nicht aufgeben, wir sollten unseren Glauben viel mehr offen leben”, rief der Referent auf.

Ein großes Rätsel

Ein weiterer Gast war an diesem Abend zugegen, der Historiker, Journalist und Bestsellerautor Michael Hesemann aus Düsseldorf. Er arbeitet derzeit an einem neuen Buch über Ägypten und ist am 5. März der nächste Referent in der Reihe der Montagsgespräche in Herzogenrath. Dann spricht er zum Thema „Das Grabtuch von Turin” und begibt sich auf eine Entdeckungsreise zu einem der größten Rätsel des Christentums. Er erläutert unterstützt von Bildmaterial die Erkenntnisse der Wissenschaftler zum Turiner Grabtuch. „Dieser Abend soll eine Bereicherung der österlichen Bußzeit sein”, lädt Pfarrer Rodheudt zum Besuch ein.
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