„Demokratie stärken“: Besonders Jugendliche sensibilisieren

Von: Sebastian Maassen
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Jung und engagiert: Jan Maximilian Gerlach erläutert die einzelnen Schautafeln der Ausstellung. Foto: Sebastian Maassen

Herzogenrath. „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.“ Mit diesem Zitat von Theodor W. Adorno eröffnete Bernd Krott, Leiter des Herzogenrather Jugendamts, die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen – Nordrhein-Westfalen für Toleranz und Menschlichkeit“, die bis zum 20. Februar im Herzogenrather Rathaus gezeigt wird.

Die vom Forum Jugend und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammengestellte Präsentation will anhand mehrerer Tafeln verdeutlichen, wie Rechtsextremismus eine Gefahr für Demokratie und Menschenrechte darstellt. Zudem informiert sie – gerade im Hinblick auf Entwicklungen in NRW – über verschiedene Facetten des Rechtsextremismus, um Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren. Angesichts aktueller Phänomene wie der Pegida-Bewegung seien Adornos Worte auch heute noch von immenser Bedeutung, sagte Krott.

Bürgermeister Christoph von den Driesch betonte ebenfalls die enorme Wichtigkeit des Themas: „Der Rechtsextremismus tritt die hart erkämpften Grundsätze der Demokratie geschickt verpackt mit Füßen.“ Herzogenrath jedoch lasse sich nicht beirren und biete rechtsextremen Tendenzen die Stirn. Von den Driesch betonte, es sei unerlässlich, Aufklärungsarbeit zu leisten, und appellierte an junge Menschen, das Ausstellungsangebot zu nutzen.

Jan Maximilian Gerlach von der Friedrich-Ebert-Stiftung erläuterte die Text- und Bildtafeln. Schon seit über drei Jahren reist er mit der Ausstellung durch NRW und hält Vorträge an Schulen. Jugendliche stünden besonders stark im Zentrum der Agitation von Neonazis, da sie für gewöhnlich politisch ungefestigt und vergleichsweise leicht zu beeinflussen seien, erklärte Gerlach. Umso wichtiger sei es, junge Menschen zu ermutigen, sich aktiv für Demokratie und gegen Diskriminierung zu engagieren. „Und genau das passiert in Herzogenrath nun.“

Die Ausstellung beginnt mit der Frage, wie demokratisches Miteinander im Alltag gelebt werden kann. Anhand von Beispielen, die an die Lebenswirklichkeit jugendlicher Besucher anknüpfen – etwa der Wahl eines Klassensprechers – wird die Daseinsberechtigung der Demokratie in anschaulicher Weise aufgezeigt. Im nächsten Schritt wird die demokratische Grundordnung durch Originalaussagen von Rechtsextremen kontrastiert. Auch eine dystopisch anmutende Version eines „Grundgesetzes“, wie es in das Weltbild von Neonazis passen würde, dient als Augenöffner.

Im weiteren Verlauf der Ausstellung sind rechtsextreme Akteure aufgelistet. Das Drei-Säulen-Konzept der NPD wird vorgestellt, ebenso Vereinigungen wie Pro NRW, Die Rechte oder die Autonomen Nationalisten. Letztere seien besonders gefährlich, da sie durch die Anbiederung an Trends und Jugendkultur eine Erlebniswelt kreierten, die eine enorme Anziehungskraft auf junge Menschen ausüben könne, sagte Gerlach.

Um dem Vorschub zu leisten, widmet sich der letzte Teil der Ausstellung schlagkräftigen Argumenten gegen Stammtischparolen und Versuche der Einflussnahme. Gerlachs Erkenntnis und Appell: „Damit ein latenter Rechtsextremismus keine Verbreitung in der Mitte der Gesellschaft findet, gilt es nicht, den zu überzeugen, der hohle Phrasen drischt, sondern den, der sie hört.“

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