Demenz: Blick auf Kranke und Krankheit neu ausrichten

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Herzogenrath. Bis auf den letzten Platz besetzt war der Versammlungsraum im AWO Sozial- und Begegnungszentrum: Gemeinsam mit der AOK Rheinland hatte der Verein Senioren ohne Grenzen zu Vortrag und Diskussion mit Brigitta Schröder eingeladen.

Die Schweizer Diakonissin, seit Jahren geübt im Umgang mit Demenz-Betroffenen, hat nach wenigen Minuten lebendigen Kontakt mit dem Publikum, besetzt gezielt alle freien Plätze in der ersten Reihe - „ich brauche Sie”. Der Titel ihres Buches „Blickrichtungswechsel” ist Programm. Aber Brigitta Schröder liest nicht, sie spricht, erzählt, fordert auf zum Mitmachen, Mitdenken, den Blick neu auszurichten. „Ratschläge werde ich Ihnen nicht geben.

Ratschläge sind Schläge.” Sie macht Mut, gibt praktische Anregungen im Umgang mit Demenz-Kranken auf der sozialen, mitmenschlichen Ebene. Ihr Credo: Mit dem anderen auf Augenhöhe umgehen. „Demente Menschen werden wie Kinder. Aber sie sind keine Kinder. Sie wollen keine Fremdbestimmung.” Sie seien als eigenständige Persönlichkeiten zu achten.

In immer neuen Situationsschilderungen, humorvoll und ernst, spielt Schröder mit dem Publikum mögliche Reaktionen durch, im Dialog und tatsächlich im Spiel - mit Luftballons, Seifenblasen, Leuchtstäben. Ungezwungen, aber umso nachhaltiger vermittelt sie Sensibilität und Respekt.

Unaufdringlich, aber mit fundiertem Wissen klärt Brigitta Schröder über den Umgang mit Kranken und Krankheit auf. Alles könne man ausprobieren mit dem Kranken, mit Fantasie und Einfühlungsvermögen, aber ihm dabei in die Augen schauen, ihn integrieren, ihn in keiner Situation entmündigen. „Demente sind wie Seismographen. Sie wissen viel mehr als wir ahnen.” Grundprinzip sei die bedingungslose Wertschätzung.

„Blickrichtungswechsel” - der Funke sprang an diesem lebendigen Abend über - ist eine Aufforderung an alle, ihn einzuüben.
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