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Dem „Singer-Atrium” wird eine Chance eingeräumt

Von: ro
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Das Modell: An der Kaiserstraße (links) sind zwei Eingänge für die Passagen vorgesehen. Ein weiterer Zugang soll von der Bahnhofstraße entstehen. Daneben ist der Frischemarkt mit dem Parkdeck geplant. Wohnungen sollen rechts am Fuße der Kalkhalde gebaut werden.

Würselen. Es kommt Bewegung in die städtebauliche Entwicklung des brachliegenden Singer-Geländes. Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie (Arge) informierte der niederländische Investor Albert C. Blok im Restaurant Brepols über seine Pläne mit dem Arbeitstitel „Singer-Atrium”.

Diese Ideen zur Nutzung des Areals zwischen Kaiser-, Bahnhof-, Kreuz- und Elchenrather Straße wurden bereits der Verwaltung und den Ratsfraktionen vorgestellt. Vorsitzender Manfred Wirtz: „Wir wollen sehen, wie der Würselener Handel auf diese Pläne reagiert”. Die Geschäftswelt möchte mit dem potenziellen Investor, der Politik und Verwaltung auf jeden Fall in eine Richtung gehen, betonte Wirtz. Er setze auf den Dialog mit allen Beteiligten.

Konstruktive Diskussion

Dies unterstrich auch Albert C. Blok, dessen rund 60-minütiger Vortrag bei den Geschäftsleuten, aber auch bei den Vertretern aus der Politik mit Bürgermeister Arno Nelles an der Spitze auf großes Interesse stieß. Bei der sehr sachlichen und konstruktiven Diskussion zeigte sich, dass diesem Konzept durchaus realistische Chancen eingeräumt werden können. Hierbei ist auch von Bedeutung, dass der Investor mit den Eigentümern der Grundstücke bereits eine grundsätzliche Einigung erzielt hat.

Kaufkraft anziehen

Was ist geplant? Mit dem Singer-Atrium solle das Einzelhandelsangebot der Kaiserstraße ergänzt und durch seine Anziehungskraft insgesamt für eine höhere Kaufkraftbindung in Würselen sorgen. Zentraler Kern des Projektes bildet eine doppelte Passagenführung mit zwei Eingängen an der Kaiserstraße und einem Eingang vom Parkhaus Bahnhofstraße aus. Eine Galerie verbindet im Atrium Geschäfte, zweigeschossige „Ankermieter”, das Fabrikdenkmal und den Fitnessbereich. Das geplante Parkdeck über einem Frischemarkt sorgt für die direkte Erschließung der Läden. Über einen Platz und eine offene Wegführung gelangt man direkt in den Wohnteil mit rund 80 bis 100 Wohneinheiten, ebenfalls ein zentraler Bestandteil des Konzeptes. Blok spricht von einer „multifunktionalen Entwicklung”: Einkaufen, Wohnen, Parken, Sport, Fitness, Kultur, Gastronomie, dies soll alles zentrumsnah angeboten werden. Zurzeit seien die Planungen „völlig am Anfang”, erklärte Blok.

City solle architektonisch aufgewertet werden

Zudem solle die City auch architektonisch aufgewertet werden. Das Wohnen soll dabei in das Umfeld integriert werden. Dabei setzt der Investor, der bereits einige Projekte erfolgreich vorangebracht hat, auf hohe qualitative Ansprüche. Die Kaiserstraße erhalte eine ergänzende Einzelhandelsnutzung durch das Singer-Atrium und eine direkte Verbindung zum Kalkhaldenpark.

Geschaffen werden soll eine Fläche für den Einzelhandel von rund 10.000 Quadratmeter, ebenso viel Wohnfläche soll mit attraktiven Stadtwohnungen entstehen. Hinzu kommen Parkdecks mit 250 Stellplätzen. Albert C. Blok: „10000 Quadratmeter Einkaufsfläche sind für ein Einkaufszentrum schon notwendig, um als Frequenzbringer für die Stadt Wirkung zu erzielen”. Hier komme dem Frischemarkt mit zusätzlichen 2700 Quadratmetern als „täglichem Frequenzbringer” besondere Bedeutung zu. Man wolle im Singer-Atrium einen gesunden Mix zwischen Filialisten und lokalen Einzelhändlern schaffen, der hohen Qualitätsansprüchen genüge, dadurch dürfe auf der Kaiserstraße aber kein Leerstand entstehen. Blok: „Es ist wichtig, dass die gesamte Innenstadt funktioniert, wenn die Kaiserstraße nicht funktioniert, funktioniert auch das Singer-Atrium nicht”. Hier sei das „City-Marketing” gefordert.

„Schnell positionieren”

Blok setzt auf eine Kooperation aller Beteiligten. Dies betonte auch Wirtz: „Wir müssen einen gemeinsamen Weg finden und sollten dem Investor keine Steine in den Weg legen.” Er betonte: Es sei aber noch keine Entscheidung gefallen. Die Arge wolle den Entwicklungsprozess weiter positiv begleiten. Von besonderer Bedeutung für die Entscheidungen seien hier die Ergebnisse eines neutralen Einzelhandels-Verträglichkeitsgutachten und eines Verkehrsgutachtens, das von Rat und Verwaltung in Auftrag gegeben werden solle. Für die Arge stehe fest, dass der Einzelhandel in der ganzen City von dieser Entwicklung unbedingt profitieren müsse. „Dass in der Politik Einigkeit erzielt werden kann”, hielt der Würselener SPD-Vorsitzende Christoph Küppers ebenso möglich wie die anwesenden Christdemokraten. Für Küppers ist eine Planungszeit von einem Jahr realistisch. Die Bauzeit könne eineinhalb bis zwei Jahre dauern, ergänzte Blok.

„Es geht nur im gemeinsamen Schulterschluss”, unterstrich Bürgermeister Arno Nelles. Man sei auf einem „guten Weg”, jetzt müsse man sich „schnell positionieren, denn irgendwann ist der Zug abgefahren”. Man müsse jetzt schnell zu Entscheidungen kommen: „Wir können nicht noch zehn Jahre über das Singer Gelände diskutieren”. Es gebe einen starken Trend in die Innenstädte, weshalb er diesem Konzept gute Chancen einräume.

Johannes Harst, Ehrenmitglied der Arbeitsgemeinschaft, brachte es auf den Punkt: „Das Singer-Atrium-Konzept ist im Prinzip gut. Es kann aber nur leben, wenn wir Kaufkraft nach Würselen holen! Wenn es Erfolg hat, profitiert davon auch die Kaiserstraße”. Dann habe die Innenstadt eine gute Zukunft, „so wie jetzt, kann es aber nicht bleiben”.
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