Dem Schrecken ein Gesicht geben

Von: Holger Bubel
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Die Einlader: (v.l.) Gabriele Allmann, FrauenKomm, Bernd Krott und Manfred Radermacher, Bündnis gegen Rechtsextremismus, Wilfried Hammers, Soziokulturelles Zentrum, Walter Kahn, Katholikenrat, Pfarrer Bobby van den Berg, Bürgermeister Christoph von den Driesch, Hans Hoever, Eurode-Zweckverband, Dr. Jochen Helbig, AK Gegen das Vergessen, Chris Kuikman, Gemeente Foto: Holger Bubel

Herzogenrath. Grausamkeiten dringen häufig nicht auf den ersten Blick ins Bewusstsein. So verzichtet die Ausstellung über die Deportation von Kindern aus Europa und Deutschland im „Zug der Erinnerung” auf die fürchterlichen Bilder aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern, in denen Millionen von Menschen ermordet wurden.

Grausamkeit kommt oft subtil daher, der Schrecken, die unvorstellbaren Taten der Nazis finden sich wieder in privaten, in erlebten Erniedrigungen und Demütigungen.

Einen Blick auf diese Art Zeugnis und Geschichte bietet der Zug mit seinen vier Waggons, der vom 27. bis 29. März , am Eurode-Bahnhof Station macht und die Geschichte der europäischen Deportationen in beispielhaften Biografien nacherzählt. Fotos, Briefe und Dokumentation klären auf über das Los der Millionen, die im Holocaust ihr Leben verloren haben.

Möglich gemacht wurde der Halt des Zuges der Erinnerung durch einen ehrenamtlichen Kraftakt. Als Veranstalter zeichnet das Büro der Regionaldekane im Bistum Aachen verantwortlich, doch als Kooperationspartner mit im Boot sitzen auch die Stadt Herzogenrath, das Bündnis gegen Rechtsextremismus, die Kulturstiftung Sparkasse, das Soziokulturelle Zentrum Klösterchen, die Gemeinde Kerkrade, der Zweckverband Eurode, der Rotary-Club Eurode, die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH, das Deutsch-Niederländische Jugendwerk sowie der Katholikenrat Aachen-Land.

Viele Ehrenamtliche Kräfte, die an einem Strang ziehen, die die Geschichtsaufarbeitung auf eine besondere Weise in Angriff nehmen, wie Bernd Krott vom Arbeitskreis gegen das Vergessen betont.

„Tod, Verfolgung und Diskriminierung gab es zu Zeiten des Nationalsozialismus auch bei uns in Herzogenrath und der Region”, erinnert Bürgermeister Christoph von den Driesch, „dafür wollen wir das Bewusstsein wecken und besonders Kinder und Jugendliche darüber aufklären. Denn für rechtes, antidemokratisches Gedankengut sind junge Menschen in einer immer komplizierter werdenden Gesellschaft nicht ganz unempfindlich.”

Daher richtet sich die Ausstellung auch besonders, aber nicht nur an diese Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen ab zehn Jahren. Walter Kahn, Vertreter des Katholikenrates Aachen-Land, bekräftigt diese Einschätzung: „Durch die Bezugsnähe zu der Region können wir die jungen Menschen auch leichter erreichen.”

Eine besondere Bedeutung der Ausstellung nimmt daher der vierte Waggon ein: Dort gibt es Informationen aus Andenken mit engem lokalen Bezug: Dokumentationen zu den Lagern Pley und Hühnernest, Zeitzeugenberichte, etwa über den Gewaltmarsch von 100 Juden, getrieben durch Herzogenrath nach Pley, oder einem Stadtplan der Vertreibung, aber auch des Widerstandes.

Einzel- und Familienschicksale sowie Polizeiberichte aus der Region, verfasst in unmenschlicher, aber damals üblicher Sprache, sind weitere Ausstellungsmodule.

Chris Kuikman von der Gemeinde Kerkrade betont die Bedeutung, dass die Ausstellung länderübergreifend stattfindet: „Es ist gut, dass wir in diesem Bereich zusammenarbeiten, denn das Thema lebt auch in unseren Schulen.” So werden nicht nur Schüler aus Herzogenrath den Weg zum heimischen Bahnhof finden, auch niederländische Pennäler werden in die Rodastadt die Ausstellung besuchen.

Begleitet wird die Ausstellung mit einem thematisch bezogenen Rahmenprogramm mit Lesungen, Vorträgen, Filmen oder Musik und mehr (weitere Informationen dazu im Internet). Noch ist die Ausstellung für Schulklassen nicht ausgebucht. Interessenten von Herzogenrather Schulen können sich zu Gruppenführungen anmelden.
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