Deligiertenkonferenz: Wie jung müssen Gewerkschaften sein?

Von: Martin Wirtz
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Gewerkschaft und Politik auf einer Bühne: NRW-Arbeitsminister Guntram Schnreider (SPD) (2. v.r.), bei der Deligiertenversammlung der IGBCE politischen Gestaltungswillen der Gewerkschaften. Foto: Martin Wirtz

Alsdorf. Es waren vor allem Männer über 40 anwesend auf der Bezirksdelegiertenkonferenz der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). So stieß Guntram Schneider, Landesminister für Arbeit, Integration und Soziales, auf breite Zustimmung, als er in der von WDR-Moderator Michael Brocker geführten Podiumsdiskussion zum Thema „Gewerkschaft der Zukunft“ forderte, die Gewerkschaften müssten politischer und internationaler, aber auch jünger und weiblicher werden.

Zudem, so der ehemalige Vorsitzende des DGB-Bezirks NRW, sollten sich Gewerkschaften darauf einstellen, dass junge Leute eher auf vorübergehendes, projektorientiertes Engagement setzten. Damit jedoch wollte sich Jörg Erkens als Sprecher des Regionalforums Eschweiler nicht so recht anfreunden: „Diese Kurzlebigkeit könnte uns das Genick brechen“, befand er. Dennoch werde nicht alles schlechter, wie Landesbezirksleiter Reiner Hoffmann betonte. Er verwies auf die 350 000 neuen Mitglieder, die alle im Deutschen Gewerkschaftsbund vertretenen Gewerkschaften allein in einem Jahr begrüßen konnte, sowie auf den großen Zuspruch zur IGBCE unter den Auszubildenden. Bezirksleiter Maresch wies außerdem auf die Informationsmöglichkeiten über das Internet hin, die die Gewerkschaft bereits ergänzend zur klassischen Sitzungsarbeit für sich nutze.

Schon in der Podiumsdiskussion hatte Minister Schneider mögliche inhaltliche Schwerpunkte des geforderten politischen Engagements der Gewerkschaften benannt, die er in seinem Referat unter der Überschrift „Leiharbeit – Prekäre Beschäftigung – Beschäftigungskrise“ aufgriff. Die Energiewende dürfe nicht zu einer Deindustrialisierung des Landes führen, sagte Schneider. In der Steuerpolitik setzt der Minister vor allem auf Umverteilung: „Unser Land ist reich – der Reichtum ist nur falsch verteilt“, stellte er mit Blick auf die Debatte um den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung fest.

Leiharbeit, die laut Schneider etwa die Hälfte der neu in NRW entstandenen Jobs ausmacht, werde häufig schlechter bezahlt und teilweise missbraucht, um unbefristete Arbeit zu ersetzen. Als Reaktion der Politik forderte Schneider nicht etwa ein Verbot der Leiharbeit, sondern „gleichen Lohn bei gleicher Arbeit“ und eine Wiedereinführung des Synchronisationsverbots. Letzteres soll verhindern, dass Leiharbeitsfirmen ihre Mitarbeiter nur für die Dauer eines Leihauftrages einstellen, wie Schneider erklärte.

Dieser Ruf nach Regulierung vereinte Schneiders Ausführungen zur Arbeitsmarktpolitik, die auch die Themen befristete Beschäftigung, Teilzeitarbeit, sogenannte Minijobs und Niedriglöhne umfassten. Schneider forderte politisches Selbstbewusstsein der Gewerkschaften: „Dieses Land ist nicht regierbar ohne die Gewerkschaften – und das ist auch gut so!“, rief er den Delegierten abschließend zu.

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