Das Wesen und das Besondere der Aachener Heiligtumsfahrt

Von: Nina Krüsmann
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Ausgewiesener Fachmann für die Geschichte der Heiligtumsfahrt: Dr. August Peters referierte. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Zu einer ganz besonderen Vorbereitung auf die Aachener Heiligtumsfahrt, die vom 20. bis 29. Juni stattfindet, luden jetzt die Herzogenrather Montagsgespräche ein: Domkapitular Prälat Dr. August Peters referierte über das Wesen und das Besondere der Aachenfahrt und der dabei verehrten Heiligtümer.

Peters ist ausgewiesener Fachmann für die Geschichte der Heiligtumsfahrt und deren mehrfacher Wallfahrtsleiter sowie der Initiator der Aachener Kolumbienhilfe. Er zeigte aus den Archiven des Bundesamts für Geschichte, der Stadt Aachen und des Domkapitels einzigartiges Filmmaterial über die Heiligtumsfahrt 1937 und vermittelte einen tiefen visuellen Eindruck von dieser bedeutenden Wallfahrt.

In diesem Jahr werden die Aachener Heiligtümer wieder öffentlich gezeigt, die seit der Zeit Karls des Großen in Aachen verehrt werden. Die Heiligtumsfahrt war durch Jahrhunderte die drittgrößte der europäischen Wallfahrten. Im Jahre 1937 wurde diese Wallfahrt zu einer „Wallfahrt unter dem Hakenkreuz“, die auch als „der stumme Protest“ bekannt ist, während die nationalsozialistische Propaganda die Heiligtumsfahrt als „Sommerschlussverkauf alter Textilien“ abtat.

Als Zeichen des Widerstands gegen die gottlose Ideologie des Nationalsozialismus wurde die Betefahrt nach Aachen 1937 zum größten kirchlichen Ereignis mit bis zu 120.000 Gläubigen. „Es war eine machtvolle Demonstration des Glaubens in dunkler Zeit“, betonte Peters.

Pfarrer Dr. Guido Rodheudt betonte, dass in der heutigen Zeit, in der zwar keine Bomben fallen, aber der innere Verfall an unserer Gesellschaft nage, die Heiligtumsfahrt viele wichtige Impulse geben könne. Dabei sei die Frage nach der Echtheit der Textilien sekundär. Vielmehr geben uns die heiligen Tücher, die in Aachen verehrt werden – die Windeln und das Lendentuch Christi, das Kleid der Muttergottes und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers – Kunde von der Greifbarkeit unserer Erlösung in Jesus Christus, dem fleischgewordenen Wort Gottes.

Im Laufe des Vortrags wurde auch deutlich, dass die Hülle von etwas oftmals noch viel kostbarer ist als ihr Inhalt. Bestes Beispiel ist der Marienschrein, der die Heiligtümer aufbewahrt. Diese Hülle drückt aus, das sich im Inneren etwas sehr Wertvolles befindet, was aber selbst verborgen bleibt und nur alle sieben Jahre öffentlich gezeigt wird.

Die Reliquien sind Sinnbilder des Glaubens, heilige Stoffe. Nur eines wird enthüllt präsentiert: das Marienkleid. Die anderen bleiben in ihrer Verhüllung – und somit ein kleines Mysterium. Am Ende dieses spannenden Abends war klar: Auf Tuchfühlung mit dem Glauben zu gehen, ist für jeden ein Gewinn.

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