Alsdorf - Das Tiefbauamt erstellt ein Straßenkataster in Alsdorf

Das Tiefbauamt erstellt ein Straßenkataster in Alsdorf

Von: Verena Müller
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Denis Kruse läuft jede Straße in Alsdorf ab, um eine Datenbank zu erstellen, die über den Sanierungsbedarf und den Wert der Straße Auskunft gibt. Drei Jahre dauert das. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Denis Kruse vermisst zwar nicht die Erde, aber er durchmisst ganz Alsdorf zu Fuß. Jede einzelne Straße. Seit Februar dieses Jahres erstellt der 32-jährige Bauingenieur des Alsdorfer Tiefbauamtes eine Straßendatenbank. Ziel: Möglichst viele Details erfassen, von Unebenheiten bis hin zu bereits erfolgten Instandsetzungsarbeiten, um den Sanierungsbedarf exakt priorisieren zu können.

Viele Diskussionen um Notwendigkeit, Gerechtigkeit und Befindlichkeiten können damit in Zukunft vermieden werden. Die finanziellen Mittel sind begrenzt, da muss sehr genau überlegt werden, wofür das Geld ausgegeben wird.

In der Praxis sieht es so aus, dass Denis Kruse mit Klemmbrett, Kuli und Regenschirm durch die Straßen geht. Auf der wie ein Netz angelegten Karte orientiert er sich an einzelnen Knotenpunkten und betrachtet Teilstück für Teilstück. In der Florianstraße, am Kindergarten, nimmt er das Pflaster in Augenschein. Wurden Steine ausgetauscht?

Sammelt sich nach einem starken Regenschauer irgendwo Schmutz, sprich: Läuft das Wasser gut ab? Mit solchen Fragen beschäftigt sich der 32-Jährige dann. „Schön wäre es, wenn jetzt ein Auto über die Straße fahren würde, dann könnte ich sofort sehen, wo Unebenheiten sind“, sagt er. Lange muss er nicht warten und tatsächlich, im hinteren Stück ruckelt das Auto. Denis Kruse geht näher ran und notiert die Ursache: abgesenkte Schachtabdeckungen von Wasser- und Gasanschlüssen.

In die Tabelle für den Straßenabschnitt trägt er Zahlen ein, die Aufschluss über die Qualität geben. Wieder im Büro – vor allem in Schlechtwetterphasen – überträgt Kruse später seine Notizen ins Computerprogramm, das am Ende einen Gesamtwert ermittelt. Eine Straße mit der Ziffer 1 ist neu oder neuwertig, eine 7 bedeutet im Grunde eine Kompletterneuerung. Auch der monetäre Wert der Straße kann abgelesen werden.

Bislang war es so, dass der Bauhof Straßenschäden meldete, von einer systematischen, unanfechtbareren Herangehensweise kann erst jetzt gesprochen werden. Die Art und Weise, wie die Verwaltung vorgeht, ist vermutlich einzigartig. Andernorts, etwa in Köln, sind Fremdfirmen eingesetzt, in Alsdorf stemmen eigene Kräfte das Mammutvorhaben, maßgeblich Denis Kruse. Er hat auch an dem Programm, in dem die Daten erfasst werden, mitgearbeitet.

Denis Kruses Traum war es ursprünglich nicht, in der Verwaltung zu arbeiten, das hat sich vielmehr so ergeben. „Ich habe zuerst eine Schreinerlehre gemacht, auch als Elektriker und Maurer gearbeitet und später an der FH in Aachen Bauingenieurwesen und Verkehrstechnik studiert“, erzählt er. In seiner Abschlussarbeit befasste er sich mit barrierefreien Kreuzungen, darüber kam der Kontakt zur Stadt Alsdorf zustande. Ursprünglich stammt er aus dem Sauerland und lebt jetzt mit seiner jungen Familie in Aachen.

Drei Jahre insgesamt

„Das Schöne an der Arbeit in einer Verwaltung im Vergleich zur freien Wirtschaft ist, dass man sich etwas selbst aufbauen und über einen längeren Zeitraum betreuen kann“, sagt Kruse. Tatsächlich hat er es nicht allzu schlecht angetroffen. Ein nettes Team, abwechslungsreiche Aufgaben – etwa auch die Begleitung von Straßensanierungen – und eben „sein“ Projekt, die Straßendatenbank. Zwei weitere Kollegen sind direkt, sein Vorgesetzter Michael Göttgens indirekt eingebunden.

In drei Jahren soll die Datenerfassung abgeschlossen sein, „dann kann ich wieder von vorne anfangen“, sagt Kruse. Bei der nächsten Begehung würden sogar noch mehr Details aufgenommen und dezidiertere Vermessungen stattfinden. Wie viele Kilometer das Alsdorfer Straßennetz unterm Strich umfasst, kann Denis Kruse gar nicht sagen. „300?“, schätzt er.

Aber zunächst wird Denis Kruse im kommenden Jahr der Politik einen Zwischenstandsbericht präsentieren. Die hat das Konzept schließlich abgesegnet und will Resultate sehen. Bislang hat Denis Kruse ein Sechstel der Straßen abgelaufen, „ich liege gut im Zeitplan“, sagt er.

Über Ergebnisse kann man da natürlich noch nicht sprechen. Aber so viel kann verraten werden: Nicht der Zustand der Straße alleine ist ausschlaggebend, sondern auch ihre Bedeutung innerhalb des Stadtgebiets. Das überrascht eigentlich nicht. Ob es dann nicht doch wieder Diskussionen über den Vorrang gibt? Das bleibt abzuwarten.

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