Das Tafel-Café braucht neues Mobiliar

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Baustelle Tafel: Noch haben die Handwerker hier das Sagen. Foto: Conny Stenzel-Zenner
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Für kleines Geld: Eine Tüte voll gesunder Nahrungsmittel hilft ein gutes Stück durch die Woche. Foto: imago/Ralph Lueger

Würselen. Diese Zahlen sind erschreckend: 750 Kundenausweise hat die Würselener Tafel bereits ausgestellt. Dienstags und freitags ist die Tafel geöffnet, zwischen 14 und 17 Uhr. „Zwei Abgabetage werden von unseren Ehrenamtlern gestemmt und vier Tage, an denen wir die Ware holen“, sagt Jürgen Hohlfeld, der Vorsitzende der Tafel. Supermärkte und Einzelhandel spenden der Einrichtung Lebensmittel.

„Ein Supermarkt spart jährlich 70.000 Euro Entsorgungskosten, wenn wir von der Tafel die Lebensmittel abholen, die wir an unsere Kunden weitergeben können“, berichtet Hohlfeld, der seit sieben Jahren die Tafel in der Klosterstraße als festen Bestandteil der Stadt weiß.

Nun zieht die Tafel um, weil die Vermieterin der Räume Eigenbedarf angemeldet hat. Eine neue Bleibe ist gefunden. 250 Quadratmeter werden gerade in der Aachener Straße 83-85 hergerichtet. Trennwände werden gezogen, spezielle Bereiche gefliest, damit die Räume amtlichen Auflagen entsprechen. Premiere in den neuen Räumen soll am Freitag, 3. Mai, sein.

Aber als wäre die Raumsuche, die Handwerkersuche, als wären die Umbauarbeiten nicht schon genug, hat nun hat die städteregionale Aufsichtsbehörde ganz besondere Stühle für die Cafeteria gefordert. „Unsere Cafeteria ist oft für unsere Kunden die einzige Möglichkeit, der sozialen Isolation zu entkommen“, sagt Hohlfeld. Längst weiß er, dass Armut ständig zunimmt. „Sind es im Bundesdurchschnitt 14 Prozent der Bürger, die von Armut bedroht sind, sind es in Würselen nach den Zahlen des Jobcenters rund 9 Prozent“, rattert der Vorsitzende Zahlen runter. Wer ist von der Armut betroffen? Alleinerziehende oder Rentner, oftmals Frauen, die der Altersarmut nicht entkommen können, aber immer öfter auch junge Leute, die von zu Hause ausgezogen sind, keinen Job gefunden, sich aber verschuldet haben... „Die Tafel lindert Situationen, ist aber niemals ein Mittel gegen Armut“, sagt Jürgen Hohlfeld, denn nur Bildung helfe, der Armut zu entkommen.

Deshalb hilft die Tafel den Kindern ihrer Kunden. Sie finanziert Nachhilfe, Kunst- und Musikkurse, Schwimmkurse und Ferienmaßnahmen. „Jetzt haben wir von einer Abiklasse 2000 Euro überwiesen bekommen. Zweckgebunden, damit wir Kinder unterstützen. Das ist toll“, freut sich der Vorsitzende, der weiß, „dass Armut nicht nur eine Frage des Geldes ist, sondern eine Einstellung: Fühle ich mich arm?“

Der erste Schritt zur Tafel ist immer der schwerste. „Viele unserer Kunden kommen nicht immer. Zum Monatsende, wenn das Geld knapp wird, ist der Andrang bei uns viel größer“, berichtet Hohlfeld.

Gegen die soziale Isolation

Der Andrang in der Cafeteria aber ist immer groß. Da kostet die Tasse Kaffee 10 Cent. Da sitzen andere. Da wird erzählt. Gespielt. Zeitung gelesen. „Da kommen unsere Kunden unter Menschen, entfliehen ihrer sozialen Isolation“, sagt Jürgen Hohlfeld.

Aber nun kann die Cafeteria, die in den neuen Räumen durchaus eingeplant ist, möglicherweise nicht öffnen, weil die richtigen Stühle fehlen. „Wir brauchen Stühle, die abwaschbar sind“, hat das Gesundheitsamt bestimmt. Die alten, gespendeten Stühle aber sind gepolstert. „Wir brauchen neue Stühle, haben aber kein Geld mehr“, sagt der Vorsitzende. Er kann auf keine Gelder zurückgreifen: „Wir erhalten keine kommunale Förderung. Deshalb sind wir auf Spenden angewiesen. Auch kleine Beträge helfen uns, unsere sozialen Aufgaben zu erfüllen“, bittet Jürgen Hohlfeld die Bevölkerung um Spenden – für die bei bedarf auch Spendenquittungen ausgestellt werden können.

Überweisungen sind möglich auf die Konten bei der VR-Bank Würselen, BLZ 39162980, Konto-Nummer 118115015, oder bei der Sparkasse Aachen, BLZ 39050000, Konto-Nummer 1070633407.

„Wir suchen zudem weitere Ehrenamtler, zum Abholen der Ware. Sie sollten entweder einen Führerschein haben oder als Beifahrer mitfahren wollen“, sagt Hohlfeld, der sich auch darüber freut, wenn Kunden der Tafel zu Ehrenamtlern werden. Der Vorteil: „Die müssen zwar an den Ausgabetagen bei uns ebenso bezahlen wie andere Kunden. Sie müssen dann aber keine Nummer mehr ziehen, um an die Reihe zu kommen.“

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