Das Summen verstummt: Imker bereiten Bienen auf den Winter vor

Von: Lorenz Lang
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Toni Ratte (M.) und Herbert Gerhards (r.) suchen die Königin: Gerhard Schmitz schaut interessiert zu. Die Königin wird mit bis zu 18 Millimetern deutlich größer als Drohnen und Arbeiterinnen. Foto: Lorenz Lang
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Vier Hobbyimker kümmern sich in Alsdorf um mehrere Bienenvölker. Sie suchen nach der perfekten Königin. Foto: Lorenz Lang

Alsdorf. Mit jedem Schritt durch den weitläufigen Garten wird das Brummen lauter. Ein kühler Spätsommermorgen. Zwischen wuchernder Brunnenkresse, Sonnenblumen und Gartenfuchsschwänzen stehen die Bienenkästen, genannt Beuten, von Toni Ratte, Herbert Gerhards und Manfred Tesch.

Um einen der Kästen schwirrt ein Pulk Bienen. Es sind Kärntner Bienen oder Apis millifera carnica. Jetzt – im September – werden die Bienen für den Winter eingefüttert. Nur so können sie die kalten Monate überleben. Während Ratte (70) eine Wabe aus der Beute zieht, bürstet Gerhards die daran hängenden Bienen mit einem Feger ab.

Etliche landen auf den Schultern und in den Haaren der Männer. „Wir selektieren unsere Bienen nach Sanftmut“, sagt Ratte. Je höher die Frequenz des Summens, desto aufgeregter ist die Biene. Obwohl nur wenige Bienen ihre Behausungen verlassen haben, liegt ein sonores Summen in der Luft.

Neben den Männern steht Gerhard Schmitz (79), graue Latzhose über himmelblauem Hemd. Durch die Gläser seiner randlosen Brille beobachtet er das Treiben. „Gastimker“ sei er. Keines der Bienenvölker gehört ihm. Wie ein Gast wirkt er zwischen den anderen Hobbyimkern aber nicht.

Geübt zieht er unter dem Bienenkasten eine Styroporeinlage hervor. Nur wenige dunkle Punkte stechen aus dem Weiß hervor. „Ein gutes Zeichen“, sagt Schmitz. Die Punkte sind Varroamilben, die als gefährlichste Schädlinge für Bienen weltweit gelten. Jedes Jahr sterben ganze Bienenvölker an dem Befall des nur 1,1 Millimeter langen Spinnentieres. „Für die Bienen sind die so groß wie Suppenteller“.

Kois haben keine Chance

Manfred Tesch (69) trägt als einziger einen Schutzanzug. Sein von einem gestutzten weißen Bart umrahmtes Gesicht wird von einem Imkerschleier geschützt. „Bienengiftallergie“, sagt er. Er sei dabei, sich zu desensibilisieren. Eine Spritze pro Monat. Kein zu hoher Aufwand für jemanden, der in der Imkerhochzeit von April bis Juli etliche Stunden in der Woche bei den Bienen verbringt.

Als eine Biene in den schmalen Schlitz zwischen Helmgitter und Kragen fliegt, zieht er ohne in Hektik zu geraten den Schutzanzug aus. Imkerei ist keine Beschäftigung für Menschen, die schnell in Nervosität verfallen. Der Arzt hat Tesch geraten lieber Kois zu züchten. Erfolglos. „Ich hab‘ keinen Teich“. Tesch lacht.

„Wir müssen noch die Königin finden.“ Herbert Gerhards (69) gestikuliert in Richtung seiner Kollegen. Zwischen seinen Lippen klemmt etwas, das aussieht wie eine Mischung aus Pfeife und Teekanne am Stiel. Ein Smoker, mit dem der Imker Rauch, etwa von getrocknetem Rainfarn oder Eierkartons, auf das Bienenvolk pusten kann. Der Rauch duftet leicht herb, zwickt in der Nase und haftet an Kleidung und Haaren. Er betäubt die Bienen, so dass der Imker arbeiten kann, ohne gestochen zu werden.

Betäubt? Die Imker hören diesen Ausdruck nicht so gerne. „Bei Rauch kehren die Bienen in die Zellen zurück und fressen Honig. Das ist ihr natürlicher Reflex“, erklärt Ratte. Gerhards hebt den Verschlussdeckel der Beute an. Ein Duft, wie von Salbe, beruhigend und aromatisch. „Propolis“, sagt Manfred Tesch. „Viele schwören darauf“. Die Bienen produzieren die harzartige Substanz zum Abdichten von Löchern und Abtöten von Bakterien und Pilzen. Propolis wirkt antibiotisch und wird in Cremes und Lutschpastillen verarbeitet.

An diesem Septembermorgen sind nur wenige Wabenzellen mit goldgelber Flüssigkeit gefüllt. Die Honigernte findet zweimal im Jahr statt. Einmal Ende Mai, wenn Obstblüten, Raps und Löwenzahn blühen und im Juli. Dann schmeckt der Honig nach Linde und Edelkastanie. Pro Bienenvolk kann es stets nur eine Königin geben. Schlüpft eine zweite, schwärmt diese in der Regel mit einem Teil des Volkes aus, um eine neue Brutstätte zu finden.

Deutlich längeres Hinterteil

„Da ist sie!“, Schmitz zeigt auf einen Pulk aus verknäulten schwarzgelben Leibern. Tatsächlich, zwischen Hunderten kleineren Bienen ist die Königin mit ihrem deutlich längeren Hinterteil gut zu erkennen. Zumindest wenn der Imker sie zwischen den bis zu 50.000 anderen Bewohnern einer Beute einmal entdeckt hat.

Mit bloßer Hand greift Schmitz die Biene und setzt sie in ein selbst gebasteltes Behältnis aus Holz und Draht. Ein Königinnenverlies in der Größe einer Streichholzschachtel. Die gefangene Königin muss ihr altes Volk verlassen. An Ihre Stelle soll eine Edelkönigin treten.

„Edelköniginnen werden nur von ausgewählten Drohnen besamt“, sagt Tesch. Dazu schicken die Imker ihre Königinnen an abgelegene Orte, wie Inseln oder Gebirgstäler, um zu gewährleisten, dass die Königin nur von den gewünschten männlichen Bienen begattet wird. Das besondere Paarungsverhalten der Honigbiene, der „Hochzeitsflug“, bei dem die Königin sich mehrere Kilometer von dem Bienenstock entfernt, macht diese besonderen Vorkehrungen notwendig.

Von der neuen Königin versprechen sich die Imker noch widerstandsfähigeren und besonders sanftmütigen Nachwuchs. Vorsichtig setzt Schmitz die Edelkönigin in ihr neues Zuhause. Dann legen die Männer die Abdeckung zurück auf die Waben.

Einfüttern steht auf dem Plan

Es ist stiller geworden im Garten. An die Stelle des Summens der Bienen ist das Fachsimpeln der vier Imker getreten. Das Einfüttern steht an. Ende des Sommers stellen die Imker dem Bienenvolk einen Vorrat an zuckerhaltigem Winterfutter zur Verfügung. Wenn sie das Futter fressen, können die Bienen Wärme erzeugen. Fallen die Temperaturen unter zehn Grad, verstummt das Summen der Kärntner Bienen endgültig. Bis zum Frühling, wenn die Bienenvölker der Hobbyimker wieder in die Luft des Alsdorfer Gartens steigen.

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