Herzogenrath - Das Leben der Ärmsten geteilt

Das Leben der Ärmsten geteilt

Von: Jule Klieser
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Anerkennung: Bürgermeister Al
Anerkennung: Bürgermeister Alfred Sonders (l.) verleiht Pater Fritz Siegers den Alsdorfer Silbertaler. Foto: Jule Klieser

Herzogenrath. Pater Fritz Siegers ist mit dem Alsdorfer Silbertaler für sein Wirken als Missionar ausgezeichnet worden. Er war für die Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist, auch Spiritaner genannt, 38 Jahre lang im Nordwesten Brasiliens tätig, an einem Nebenfluss des Amazonas, dem Jurua.

Seit seiner Rückkehr 1998 wirkt er in den Kirchengemeinden Alsdorf-Süd als Subsidiar und sammelt noch fleißig Spenden für die Kindertagesstätten, die er in Brasilien aufgebaut hat. Sechs Kindertagesstätten und fünf Kirchen hat er im tropischen Regenwald errichtet, größtenteils eigenhändig mit der Maurerkelle und selbst gebrannten Ziegelsteinen. Denn dort, wo er war, gab es nichts, in den ersten 20 Jahren weder Strom noch Straße, weder Krankenhaus noch Schule.

Die Bevölkerung in Städten und auf dem Land verarmte, als die Kautschukpreise auf dem Weltmarkt drastisch sanken, denn von der Kautschukgewinnung lebten sie. Siegers erlebte, wie die Kinder auf staubigen Lehmstraße verwahrlosten, und das war es, was den jungen Missionar immer weiter antrieb, mit anzupacken. „Ich wollte zuerst Seelen retten. Aber Gott will, dass wir uns um den ganzen Menschen kümmern”, beschrieb er bei der Talerverleihung im Bürgermeisterbüro. „Wenn keine Schulen und Krankenhäuser da sind, müssen wir etwas dafür tun.”

Die Berufung, Priester zu werden und Menschen zu helfen, denen sonst keiner hilft, hatte Siegers schon als 13-jähriger Schüler. Dass sein Leben so abenteuerlich werden würde, hatte er sich sicherlich nicht ausgedacht. Abenteuerlich aus der Ferne betrachtet - für ihn war es hart. Dass er im Urwald oft tagelang unterwegs war, um seine weit verstreut lebenden Schützlinge zu besuchen, ist noch das Geringste. Die Armut, in der die Ordensleute leben, war manchmal problematisch. Spiritaner haben keinen Cent eigenes Geld in der Tasche, „und wir mussten uns einen Freundeskreis in Deutschland schaffen, um zu überleben.”

Schlimme Zeiten überstanden

Doch anderes war schwerer. Vor allem die Malaria, die Siegers vier Jahre lang zusetzte, manchmal bis zur Verzweiflung, wenn er vor Erschöpfung und Fieber nicht weiter wusste. Andere Tropenkrankheiten suchten ihn ebenfalls heim, einmal wurde er von einer sehr giftigen Schlange gebissen, einmal stürzte er mit dem Flugzeug ab, und wegen eines gefährlichen Bauch-Aneurysmas musste er operiert werden.

Heute lacht er darüber: „Das habe ich alles überlebt.” Aber man hört seinem Lachen an, dass es kein leichtes Leben war. „Doch es ging immer weiter. Es kommt immer wieder eine Kraft irgendwoher, das ist die Direkthilfe Gottes.” Siegers hat sein Leben in den Dienst der Straßenkinder und der armen Familien gestellt, denn für ihn ist es nicht damit getan, „vom lieben Gott zu reden, man muss die Güte und Liebe vorleben, indem man das oft armselige Leben der Leute teilt”.

Bürgermeister Alfred Sonders war es schon lange ein Anliegen, etwas für Siegers zu tun, um ihm zu danken für sein Tun als Missionar und in der Heimatstadt, „weil ich weiß, dass die Menschen bei Ihnen gut aufgehoben sind.” Den Silbertaler gibt es seit 2000, er wurde zum 50. Jubiläum der Stadtrechte aufgelegt.
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