Würselen - „Das ist wie Musik und doch ist es Malerei“

„Das ist wie Musik und doch ist es Malerei“

Von: ehg
Letzte Aktualisierung:
5450123.jpg
Kunst in der Pfarrkirche St. Marien: Malerin Vera Hilger (links) präsentiert ihre Ausstellung „Intervalle“ und begeistert Kunsthistorikerin Helga Scholl.

Würselen. „Installiert“ in den Fensternischen und auf der großen weißen Fläche seitlich des Altars schmücken aktuelle Gemälde der in Schleiden geborenen und in Aachen-Hauset ansässigen Künstlerin Vera Hilger die Pfarrkirche St. Marien.

Das größte der von ihr in mehreren zeitlich versetzten Arbeitsschritten geschaffenen „Intervalle“ – so der Titel der Ausstellung – hat die Maße 2,80 Meter mal 1,70 Meter.

Es ist die zweite Ausstellung, die seit dem Umbau der Pfarrkirche vor 14 Jahren eröffnet wurde. Pfarrer Rainer Gattys freute sich mit der Künstlerin über die unerwartet große Resonanz, die die Vernissage fand. In Augenschein genommen werden kann die Ausstellung bis zum 26. Mai, sonntags von 15 bis 17 Uhr. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung vom Cellisten Márton Berenznai.

In die Ausstellung führte die Kunsthistorikerin Helga Scholl ein. Übertragen auf die Malerei seien Intervalle die Zwischenräume in den Bildern, die Ablagerungen, die Sedimente und Spannungen zwischen den einzelnen Bildschichten. „Es sind aber auch die Harmonien von Farbklängen, in denen jeder Ton sein Eigenes hat, sein eigenes Kolorit, seine eigene Temperatur“, schärfte Scholl bei den Betrachtern den Blick für die philosophische Tiefe der Gemälde. Wie die Künstlerin Schicht über Schicht zusammenfüge, „das ist wie Musik und ist doch Malerei – mit dem Unterschied, dass Letzteres bleibt, über den Augenblick, den der Klang hat, hinaus. In diesem Raum“.

Wie die Kunsthistorikerin erläuterte, haben die in St. Marien ausgestellten Bilder „auch eine starke motivische und thematische Verwandtschaft mit dem großen Bild ,Pulsar‘“, das in der Aachener City-Kirche noch kurze Zeit zu sehen sein wird, bevor es sich zu einer Ausstellung in Dresden verabschiedet.

Sie öffnete den Blick dafür, wie in jedem Bild auch die einzelnen Zwischenräume immer in Beziehung zueinander stehen. „Die Verdichtung der einzelnen Bildschichten ist dann das Bild selbst.“ Der Betrachter sehe nicht nur, wohin sein Auge reicht. Auch die Stille dazwischen, in den Intervallen, sei spürbar. „Eine Stille mit zuweilen gewaltigem Echo, mit einem Widerhall aus Karmesin, Zinnober, Zyan, Magenta und Anthrazit, manchmal durchsetzt mit Splittern von stechenden grellen Farben oder mit schwärmenden grauen Fragmenten von Chromosomen.“

Wie Vera Hilger den Makrokosmos, aber auch den Mikrokosmos künstlerisch erschließt, auch darauf richtete die Kunsthistoriker den Blick. Dass die Bilder von Vera Hilgers „von gefährdeter, gefährlicher Schönheit sein können, seltsam naturhafte Schöpfungen und zugleich Reflexionen über Malerei und deren Geschichte“, das zeige die Ausstellung gerade in ihren Zwischentönen – den Intervallen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert