Alsdorf - Das Gemeinschaftsgefühl in Ofden wahren

Das Gemeinschaftsgefühl in Ofden wahren

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
5397957.jpg
Rechts und im Hintergrund Teile des VabW-Domizils in Ofden, links Bäume: Eine Bürgerinitiative setzt sich per Unterschriftenliste für den Erhalt der Grünfläche ein und lehnt eine Bebauung mit Häusern ab. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Die Nussecke beim Bäcker sieht gut aus und wird später auch entsprechend schmecken. Aber beim Einkauf in Ofden fällt noch etwas Anderes ins Auge: eine Unterschriftenliste, die auf einem Stehtisch liegt, bestehend aus Deckblatt und einem zweiten Stück Papier, auf dem sich ein paar Bürger eingetragen haben.

Eine nicht näher (namentlich) beschriebene Initiative Ofdener spricht sich darin für den Erhalt der Grünfläche an der Alfred-Brehm-Straße aus, hinter dem Domizil des Vereins für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) gelegen, der dort in einer ehemaligen Schule residiert, und gegen eine Bebauung mit Wohnhäusern. Wie berichtet, möchte die Stadt das Gelände nach Umzug des VabW gerne entsprechend vermarkten.

Aber der Plan ist ins Stocken geraten. Die als neues Domizil auserkorene ehemalige Gerhart-Hauptmann-Hauptschule hat sich als ungeeignet erwiesen und soll noch in diesem Jahr abgerissen werden, wie seitens der GSG Grund & Stadtentwicklung GmbH im Ausschuss für Gebäudewirtschaft zu erfahren war.

Die Kosten für den Abbruch werden auf knapp 500.000 Euro veranschlagt. Zurzeit werden die Grundlagen ermittelt und die Vorplanung vorangetrieben. Vorhandene Baustoffe müssen erfasst, ein Schadstoffkataster erstellt und mögliche Abrissmethoden unter Berücksichtigung der statischen Problematik wollen bewertet werden. Den Bagger einfach rollen zu lassen, geht nicht aus Gründen des Umweltschutzes und der Sicherheit. Das macht die Sache so teuer.

Und wohin könnte der VabW denn dann hinziehen? In die ehemalige Grundschule in Kellersberg. Grundsätzlich ist man sich hierüber einig. Aber die Finanzierung steht (noch) nicht. Es dürfte einige 100.000 Euro kosten, dem VabW das neue Domizil bedarfsgerecht herzurichten. Der Verein hat hierfür kein Geld, und schließlich will ja die Stadt, dass er umzieht.

Kritisch verfolgen die Verantwortlichen der Stadt die weitere Entwicklung des VabW. Lohnt sich ein Umzug überhaupt? Derzeit wird der Verein nur noch von Alsdorf, Würselen und Eschweiler getragen. Die öffentliche Hand strich Förderprogramme zusammen, aus denen der VabW Teile seiner Arbeit finanziert. Die Initiative musste Personal abbauen, veränderte ihr Angebotsspektrum, stellte sich in der Städteregion neu auf.

Vorsitzender Hans Vorpeil hat bislang stets betont, dass sich der VabW dennoch zu behaupten weiß, auch finanziell. Zurück zum Anliegen der Ofdener Initiative gegen eine Bebauung des Geländes: Beim Stadtteilgespräch von Bürgermeister Alfred Sonders Anfang März im Vereinsheim Am Kiesacker hatte – wie berichtet – die Stadt ordentlich Gegenwind bekommen. Der „Charme, der Ofden umgibt“ und die Erhaltung des Grüns wurden von Teilnehmern beschworen. Indes will die Stadt die meisten Bäume neben dem VabW erhalten.

Es gab laute Kritik am Vorhaben der Stadt, durch Ausweisung von Baugebieten in Ofden, so auch – nach Fertigstellung des Kultur- und Bildungszentrums (Kubiz) am Rand des Annageländes – auf den Flächen von Gymnasium und Realschule, nicht nur Angehörigen von ortsansässigen Familien, sondern auch Neubürgern die Gelegenheit zu geben, ihren Lebenstraum zu erfüllen: die eigenen vier Wände. Neubürger aus anderen Städten würden das Gemeinschaftsgefühl schwächen, hieß es beim Ortsteilgespräch.

Da scheint die eigene, durchaus jüngere Geschichte in Vergessenheit geraten zu sein. Anfang der 1950er Jahre wurde mit Blick auf den Zustrom von Arbeitskräften für den Bergbau beschlossen, auf der Erhebung am Rande des Alsdorfer Weihers eine neue Siedlung zu errichten. Das wurde teilweise aus Geldern des Marshallplans finanziert.

1952 entstanden 761 Wohnungen, 1954 und 1955 weitere rund 160. Der massive Ausbau der Ortslage Ofden brachte in der Tat viele Neubürger von außen. Die Namensschilder an vielen Häusern liefern hierfür untrügliche Belege. Daraus entstand das Gemeinschaftsgefühl, das jetzt beschworen wird. Warum sollte sich diese positive Entwicklung nicht wiederholen (dürfen)?

Die Politik hat natürlich erkannt, dass durch Ausweisung von Neubaugebieten in Ofden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können. Zum einen bringt das Vermarkten städtischer Grundstücke Geld ins schlaffe Stadtsäckel. Zum anderen sollen solvente Neubürger nach Alsdorf geholt werden, um Kaufkraft anzuziehen und dem demografischen Wandel, der Überalterung der Gesellschaft, möglichst ein Schnippchen zu schlagen.

Die ABU-Fraktion sorgte im Ausschuss für Stadtentwicklung für den Neuaufguss eines bekannten Teebeutels. Es ging um die Folgenutzung der Realschule, sollte diese in das noch zu bauende Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) umziehen. Der alte Bunker möge als Keller einer neuen Bebauung mit kostengünstigem Wohnraum für Senioren dienen.

Politik und Verwaltung gefordert

SPD-Fraktionsvorsitzender Detlev Loosz erinnerte daran, dass dies schon längst die Genossen in Ofden beantragt hätten. Auch der ABU-Vorstoß, für das Grundstück des Gymnasiums im Flächennutzungsplan die Voraussetzungen für eine attraktive Wohnbebauung endlich zu schaffen und einen entsprechenden Bebauungsplan zu erstellen, ist nicht neu. Ausschussvorsitzender Heinrich Plum (SPD) sagte, hier sei die Verwaltung bereits an der Arbeit.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert