Alsdorf - Das Gedenken an die Jugend weitergeben

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Das Gedenken an die Jugend weitergeben

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
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Übernehmen die Patenschaft für die Stolpersteine im Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten: Horst-Dieter Heidenreich (l.) und Janik Jansen in Vertretung für seinen Vater Marc. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Einem Viertel der Menschen, die in Alsdorf Opfer der Shoah wurden, wurde bereits mit „Stolpersteinen“ (insgesamt 13), verteilt im Stadtgebiet an ihren einstigen Lebensstätten, gedacht.

Für die Alsdorfer Juden Isidor und Laura Weil, die auch Opfer der Nationalsozialisten im Dritten Reich wurden, verlegten jetzt die Paten Horst-Dieter Heidenreich und Janik Jansen in Vertretung seines Vaters Marc Jansen an der Ecke Rathausstraße und Luisenstraße zwei weitere Steine.

Mit einer feierlichen Zeremonie in der Luisenpassage, begleitet von Kletzmer-Musik, gespielt von der Familie Grunewald – sie ist Mitglied des Aktionskreises „Wider das Vergessen“, der in Alsdorf die Stolperstein-Verlegung organisiert – wurde das Gedenken an die Eheleute Weil eingeleitet, bevor man sich gemeinsam auf den Weg zur einstigen Heimstatt der Weils machte.

Dr. Stephan Saffer vom Aktionskreis schlug mit einem Wort aus dem Talmud (Anleitung zur Auslegung der jüdischen Gebetsschrift Tora) eine Brücke von den Verbrechen der Nazizeit in die Gegenwart: „Jeder einzelne soll sich sagen: Für mich ist die Welt erschaffen worden, daher bin ich mit verantwortlich.“

Dass die Gräuel des Dritten Reiches nie wieder eine Wiederholung erfahren dürften und das Gedenken an die Opfer wach gehalten werden müsse, das sei das Erbe der gegenwärtigen Generation. Deren Aufgabe sei es, die Erinnerung an das unglaubliche Geschehen an die Kinder weiter zu geben. „Denn“, musste Dr. Saffer auch in seiner Funktion als Lehrer und Pädagoge feststellen, „dass so viele Jugendliche nichts mehr mit dem Begriff Auschwitz verbinden können, ist erschreckend.“

Wie gefährlich „Nicht-Wissen“ und vor allem Ignoranz gegenüber dem geschehen sein können, das verdeutlichte Dr. Saffer mit der Einschätzung der Publizistin Hannah Arendt: „Nicht die wenigen Bösen haben Auschwitz möglich gemacht, sondern die vielen, die nur dabei standen.“

Rudolf Bast vom Alsdorfer Geschichtsverein umriss die so kurze Lebensgeschichte von Laura und Isidor Weil.

Die Familie Bast war ein direkter Nachbar der Weils, wohnte Wand an Wand mit ihnen. Aus Bettendorf waren die Weils Ende des 19. Jahrhunderts ins aufstrebende Alsdorf gezogen. Bis dahin mit Samuel Weil als Metzgerfamilie bekannt, ergriff Isidor den Beruf des Malers und Lackierers, „Es ist anzunehmen, dass mein Großvater, der Tischler war, und Isidor zusammen gearbeitet haben“, mutmaßt Rudi Bast, der damals gerade einmal zwei Jahre alt war.

„Die Weils galten als integrierte und emanzipierte Familie. Sie waren Mitglied in Vereinen, ihr Auftreten war wie das der anderen Mitbürger auch.“ Bis zum Jahr 1942, als Laura und Isidor ins Lager Theresienstadt deportiert wurden, wo Laura noch im gleichen Jahr ums Leben kam und Isidor 1943 starb.

Rudolf Bast rief aber auch Walter Weil in Erinnerung, „der nahezu als einziger der Familie die Shoah überlebt hat“ und stets in enger Verbundenheit zu Alsdorf geblieben war. Er hatte auch den Gedenkstein für die verstorbenen Alsdorfer Juden auf dem jüdischen Friedhof (Teil des Nordfriedhofs) setzen lassen.

Im Gedenken an die beiden Opfer des Nationalsozialismus setzen zum Abschluss der Zeremonie Horst-Dieter Heidenreich für Laura und Janik Jansen für Isidor die Stolpersteine auf dem Fußgängerweg an der Ecke Rathausstraße/Luisenstraße.

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