Das Allgemeinwissen der Deutschen ist nur mittelmäßig

Von: Elisa Zander
Letzte Aktualisierung:
6406820.jpg
Rechnen auf Papier oder doch mit dem Taschenrechner? Auch bei der Anwendung von Grundrechenarten haben viele Studienteilnehmer Probleme. Foto: E. Zander

Nordkreis. Das Allgemeinwissen der Erwachsenen in Deutschland ist im internationalen Vergleich nur mittelmäßig. Zu dem Ergebnis kommt eine Bildungsstudie für Erwachsene der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Der als „PISA“-Studie für Erwachsene umschriebene Test beschäftigte sich mit den Fähigkeiten Erwachsener zwischen 16 und 65 Jahren aus 24 Ländern. Lesen und Verstehen von Texten, Grundrechenarten wie Prozent- und Dreisatz sowie Computerfähigkeiten wurden getestet – mit teilweise erschreckendem Ergebnis.

Demnach hatten bis zu 27 Prozent der Testpersonen keine Erfahrung mit Computern, 12,6 Prozent der Studienteilnehmer aus Deutschland konnten keine Computermaus bedienen. Insgesamt war ein Teil der Erwachsenen lediglich in der Lage, einfache Probleme zu lösen, etwa E-Mails in bereits angelegte Ordner einzusortieren.

Komplexere technische Aufgaben, etwa das Navigieren über Webseiten, beherrschten nur 36 Prozent. In der Gesamtstudie konnte nur circa die Hälfte der Gesamtteilnehmer einen Link anklicken. Mit 36 erreichten Testpunkten liegt Deutschland dennoch zwei Punkte über dem Durchschnittsergebnis.

Im Aufgabenbereich Lesen – dazu gehören auch das Verstehen, Interpretieren und Bewerten von Texten – erreichten die Teilnehmer aus Deutschland einen Mittelwert von 270 Punkten, womit sie knapp unter dem Durchschnittswert der Studie von 273 Punkten liegen. Das beste Leseverständnis hatten die Probanden aus Japan mit 296 Punkten und Finnland mit 288 Punkten; beide Länder liegen im Studienergebnis insgesamt vorne.

Etwas besser schnitten die Deutschen im Test im Bereich Mathematik ab: 272 und damit drei Punkte über dem Durchschnitt erreichten die Probanden, wobei auch in diesem Bereich 18,5 Prozent der Testpersonen nicht über das grundlegende Niveau – Zählen, Sortieren, Grundrechenarten einsetzen – hinauskamen.

Verschiedene Kompetenzstufen

10,7 Prozent der Testpersonen aus Deutschland erreichten beim Lesen die höchsten Kompetenzstufen (vier und fünf) – der Studienschnitt liegt bei 11,8 Prozent – und im Rechnen schafften 14,2 Prozent die höchsten Kompetenzbereiche; im internationalen Durchschnitt waren das 12,5 Prozent.

Gleichzeitig sind 17,5 Prozent der deutschen Probanden maximal in der Lage, kurze, einfache Texte zu lesen und zu verstehen, was der Kompetenzstufe eins oder niedriger und damit dem Wissensstand eines Grundschülers entspricht oder sogar noch schlechter ist und damit auf einer Stufe mit der Lese- und Schreibkompetenz funktionaler Analphabeten steht. Dies sind Menschen, die zwar einzelne Worte, aber keine einfachen Texte lesen und verstehen können.

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass Teilnehmer aus den Spitzenstaaten Japan und Finnland im Schnitt einen Kompetenzvorsprung haben, der einer Lernleistung von vier bis fünf Schuljahren entspricht.

Was bereits die PISA-Studien bei 15-jährigen Jugendlichen im internationalen Vergleich zeigten, bestätigte die neue OECD-Studie: Der soziale Hintergrund steht, über alle Altersgruppen gleichmäßig verteilt, in starkem Zusammenhang mit dem Lesevermögen. „In kaum einem anderen Land hängt die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie hierzulande“, erklärte die OECD.

Schlusslicht USA

Testpersonen, deren Eltern weder Abitur noch eine Berufsausbildung haben, erzielten im Schnitt 54 Punkte weniger als jene, bei denen zumindest ein Elternteil einen (Fach-) Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief erlangt hatte. Lediglich in den USA ist der Abstand noch größer.

An der OECD-Bildungsstudie mit dem Namen „Programm zur internationalen Einschätzung der Kompetenzen Erwachsener“ (PIAAC) nahmen etwa 166.000 Erwachsene aus 24 Industrienationen teil. 5465 der Teilnehmer kamen aus Deutschland.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert