Nordkreis - Damit Kinder nicht Intensivtäter werden

Damit Kinder nicht Intensivtäter werden

Von: Holger Bubel
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Kooperationsvertrag unterzeichnet: die Bürgermeister (v.l.) Karl-Heinz Hermanns (Simmerath), Arno Nelles (Würselen), Christoph von den Driesch (Herzogenrath), Margarete Ritter (Monschau), Städteregionsrat Helmut Etschenberg (M.) sowie Dr. Willi Linkens (Baesweiler, r.), Polizeipräsident Klazus Oelze (2. v.r.) und Martin Bornträger (sitzend r.) vom NRW-Innenministerium leisteten ihre Unterschriften. Foto: H. Bubel

Nordkreis. Das Projekt „Kurve kriegen“, initiiert vom nordrhein-westfälischen Innenministerium, ist jetzt mit den Unterschriften der Bürgermeister der bislang noch nicht beteiligten Kommunen und von Städteregionsrat Helmut Etschenberg flächendeckend in der Städteregion angekommen.

Polizeipräsident Klaus Oelze sowie Martin Bornträger vom NRW-Innenministerium durften den Bürgermeistern aus Herzogenrath, Würselen, Baesweiler, Monschau, Roetgen und Simmerath die Kooperationsverträge vorlegen, Aachen, Alsdorf, Eschweiler und Stolberg waren bereits beim Projektbeginn 2011 ins Kooperationsboot geholt worden.

„Auch wenn es noch keine gesicherten Evaluationsdaten gibt, kann man sagen, dass ‚Kurve kriegen‘ schon jetzt ein voller Erfolg ist“, sagte Martin Bornträger. Das Credo des Projekts lautet „Frühe Hilfe statt späte Härte“. Meint: Kinder und Jugendliche, bei denen erkennbar eine kriminelle Karriere droht, sollen frühzeitig Unterstützung erfahren, um ein Abdriften in die Intensivkriminalität zu vermeiden. „Und das aus drei sehr guten Gründen“, sagte Polizeipräsident Oelze: Straftaten zu verhindern, dadurch Opfer zu vermeiden und einen volkswirtschaftlichen Schaden abzuwenden.“ Denn, so rechnete Oelze vor, ein Platz im Jugendvollzug koste 50.000 Euro im Jahr, 70 Prozent der jugendlichen Straftäter würden nach einer Strafmaßnahme rückfällig: „Reaktion ist also deutlich teurer als Prävention“, konstatierte der Polizeipräsident. Die Präventionsmaßnahme „Kurve kriegen“ hat sich das Land seit 2011 200.000 Euro kosten lassen, 90.000 Euro folgen jetzt.

Engmaschiges Hilfenetzwerk

Dieses „kleine aber feine Projekt“, wie es Martin Bornträger bezeichnete, wolle ein engmaschiges Hilfenetzwerk bereits für Kinder ab acht Jahren aufbauen. Dabei sollen „Dinge, die nicht von der klassischen Jugendhilfe abgedeckt werden“, aufgefangen werden.

Das Besondere bei der Initiative ist zudem die enge Zusammenarbeit der Polizei und der Jugendämter. „Wegen der unterschiedlichen Aufgabenstellungen war bislang eine so enge Teamarbeit eher ungewöhnlich“, betonte Klaus Oelze. „Jetzt kann die Polizei mit dem Instrumentenkasten der Jugendhilfe arbeiten.“ Unterstützt wird die Arbeit von Polizei und Jugendämtern durch den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Alsdorf.

Doch wie sieht diese Arbeit konkret aus? Der Fokus liegt auf Kindern und Jugendlichen, die hochgradig kriminalitätsgefährdet sind. Sie haben mindestens eine Gewalttat oder drei schwere Eigentumsdelikte begangen. Sie leben in Umständen, die von so vielen Problemen belastet sind, dass ein dauerhaftes Abgleiten in die Kriminalität droht. Ihre kriminelle Karriere als Intensivtäter scheint dann vorgezeichnet. In solchen Fällen sucht die Polizei – in zivil – den Kontakt zu den Kindern und Sorgeberechtigten. Die Initiative basiert auf Freiwilligkeit. Erst wenn Kinder und Eltern einverstanden sind, werden die Daten an pädagogische Fachkräfte weitergeleitet, die im Schulterschluss mit den kommunalen Jugendämtern individuelle Bedarfsprofile für die Kinder erstellen und die Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren im Netzwerk koordinieren.

„Manchmal sind es Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, die den Kindern und Jugendlichen aber fehlen. Sie brauchen etwa eine Anleitung zur Freizeitgestaltung, Begleitung bei den Schulaufgaben, ein Verhaltenscoaching oder ähnliches“, erklärte Andreas Malecha vom SkF aus den Erfahrungen der „ersten“ 23 Fälle seit Beginn des Projekts. 18 dieser Kinder sind noch im Programm, fünf haben auf eigenen Wunsch das Angebot abgebrochen.

„Diese 23 Kinder und Jugendlichen haben vor ‚Kurve kriegen‘ 240 Straftaten begangen. Seit Projekt-Beginn waren es nur noch 80. Acht dieser Teilnehmer haben sogar keine Straftaten mehr begangen“, konnte Klaus Oelze berichten. Dass im Projekt „Kurve kriegen“ nicht nur die Jugendlichen Thema sind, konstatierte Würselens Bürgermeister Arno Nelles: „Wir alle müssen durch Unterstützung die Kurve kriegen. Denn wir brauchen diese gefährdeten jungen Menschen in unserer und für unsere Gesellschaft.“

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