Würselen - Comedian Rainald Grebe auf Burg Wilhelmstein

Comedian Rainald Grebe auf Burg Wilhelmstein

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Zweistündige unterhaltsame Kurzweiligkeit: Rainald Grebe auf Burg Wilhelmstein. Foto: Conny Stenzel-Zenner
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Schräg kostümiert: Rainald Grebe bot dem Publikum auf Burg Wilhelmstein beste Unterhaltung.

Würselen. Das war schräg. Sein Kostüm. Manchmal das Bühnenbild. Sein Programm sowieso. Comedian Rainald Grebe war auf Burg Wilhelmstein zu Gast und machte genau das, was Veranstalter Uli Pesch wollte: ein Programm für ein kulturinteressiertes Publikum. So begann dieser intellektuelle Comedian am Flügel mit dem Lied: „Komm, lasst uns Volkslieder singen.“

Das war der Beginn einer zweistündigen unterhaltsamen Kurzweiligkeit, die mit Skurrilität und dem ihm eigenen Entertainment das Publikum in eine seltsame Welt zwischen Albernheit und Tragikkomik führte.

Anonymität wird zur Idylle

„Bei 45-jährigen Frauen denke ich: Ein Blick in den Spiegel ist ja auch eine soziale Frage“, was die Männer in der Burg zum spontanen Lachen brachte, aber die denkenden Frauen mindestens kurz überlegen ließ, ob an diesem Punkt pfeifen anstatt klatschen angesagt war.

Tatsächlich entdeckte Grebe abseits der bekannten Witze und Perspektiven neue, schaute auf die Vergangenheit und den Alltag, und fand das Wunderbare. Als Rainald Grebe gekonnt die Anonymität der Stadtbevölkerung aufs Korn nahm, danach aber das Landleben im Visier hat – „Auf der Wiese dahinten gab es einen Handyempfang“ – wurde die Stadtanonymität auf einmal zur Idylle. Großartig.

Seine am Klavier erzählten Geschichten kamen dem Publikum bekannt vor. Mal war Grebe der Beobachter, mal war er der Erinnernde, der vor 42 Jahren in Frechen aufgewachsen ist.

Als er Anfang der 1990er Jahre vom Westen in den Osten geht, in Coca-Cola-Bettwäsche schläft, einen Trabbi für einen Euro kauft und Eisblumen an den dünnen Fenstern im Osten kennenlernt, da nimmt er das Publikum mit auf einen Geschichtskurs, der nachhaltig ist, aber nicht in den Geschichtsbüchern steht.

Grebe outete sich als genialer Musikkabarettist und Entertainer, weshalb selbst das Rauchen auf der Bühne zum Highlight wurde. Eine Inszenierung war es, die Rainald Grebe auf der Burg gab. Mit Volksliedern. Oder auch mit Volksliedern. Aber dann sang er auch sein Leben. Von Hobbykellern, die zu Partykellern wurden und von leeren Tellern, die an den Wänden hingen. Er warf Bilder seiner Eltern, seiner Schwester und von sich selbst auf die Leinwand.

Am Ende seines Programms war der Comedian ein Menschen geworden. Der Künstler war privat gewesen. Auch schräg.

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