„Coaching“-Projekt: Viel mehr als einfach nur Nachhilfe

Von: Markus Bienwald
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Volle Konzentration: (v.l.) Die Rookies Patrick Ortmanns, Timo Kloppenburg und Marek Wynands fühlen sich in der Gruppe mit Coach Sebastian Keller sehr gut aufgehoben. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Verflixt, schon wieder so eine Aufgabe! Ich bin da in der Stillarbeit schon nicht mit klargekommen, wie soll ich das nur in der Klassenarbeit lösen? Um solchen Schülergedanken zuvor zu kommen, praktiziert die Realschule Kohlscheid ein „Coaching“-Projekt.

Auf den ersten Blick sieht das alles ein bisschen nach Nachhilfe in der Schule aus, doch es geht weit darüber hinaus. „Es ist ein Projekt von Schülern für Schüler“, erklärt Daniela Gilles, Initiatorin des Projekts an der Schule, dazu. Sie durfte eine ähnliche Form der gegenseitigen Unterstützung schon einmal in Pulheim kennenlernen, in abgewandelter Form profitieren nun die Realschüler in Kohlscheid davon.

„Es geht darum, dass ältere Schüler die jüngeren Schüler fördern“, sagt Gilles weiter. Also doch nur Nachhilfe? „Nein, es ist viel mehr“, sagt die Lehrerin für Englisch und Französisch, die viel Energie in die Umsetzung steckt. So wird in erster Linie bei Dingen gestartet, die mehr mit dem Umfeld des Lernens denn mit dem Stoff zu tun haben.

Es wird bei der Lernorganisation geholfen, und nicht nur im schwächsten Fach nach besseren Noten geschielt. „Die Kinder geben vorher zwei Fächer an, in denen sie gefördert werden möchten“, stellt Gilles vor, „wir sortieren gemeinsam die Gruppen, gucken, welche Schüler gut zusammenpassen“. Das Ganze geschieht ohne Zwang, Rookies (Neuling), wie die unterstützten Mitschüler genannt werden, wie auch Coaches, so heißen die älteren Schüler, nehmen freiwillig teil.

Und stoppen mittendrin gilt nicht: „Wer sich einmal angemeldet hat, kommt auch für die zehn Wochen pro Schulhalbjahr, in denen das Coaching stattfindet“, schließt Daniela Gilles. Bei den Schülern kommt das Ganze außerordentlich gut an. Sie sind begeistert, egal ob Rookies aus den Klassen fünf bis sieben oder die Coaches aus den Klassen acht bis zehn.

Die Schüler auf der Coachingseite arbeiten den notwendigen Stoff selbst durch, alles von Mathe über Deutsch bis Englisch ist hier im Angebot.

„Mein oberstes Prinzip ist, dass die Schüler alles selbst ausprobieren müssen“, sagt die Lehrerin. Erst dann können auch die weiteren Prinzipien greifen, das Auf-Augenhöhe-Sein, die dazu passende Gruppendynamik und auch Spiele zur Entspannung. „Wichtig ist auch zu wissen, was zu tun ist, wenn die Rookies gerade nicht aufnahmefähig sind“, ergänzt die Pädagogin.

Ein pralles Paket also, mit dem es die Schüler hier, neben ihren normalen Wochenstunden und dem Stoff in den eigenen Klassen, zu tun haben.

„Ich halte das für ein ganz wichtiges Projekt, das das Lernen lernen fördert“, ergänzt auch Schulleiterin Reinhild Behr-Bennemann. Sie sieht die Pluspunkte in der geförderten Sozialkompetenz, doch auch die harten, messbaren Faktoren als Effekt des Projekts kann sie nicht von der Hand weisen.

„Die Noten haben sich verbessert“, ist Behr-Bennemann stolz. Und die Kinder zu fördern, das tue sie gerne, weil ihr das Projekt sehr am Herzen liegt.

Mit seinen steigenden Anmeldezahlen, Materialien, die aus dem Schuletat angeschafft werden, und „Manpower“ sowie räumlichen Möglichkeiten, die seitens der Schule gestellt werden, ist dies ein echtes Vorzeigeprojekt, das offenbar alle Beteiligten glücklich macht.

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