Co-Pilot eines amerikanischen Bombers ist bis heute vermisst

Von: Beatrix Oprée
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Sie war der bekannteste Bomber der US-Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg: die B 17 „Flying Fortress“ mit zehn Leuten Besatzung. Eine Maschine wie diese stürzte über Finkenrath ab. Foto: imago/alimgi
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Es habe auch seitens der US Army Untersuchungen gegeben: Wim Slangen ist auf der Suche nach weiteren Unterlagen. Foto: Beatrix Oprée
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Der Soldat Donald P. Breeden bleibt bis heute vermisst. Foto: von Donald P. Breeden hat die Familie jetzt zur Verfügung gestellt.

Herzogenrath/Kerkrade. Sein Großonkel hatte den Absturz der Maschine über dem deutsch-niederländischen Grenzgebiet bei Eygelshoven selbst beobachtet, damals vor fast genau 73 Jahren. Eine der Tragflächen sei dabei abgebrochen und „wie ein Blatt im Herbst“ auf den Boden gesegelt.

„Seit ich ein kleiner Junge war, kenne ich diese Geschichte. Sie wurde in unserer Familie immer wieder erzählt“, sagt Wim Slangen aus Kerkrade.

Vier bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen hatte man seinerzeit – zwei auf niederländischer und zwei zwischen Finkenrath und Hofstadt auf deutscher Seite – gefunden. So berichtet es auch der frühere Beigeordnete und Heimathistoriker Ludwig Kahlen in seinem „Kommunalen Tagebuch“.

Lange, so sagt Slangen, habe er an dieses für seine Familie so prägende Ereignis nicht mehr gedacht gehabt. Bis vor wenigen Jahren der historische Verein in Eygelshoven den – mittlerweile verstorbenen – Kohlscheider Lehrer und Heimathistoriker Oswald Ortmanns, zu Gast hatte, der – als kleiner Junge ebenfalls Zeuge des Absturzes – alle verfügbaren Informationen darüber zusammengetragen hatte.

Was Wim Slangen damals erfuhr: Der Co-Pilot der abgeschossenen Maschine, einer Boeing B17, auch „Flying Fortress“ (Fliegende Festung) genannt, galt als verschollen. „Das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt Slangen.

Er startete eigene Nachforschungen, inspiriert auch von einem ehrgeizigen Projekt, das er bei einem Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofs im niederländischen Margraten kennenlernte: „Faces of Margraten“ hat sich zum Ziel gesetzt, jedem der 10.023 dort beigesetzten Gefallenen respektive als vermisst aufgeführten Namen ein Gesicht zu geben.

Startkommando trotz Nebel

Vom Piloten der B17 mit der Nummer SN 42-4336, Dennis J. McDarby, der den Abschuss bei Finkenrath per Fallschirmabsprung überlebte und in deutsche Gefangenschaft geriet, weiß man, dass der Co-Pilot Donald Paul Breeden hieß. Er sei vermutlich in der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze abgesprungen, hatte McDarby bei seiner Vernehmung ausgesagt. Dann verlieren sich die Spuren.

18 amerikanische B17 der 305. Bomber-Gruppe sollten am 14. Oktober 1943 am Stützpunkt der Royal Airforce in Chelveston bei Northampton starten, um die für die Deutschen kriegswichtigen Kugellagerwerke im unterfränkischen Schweinfurt zu vernichten. Ein Vorhaben, das wenige Monate vorher schon einmal gescheitert war.

Und auch diesmal stand die Operation unter keinem guten Stern: Dichter Nebel hing über dem Flughafengelände. „Niemand hatte geglaubt, dass man Hunderte Maschinen in dieser Suppe würde starten lassen“, berichtete später der Bordingenieur und Dachturmschütze Arthur Linrud, der ebenso wie McDarby und drei weitere Crew-Mitglieder überlebte. Dennoch kam das Kommando, und der erste Bomber hob ab.

Die anderen sollten im Minutentakt folgen, doch nach dem 18. Start lag die Verspätung bereits bei 25 Minuten. Geplant war der übliche V-Formationsflug. In der dichten Wolkendecke hatten Piloten und Navigatoren allerdings keine Chance, die anderen Maschinen zu finden. Drei Bomber kehrten zurück, wie Oswald Ortmanns in seiner Präsentation darlegte. Auch die B17 SN 42-4336 unter dem Kommando von Captain McDarby fand ihre Position nicht.

Deutsche Abfangjäger stiegen auf, und noch vor Erreichen des Rheins wurden neun B 17-Bomber abgeschossen, unter anderem bei Immendorf, Puffendorf und Stolberg.

Die B17 SN 42-4336 soll von drei deutschen Jagdfliegern umzingelt und beschossen worden sein. Schließlich zerbrach sie brennend in zwei Teile, das Heck ging hinter der Grube Julia nieder, ein Flügel in Eygelshoven, „und das Vorderteil samt einer Tragfläche zwischen Finkenrath und Hofstadt, ungefähr da, wo heute die Nivelsteiner Sandwerke sind“, sagt Wim Slangen.

Der bei Ludwig Kahlen zitierte amtliche Bericht spricht von der Detonation der mitgeführten Bomben und einem Blindgänger im Bombentrichter. „Der entstandene Sachschaden ist gering“, hieß es da weiter.

Die Crew einer Flying Fortress bestand aus zehn Personen: ein Schütze und der Navigator im Bug, dahinter Pilot und Co-Pilot, hinter ihnen ein Techniker und der Funker, beide auch Schützen. Dann gab es noch einen Bodenkanzelschützen, zwei Rumpf- und einen Heckschützen. Vier getötete Besatzungsmitglieder der B17 SN 42-4336 wurden identifiziert, einer von ihnen ist in den USA beigesetzt, die drei anderen haben Gräber mit weißen Kreuzen auf dem Soldatenfriedhof in Margraten. Den Namen Donald P. Breedens fand Wim Slangen dort auf der Mauer der Vermissten.

Per Kontaktaufnahme zu den Behörden in Breedens Geburtsort in Idaho fand er heraus, dass der Co-Pilot jung verheiratet gewesen und seine Frau schwanger war. Witwe, Tochter und Enkelin leben heute in San Francisco. „Sie hatten nie mehr etwas von Donald gehört“, sagt Slangen. „Sie haben mir dann ein Foto des jungen Soldaten geschickt, das ich nach Margraten weitergereicht habe. Dieser Teil der Aufgabe ist also erfüllt.“

Ortstermin in den Sandwerken

Gerne würde der Kerkrader der Familie aber auch noch mitteilen können, wo der Ehemann und nie gekannte Vater geblieben ist. Wahrscheinlich war seine Leiche so verbrannt, dass man die Überreste nicht mehr zuordnen und den Särgen der beiden anderen Toten von Finkenrath beigelegt hat.

Seine Spurensuche führte Slangen auf Vermittlung unserer Zeitung auch zu Charles Russel, Inhaber der Nivelsteiner Sandwerke. „Ich fand es immer schlimm, wenn Familien nicht wussten, wo ihre Männer, Väter, Brüder geblieben sind“, sagt Russel beim Ortstermin. Aber: „In Nivelstein ist nichts mehr so wie zu Zeiten des Weltkriegs. Wir sind hier mittlerweile 20 Meter tiefer.“ Der Kampfmittelräumdienst sei öfters vor Ort gewesen. „Wenn wir sonst etwas aus dem Krieg gefunden hätten, hätten wir es natürlich abgegeben.“

Slangen hofft nun, dass vielleicht noch Zeitzeugen leben. Oder jemand irgendwann einen Gegenstand gefunden hat – eine Brille, einen Ring – der Aufschluss geben könnte. Alle seine Informationen zusammengetragen hat Wim Slangen unter: http://www.jachthoornblazers.nl/JHB/Wim-Slangen-Donald-P-Breeden.html

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