Alsdorf - Cinram: Knappes Ja für Verhandlungen

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Cinram: Knappes Ja für Verhandlungen

Von: Karl Stüber
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„Dornenreicher” Weg steht be
„Dornenreicher” Weg steht bevor: Noch beschäftigt der Cinram-Standort in Alsdorf knapp 1000 Festangestellte. Mit drastischen Maßnahmen will nun die Geschäftsführung die Produktion sichern und die Erwartungen eines neuen Investors erfüllen. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Die Stühle reichten nur für 200 Teilnehmer, viele mussten stehen - und das lange. Denn bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung der IGBCE in Sachen Cinram wogte am Dienstag die Diskussion zwischen den organisierten Beschäftigten und den Gewerkschaftsvertretern (Tarifkommission) über Pro und Kontra, über Ja und Nein zu Verhandlungen mit der Geschäftsführung über weitere, einschneidende Kürzungen beim Haustarifvertrag hin und her.

Letztlich sprachen sich denkbar knappe 51,55 Prozent der Teilnehmer für Verhandlungen aus, die bereits am Freitag beginnen und mit dem 14. und 19. Juni weitere Runden haben werden, wie IGBCE-Bezirksleiter Manfred Maresch am Abend erläutert. 48,44 Prozent der Versammelten sprachen sich gegen Verhandlungen aus. „Ja, die organisierte Belegschaft ist gespalten, aber da es über das Verhandlungsergebnis noch eine Urabstimmung geben wird, hat jetzt keine Seite verloren”, sagt Maresch.

Standort in Frankreich insolvent

Die kanadische Konzernzentrale sucht intensiv einen neuen Investor. Der will natürlich, dass sein Geld sich möglichst effizient auszahlt. Und der Wettbewerb in einem immer enger werdenden Markt für die Produktion von CD, DVD und Blu-ray wird intensiver. Entsprechend hart sind die Zielvorgaben des Geschäftsführers Klaus Schramm, die er nach eigenen Bekunden mit der Zentrale abgestimmt hat, was die Rahmendaten angeht. Innerhalb von fünf Jahren sollen 410 Arbeitsplätze wegfallen, 150 davon feste, der Rest sind Kollegen mit Zeitverträgen oder Leiharbeiter, rechnet der IGBCE-Mann Maresch vor. Nicht mitgerechnet sind 50 Mitarbeiter, denen bereits seit längerem gekündigt werden soll, sagt er.

Zudem will der Arbeitgeber pro Jahr 7,5 Millionen Euro einsparen. Das Aufstocken auf 40 Stunden Wochenarbeitszeit, die Reduzierung des Weihnachtsgeldes auf zehn Prozent, Einbußen beim Urlaubsgeld und Streichung von fünf Urlaubstagen, die Streichung der Ausgleichszulagen, die besonders die unteren Lohngruppen hart treffen würde, die Kürzung bei den außertarifliche Bezahlten und anderes mehr - das Paket hat es in sich. „Gerade für die unteren Lohngruppen wäre eine Reduzierung von 500 bis 550 Euro pro Monat nicht mehr machbar”, sagt Maresch. Er bringt die Belastung auf den Punkt: „Die Arbeitnehmer müssen Investitionen, Gewinne und Abfindungen zahlen. Dabei ist die Zukunft weiterhin offen.”

Wo bleiben Gegenleistungen wie Kündigungsschutz für einen bestimmten Zeitraum? Was ist, wenn ein großer Kunde abspringt? Werden dann bei Entlassungen den Betroffenen doch noch ihre Sparleistungen zurückgegeben, um höheres Arbeitslosengeld zu bekommen? „Der Investor muss sich gegenüber dem Standort und der Belegschaft festlegen. Sonst gibt es keine Unterschrift”, kündigt Maresch an. Just am Tag der IGBCE-Mitgliederversammlung wird bekannt, dass Cinram Louviers in Frankreich Insolvenz für die Produktion (nicht die Logistik und Distribution) angemeldet hat. 108 Beschäftigte sind betroffen.

Es mag eine schon fast zynisch anmutende Frage sein: Stärkt das den größten Standort von Cinram in Europa? Stärkt das Alsdorf? Freude mag bei den Arbeitnehmervertretern nicht aufkommen. Cinram-Geschäftsführer Klaus Schramm antwortet auf Nachfrage diplomatisch: „Ich habe in vielen Telefonaten unseren Kunden gesagt, dass sie sich auf den Standort Alsdorf verlassen können.” Zudem komme die Suche nach einem neuen Investor zügig voran. Vielleicht schon Ende nächster Woche könne der Name genannt werden, stünde ein Termin mit dem „Neuen” in Alsdorf an. Vielleicht!? Geschäftsführer Schramm sieht bei den nun anlaufenden Verhandlungen durchaus Spielraum, nicht bei den absoluten Einsparsummen, jedoch bei der Frage, wie die erzielt werden können: „Wir wollen die Lasten möglichst gerecht verteilen.” Man wird sehen.
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