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Cinram investiert kräftig am Standort Alsdorf

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Cinram investiert kräftig am Standort Alsdorf: am Kontrollpult der neuen Druckmaschine der neue Geschäftsführer Dieter Lubberich (l.) mit Neil Ballantine, Executive Vice President, Managing Director European Operations. Foto: Cinram

Alsdorf. Die Geschäftsführung der Cinram GmbH in Alsdorf hat vor kurzem Dieter Lubberich übernommen. Er war zuvor Leiter der Distribution des Herstellers von CDs, DVDs und Blu-ray-Scheiben (BD) und stellvertretender Geschäftsführer. Dieter Lubberich ist seit 1991 bei Cinram und leitet seit 2008 den Bereich Logistik.

Der 49-Jährige will den Restrukturierungsprozess fortsetzen. Ziel ist, auf der Basis eines bis Ende 2016 laufenden Sanierungstarifvertrages den Standort Alsdorf zu sichern.

Herr Lubberich, Sie haben im Dezember die Nachfolge von Geschäftsführer Klaus Schramm angetreten. Im vergangenen Jahr wurde Cinram von Najafi Companies übernommen, wurden zwei Restrukturierungsrunden umgesetzt, aber auch kräftig investiert, so in die Blu-ray-Fertigung und in die Druckerei? Welche Investitionen stehen in diesem Jahr an?

Lubberich: Wir haben im letzten Jahr mit umfangreichen Investitionen unsere Kapazität im Segment Blu-ray deutlich erweitert, und in unserer Druckerei wurde die langersehnte Druckmaschine installiert, die uns in die Lage versetzt, das neu im Jahre 2013 hinzugewonnene Volumen an Druckkomponenten, zum Beispiel für Universal Music, zusätzlich zu fertigen. Darüber hinaus haben wir in der Distribution für die Bereiche Warner Music und Universal Pictures Italien unsere Kapazitäten im vierten Quartal ebenfalls erheblich ausgebaut, um die zusätzlichen Volumina aus der Akquisition der Parlophone Label Group durch Warner Music und für Sony Pictures Italien gerecht werden zu können. Auch für das laufende Jahr sind weitere Investitionen geplant. In der Replikation werden wir unsere CD-Kapazitäten absichern. Im Bereich der Bedruckung der Discs denken wir aktuell über die Installation von digitalen Druckmaschinen nach, um trotz ständig kleiner werdenden Auflagen auch weiterhin die notwendige Produktivität halten zu können. Der weitere Ausbau der Kapazität in der Distribution ist ebenfalls eine Option, wobei wir dies natürlich von unserem Erfolg bei der Akquisition neuer Kunden abhängig machen werden.

Was kommt auf die Belegschaft zu – es stehen ja Verhandlungen in Sachen Haustarif an, zudem geht es um weitere „Personalanpassungen“!? Müssen die Beschäftigten weitere Opfer bringen, um den Kauf durch Najafi zu finanzieren bzw. Investitionen zu ermöglichen?

Lubberich: Die Übernahme durch Najafi hat zu einer deutlichen Entspannung der finanziellen Situation geführt. Nur so konnten die Investitionen des vergangenen Jahres überhaupt realisiert werden. Jedoch sind wir nach wie vor als eigenständige Organisation innerhalb der Cinram Gruppe natürlich in der Verpflichtung, die betriebswirtschaftlichen Grundlagen für den Fortbestand unseres Standortes zu schaffen. Das schließt sowohl die laufenden Produktionskosten ein, als auch die Amortisierung unserer Investitionen. In der Tat haben wir jüngst die Tarifverhandlungen aufgenommen. Auch wenn ich keinerlei Ergebnisse vorwegnehmen möchte und dies auch nicht kann: Weitere Opfer werden die Mitarbeiter wohl nicht bringen müssen. Vielmehr geht es in erster Linie darum, den im letzten Jahr gemeinsam eingeschlagenen Kurs auch weiterhin konsequent zu verfolgen.

Zuletzt hatte Universal Pictures den Vertrag verlängert, in der Distribution kam dank Allianz von Universal Pictures und Sony die Belieferung des italienischen Markts mit DVDs und BDs hinzu. Wie steht es um Warner Music?

Lubberich: Auch wenn wir aktuell noch kein unterzeichnetes Schriftstück in Händen halten, so sind die Weichen für die weitere Zusammenarbeit mit WM gestellt und ebenso sind die Parameter bis 2017 abschließend verhandelt. Die Kontinuität der mehr als 30-jährigen Partnerschaft – aus welcher der Alsdorfer Standort letztendlich hervorgegangen ist – wird also auch weiterhin Bestand haben. Damit haben wir in der Summe mehrjährige Verträge mit unseren Top3-Kunden, die für uns die Planungssicherheit für die kommenden drei Jahre darstellen.

Sind weitere Kunden bzw. Abschlüsse in Sicht?

Lubberich: Selbstverständlich verfolgen wir dauernd das Ziel, ein weiteres Major Studio oder Music Label als neuen Kunden zu gewinnen. Wieweit uns das im laufenden Jahr gelingen wird, wäre zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation. Bereits in den letzten Jahren haben wir verschiedene Aufträge und Aufgaben außerhalb unseres Kerngeschäfts dazu gewinnen können. Dies gilt für alle Bereiche des Unternehmens, das heißt für unsere Produktion ebenso wie für die Distribution und unsere Druckerei. Darüber hinaus führen wir seit Ende des letzten Jahres sehr intensive Gespräche mit verschiedenen Unternehmen, die ich an dieser Stelle aus hoffentlich nachvollziehbaren Gründen nicht weiter kommentieren möchte. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch im Laufe dieses Jahres einige Erfolge vermelden können.

Investor Jahm Najafi erweitert das Portfolio von Cinram im Bereich physischer und digitaler Unterhaltungsmedien und hat zum Beispiel Saffron Digital von HTC, dem Smartphone-Hersteller aus Taiwan, gekauft. Welche Auswirkungen bzw. Synergieeffekte hat das auf den Standort Alsdorf?

Lubberich: Durch die Übernahme von Saffron Digital haben wir als Konzern unser Portfolio um einige signifikante Elemente erweitert. Diese Akquisition rundet für den Konzern das angestrebte Dienstleistungsportfolio ab und Cinram kann seinen Kunden auch für die nicht-physischen Formate die vollständige Unterstützung anbieten. Dies wird allerdings im Moment vollständig aus den USA gesteuert und hat noch keinen direkten Einfluss auf die Aktivitäten in Alsdorf.

Frank Briegemann, Central-Europe-Chef des Branchenprimus Universal Music, setzt nicht nur auf den Digitalmarkt, sondern auch auf den langen Fortbestand „physischer Tonträger“, sprich auch CD. In diesem Jahr sollen eine Reihe neuer Alben namhafter Künstler erscheinen. Was bedeutet das für Cinram Alsdorf?

Lubberich: Nach einigen Jahren des konstanten Rückgangs, hat sich unser Markt in Deutschland etwas beruhigt und sogar in einigen Segmenten ein Wachstum verzeichnet. Das bedeutet mit Sicherheit nicht, dass es im Bereich physischer Träger mittelfristig wieder bergauf geht. Allerdings sind die Prognosen für uns derzeit deutlich optimistischer als noch in der Vergangenheit. Wir in Alsdorf profitieren mehrfach vom Durchstarten der Branche, da wir durch die Akquisition der Parlophone Label Group durch Warner Musik mit einem spürbaren Zuwachs für die kommenden Jahre rechnen dürfen. Umso wichtiger war es für uns, die langjährige und sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit Warner Music nunmehr auch für die kommenden Jahre festzuschreiben.

Herr Lubberich, wagen Sie einen Ausblick! Wie wird es Ende 2014 um Cinram stehen?

Lubberich: Ich habe die Belegschaft in der letzten Woche darüber informiert, wie wir das Jahr 2013 abgeschlossen haben. Die im letzten Jahr mit Betriebsrat und Gewerkschaft vereinbarten Maßnahmen über Restrukturierungen und Sanierungstarifvertrag haben gegriffen und wir können für das Jahr 2013 ein positives operatives Ergebnis ausweisen. Damit haben wir nicht nur das Jahr 1 unseres Fünfjahresplans erfolgreich umgesetzt, sondern auch die Basis für die Zukunft geschaffen. Wenn wir an diesem Plan festhalten und unseren Weg auch weiterhin konsequent verfolgen, schaffen wir uns aus eigener Kraft die Basis für viele weitere Jahre. Auch wenn der Markt in unserem Kerngeschäft immer weiter zurückgehen wird, so haben wir doch mit dem Potenzial unserer Kunden und letztlich auch mit dem Marktanteil, den wir über unsere Kunden abdecken, „ein echtes Pfund“ in der Hand, das in der Branche einzigartig ist. Zum anderen tragen unsere Bemühungen zum Aufbau weiterer Standbeine außerhalb der Home Entertainment Industrie erste Früchte. Ich bin zuversichtlich, dass wir den Standort Alsdorf noch für viele Jahre sichern können. Die Tatsache, dass wir in Alsdorf über viele Jahre hinweg unsere Kunden an uns binden konnten, beweist die Qualität unserer Dienstleistungen in einem immer härter umkämpften Markt. Dies ist letztendlich dem Einsatz und der Leistung eines jeden einzelnen Mitarbeiters gedankt, die sich nicht nur mit unserem Unternehmen, sondern auch mit unseren Kunden identifizieren.

Wie viele Mitarbeiter werden Ende dieses Jahres noch gezählt?

Lubberich: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich zu diesem Zeitpunkt keine Zahl bezüglich der Mitarbeiter in zwölf Monaten nennen kann. Damit würde ich sowohl den wirtschaftlichen Entwicklungen als auch den internen Prozessen vorgreifen.

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