Cinram in Alsdorf steht am Scheideweg

Von: Karl Stüber
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Ein Unternehmen auf der Kippe:
Ein Unternehmen auf der Kippe: Am 29. Mai entscheiden die organsierten Kollegen, ob sich die IGBCE auf Tarifverhandlungen einlassen soll. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. „Wir stehen mit Cinram in der Tat am Scheideweg. Entweder nehmen wir als Gewerkschaft Verhandlungen mit der Geschäftsführung über den Fortbestand des Unternehmens auf oder bei Cinram Alsdorf gehen im nächsten Jahr die Lichter aus”, bringt Manfred Maresch, Bezirksleiter der IG BCE Bezirk Alsdorf, den Stand der Dinge auf den Punkt.

Geschäftsführer Klaus Schramm fordert angesichts der Suche des kanadischen Konzerns mit Zentrale in Toronto nach frischem Geld und einem neuen Investor weitere Zugeständnisse der Mitarbeiterschaft.

Nachdem am Montag durch den Geschäftsführer Schramm die Belegschaft über die schwierige Situation bei Cinram informiert worden war, wurden am Dienstag die Gespräche mit der IG BCE aufgenommen, um über die beabsichtigten Einsparungen in Höhe von 7,5 Millionen Euro pro Jahr zu verhandeln.

Löhne fünf Jahre einfrieren?

Daneben will Cinram fünf Jahre lang die Löhne einfrieren und weitere Mitarbeiter entlassen. „Da reden wir über einen Kaufkraftverlust von rund zehn Prozent”, rechnet Maresch vor. Cinram hat mit der IG BCE einen Haustarifvertrag, so dass Einschnitte bei den Personalkosten nur mit der IG BCE, nicht mit dem Betriebsrat, verhandelt werden können. Die IG BCE hat nach dem Auftakt der Verhandlungen im Kreis der gewerkschaftlichen Vertrauensleute entschieden, dass die weiteren Verhandlungen davon abhängig sind, ob die Mitglieder der IG BCE diesen zustimmen, wie Maresch, der Verhandlungsführer der Gewerkschaftsseite, dazu sagt: „Die Entscheidungen über den Fortbestand des Unternehmens bedürfen der engen Einbeziehung der Mitglieder der IG BCE. Es geht um ihren Arbeitsplatz. Deshalb laden wir alle Mitglieder ein, sich an der Entscheidungsfindung zu beteiligen.”

Wichtiger Aspekt ist, dass die Belegschaft bei Cinram in den letzten Jahren zwar auch gute Zeiten erlebt hat, aber immer wieder schmerzliche Einschnitte hingenommen werden mussten. Wesentlichen Einfluss auf die Entscheidungen wird sicherlich haben, ob das Unternehmen überhaupt in der Lage ist, der IG BCE und ihren Mitgliedern Sicherheiten zu geben, für einen Fortbestand des Unternehmens und der Arbeitsplätze. „Wir können keinen ungedeckten Scheck ausstellen”, will der Gewerkschafter vom Unternehmen wissen, zu welchen Bedingungen und Gegenleistungen sich die Beschäftigten auf das Vorhaben der Geschäftsführung einlassen sollten.

Hierzu will die IG BCE mit Ihren Mitgliedern entscheiden, ob überhaupt diesbezügliche Verhandlungen aufgenommen werden, beziehungsweise unter welchen Vorbedingungen sie aufgenommen werden. Die entscheidende Mitgliederversammlung findet am 29. Mai in Alsdorf statt. Sollten sich die organisierten Beschäftigten für Verhandlungen aussprechen, werden diese am 1. Juni anlaufen.

In einer Flugblattaktion hat die IG BCE am Mittwoch die Kollegen in Stichworten informiert, wie die Geschäftsleitung auf Einsparungen in Höhe von 7,5 Millionen Euro kommen will. Zum einen geht es um die 40-Stunden-Woche, zum anderen um die Jahressonderzahlung. Fünf Urlaubstage sollen gestrichen werden, entsprechend würde das Urlaubsgeld reduziert. Ganz dicker Brocken für Maresch ist die angestrebte Streichung der gesamten Ausgleichszulage. Das würde die unteren Lohngruppen hart treffen. Hintergrund ist laut Maresch, dass bereits im Jahre 2006 in diesem Bereich tarifliche Einschränkungen vereinbart worden waren - allerdings nur bei Neueinstellungen.

Ausgleichszahlung

Die damals bereits Beschäftigten wurden davon ausgenommen. Sie erhalten seitdem besagte Ausgleichszahlung, die jetzt zur Disposition steht. „Das macht bei vielen etwa 500 Euro aus! Das würde die unteren Lohngruppen bei Cinram ganz schlecht stellen.” Zudem will die Geschäftsführung auch bei den außertariflich bezahlten Angestellten die Bezahlung beschneiden - um rund 20 Prozent. „Die Reaktionen bei der Flugblattaktion auf diese Pläne waren eher negativ”, berichtet der Gewerkschaftsfunktionär.

Maresch weiß natürlich, dass in der nun terminierten Mitgliederversammlung der Gewerkschaftsmitglieder auch über das weitere Schicksal der nicht-organisierten Cinram-Beschäftigten entschieden wird. Aber da es nun einmal um den von der IG BCE ausgehandelten Haustarifvertrag geht, sei dies Sache der Organisierten. Anders ausgedrückt: Die Gewerkschaftsmitglieder hatten ja bislang immer auch für die anderen Beschäftigten die Kohlen aus dem Feuer geholt. Konsequenterweise hat die IG BCE die aktuelle Flugblattaktion dazu genutzt, nochmals auf die Möglichkeit des Eintritts in diese Arbeitnehmerorganisation hinzuweisen. Der Slogan lautet dabei: „Hier kannst du mitentscheiden! Einfach ausfüllen!” Gemeint ist das Ausfüllen der Beitrittserklärung zur Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie. Maresch: „Wer mitbestimmen will, muss Mitglied werden.”
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