Cinram hat einen neuen Besitzer

Von: Karl Stüber
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Cinram beschäftigt mehr als 900 Mitarbeiter. Nun wurde das Alsdorfer Unternehmen verkauft und die Geschäftsführung verändert. Foto: Karl Stüber
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Einer von der neuen Doppelspitze am Cinram-Standort in Alsdorf: „Eigengewächs“ Martin Kämper ist seit 1. Februar Technischer Geschäftsführer. In naher Zukunft soll sich noch ein Kaufmännischer Direktor hinzugesellen, der von der Zentrale in England ausgewählt wird. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Gleich zwei Nachrichten, die die rund 900 fest angestellten Mitarbeiter von Cinram in Alsdorf und etliche „Langzeitbefristete“ erst einmal verdauen müssen. Nach einer Belegschaftsversammlung, in der es um einen Wechsel in der Geschäftsführung ging, folgte eine Betriebsversammlung zum Thema Verkauf.

Cinram Europa hat einen neuen Besitzer. 1847 Partners LLC., kurz „1847“, und die GEM-Gruppe haben gemeinsam die drei Standorte in Alsdorf, England und Frankreich von Najafi Companies übernommen, der Cinram seit 2013 gehörte. Und Geschäftsführer Dieter Lubberich, der seit Jahreswechsel 2013/14 die Geschicke der Firma in Alsdorf leitete, hatte am 31. Januar seinen letzten Arbeitstag.

Vertriebschef Cappi Frenger, der seit über 30 Jahren am Standort tätig ist und wie kaum ein anderer weiß, wie „der Laden und die Branche ticken“, sagt, dass dies sowohl Cinram als auch die Beschäftigten bedauern würden. Das Unternehmen, das CD, DVD sowie Blu-ray-Scheiben (BD) produziert und sein Standbein Distribution gerade für Dritte, also branchenfremde Kunden ständig ausbaut, hätte gerne weiter auf Lubberich gesetzt. Aber da seien persönliche Gründe entscheidend gewesen.

Der Nachfolger schaut zum Gespräch mit unserer Zeitung zwischen zwei Terminen kurz vorbei. Er ist den Alsdorfer Mitarbeitern bestens bekannt: Martin Kämper. Der Mann arbeitet im 30. Jahr am Standort. Der 60-Jährige stammt aus Lippstadt, studierte an der RWTH Aachen und blieb dann, wie viele andere Studenten vor und nach ihm, in der Region „hängen“, was er nicht bedauert (hat).

Kämper wohnt in Aachen. Der Ingenieur für Elektrotechnik arbeitete 15 Jahre im technischen Bereich, bevor er in die Produktion der „Silberlinge“ wechselte und in den letzten Jahren für den kompletten Bereich zuständig war. Sein Vorgänger Lubberich, ebenfalls ein Eigengewächs, war seit 1991 bei Cinram und leitete vor Übernahme der Geschäftsführung den Bereich Logistik, den er in den letzten Jahren konsequent ausbaute und viele externe Auftraggeber für Cinram gewinnen konnte.

„Mit dem Besitzerwechsel ist die Rückkehr zur Doppelspitze in der Geschäftsführung verbunden“, sagt Kämper, der für den technischen Bereich verantwortlich zeichnet. Gesucht wird ein von außen kommender kaufmännischer Geschäftsführer für Cinram Alsdorf. Das ist aber nicht Sache der Alsdorfer, sondern wird von Jim Brooks geregelt. Der ist Managing Director of Cinram Europe in England. „Das wird aber nicht in zwei bis drei Wochen zu erwarten sein“, sagt Frenger.

Kämper und Frenger sind froh, nicht von einem Mitbewerber, also einem anderen Produzenten von Ton- und Bildträgern, übernommen worden zu sein. „Das hätte im Rahmen von Synergieeffekten wohl zum Ende der Produktion führen können“, sagt Frenger. Der neue Besitzer „1847“ hat anders entschieden. In der Übersetzung für die Mitarbeiter ist zu lesen: „Das Geschäft wird ohne Unterbrechung unter dem Namen Cinram fortgeführt.“ Der Käufer ist eine „private equity company“, eine Gesellschaft die mit außerbörslichem Eigenkapital „arbeitet“. Also mit Beteiligungskapital, bei der die vom Kapitalgeber eingegangene Beteiligung nicht an geregelten Märkten wie Börsen gehandelt werden kann. Geldgeber können private oder institutionelle Anleger sein.

Kämper und Frenger berichten, dass der Chef von „1847“ vor ein paar Tagen bereits in Alsdorf vorbeigeschaut hat. Sie haben beide einen guten Eindruck gewonnen. Edward Tobin, Managing Direktor von „1847“, ließ die Belegschaft wissen: „Wir sind glücklich über diese Übernahme, die uns näher an die Medienbranche führt. Cinram verfügt über eine ausgezeichnete Reputation. Wir sind überzeugt, einen entscheidenden Beitrag zu Cinrams weiterer Entwickung leisten zu können.“

Und welche Gegenleistung wird von der Belegschaft erwartet, um die Arbeitsplätze zu erhalten und wettbewerbsfähig zu bleiben? Denn wer Geld in eine Firma investiert, will ja in der Regel daran verdienen?

Der neue Geschäftsführer Kämper muss zurück in die nächste Verhandlungsrunde mit dem Betriebsrat. Der noch aus Najafi-Zeiten stammende Sanierungstarifvertrag ist Ende 2016 ausgelaufen. Da waren Betriebsrat und Belegschaft dem Unternehmen entgegengekommen – finanziell und was die Arbeitszeiten angeht. Nun will der Betriebsrat gerne wieder bessere Konditionen aushandeln.

Da werden die Arbeitnehmervertreter gerne hören, dass 2016 wirtschaftlich das beste Jahr seit vier oder fünf Jahren am Standort Alsdorf war, wie Kämper und Frenger übereinstimmend sagen. Auch wenn der Markt für CD, DVD und Blu-ray weiter schrumpft.

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