Alsdorf - Cinram gewährt Zeitungslesern Einblicke in Produktion und Logistik

Cinram gewährt Zeitungslesern Einblicke in Produktion und Logistik

Von: Johannes Schaffeldt
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Produktionsleiter Martin Kämper (2.v.r.) erläutert die maschinelle Verpackung von DVDs. Foto: Johannes Schaffeldt
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„Schöne neue Lagerwelt“: Besucher Leopold Dienstknecht versucht sich als Lagermitarbeiter mit „smarter“ Brille. Foto: Johannes Schaffeldt
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Vom Granulat aus Polycarbonat bis zum fertigen Speichermedium: Cappi Frenger (rechts) zeigt seinen Besuchern den kompletten Fertigungsprozess von CD, DVD und Blu-Ray-Disc. Foto: Johannes Schaffeldt

Alsdorf. Cinram in Alsdorf – zurecht denken die meisten Menschen in der Region da zunächst an die Produktion von CDs. Dass es da aber noch weit mehr gibt, dessen konnte sich eine bunt gemischte Gruppe aus Lesern dieser Zeitung sowie ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern nebst Anhang im Rahmen unserer „7 x Sommer“-Tour überzeugen.

Über vier Stunden haben die beiden Vertriebschefs Cappi Frenger und Michael Schweinsberg sowie ihre Mitarbeiter über Produktion, Lagerung, Vertrieb von Speichermedien und den wachsenden Bereich der Lagerung und Logistik im Auftrag von Onlinehändlern ausgiebig informiert.

Vor genau einem Jahr erst hat der Standort sein 40-jähriges Bestehen in Alsdorf gefeiert. Angefangen hatte damals alles mit der Produktion von Schallplatten auf Vinyl. Diese Ära ging mit dem Tief an Plattenverkäufen 1998 zu Ende, und Cinram musste die Produktion einstellen.

Mit einem „tränenden Auge“ erinnern sich langjährige Firmenangehörige wie Cappi Frenger oder auch der Leiter der Kundenbetreuung, José Peters, an diese Zeit zurück. Geahnt hatte die Rückkehr der schwarzen Scheibe damals niemand, und ein Wiedereinstieg ins Geschäft wurde zwar geprüft, aber konnte nicht mehr weiter verfolgt werden. Cinram hatte sich mit Aufkommen der CD auf diese und ähnliche Speichermedien konzentriert und verfolgt das Geschäft als eines der ganz großen Unternehmen in Europa konsequent weiter.

Im Herzen von Europa

Die Zukunft physischer Speichermedien im Unterhaltungsbereich allerdings sieht sicher nicht rosig aus, wie Frenger offen zugibt. Inhalte für Speichermedien wie CD, DVD oder Blu-Ray-Disc indes produziert Cinram selbst nicht. Vorstellen müsse man sich die Arbeit von Cinram wie die eines großen Kopierladens als Produktionsdienstleister für die großen Filmstudios und Musiklabels.

Der Einzelhandel bestellt dann bei einem Musiklabel ein bestimmtes Album oder bei einer Filmproduktionsgesellschaft einen bestimmten Film, und Cinram distribuiert als zweites Standbein der Dienstleistung die bestellten Produkte an die Händler in Europa. Aber – das gehört ebenfalls zum Geschäftsmodell – auch die Retouren aus dem Handel werden bearbeitet. Dies kann unterschiedlich aussehen: Von der Neuverpackung für andere Kunden bis hin zum Schreddern, je nach Wunsch des Auftraggebers.

Cappi Frenger stellt die Frage in den Raum, warum das alles in Europa stattfinde, wo doch so vieles verlagert werde. Die Mutmaßungen der Besucher gehen in verschiedenste Richtungen, wie etwa technisches Know-how oder klimatische Bedingungen. Das sei alles nicht so relevant, klärt Frenger auf. Es handelt sich bei den hier hergestellten Produkten um extrem schnelllebige Konsumgüter, die möglichst zügig im Handel sein müssten; das schaffe kein Anbieter vom anderen Ende der Welt.

Sobald ein Auftrag komme, könnte Cinram aufgrund seiner Lage „mitten im Herzen von Europa“ innerhalb kürzester Zeit große Stückzahlen an Datenträgern produzieren und in fast jede Ecke des Kontinents verschicken. Da das komplette Service-Portfolio aus einer Hand kommt, kann das fertige Produkt innerhalb von wenigen Tagen produziert werden.

Handelsaufträge werden am gleichen Tag aufbereitet und sind am nächsten Morgen in den Regalen für die Konsumenten verfügbar. Die Besucher staunen nicht schlecht. Bei der Führung durch die Werkshallen aber sehen sie, wie stark automatisiert und schnell alles vom Presswerk bis zur Verpackung und zum Versand läuft und bekommen eine ungefähre Vorstellung vom Tageswerk. Jeden Arbeitsschritt bekommt die Gruppe zu sehen und erklärt.

Neben dem Geschäft mit Speichermedien setzt Cinram verstärkt auch auf andere Bereiche, um zukunftssicher zu bleiben. Lange schon hat die Firma durch ihr Kerngeschäft Kompetenzen in der Lagerhaltung und Distribution. Abgekoppelt vom Mediengeschäft werden diese Bereiche zunehmend verbreitert und ausgebaut. Auf rund 100.000 Quadratmetern Lagerfläche hält Cinram etwa 450.000 unterschiedliche Artikel vor. Seit diesem Jahr hat das Unternehmen Lagerung und Versand für Onlineshops der Tengelmann-Gruppe übernommen. Am Standort in Hoengen stehen für beide Logistikbereiche riesige Lagerhallen, in denen modernste IT-Systeme zum Einsatz kommen.

„Intelligente Brille“

Nicht ohne Stolz berichtet Michael Schweinsberg, Vertriebschef des Logistikbereiches, von dem Innovationspreis, den die Methode, nach der Kundenaufträge im Lager bearbeitet werden, gewonnen hat. Sehr verkürzt lässt sie sich so darstellen: Im Hintergrund arbeitet eine intelligente Software, die den Kundenauftrag verarbeitet und an einzelne Mitarbeiter verteilt. Die für den Mitarbeiter relevanten Informationen werden an seine „intelligente Brille“ (Google Glass) gesandt, die sie ihm direkt rechts oben im Sichtfeld anzeigt. Der Wagen, auf dem die Aufträge zusammengestellt werden, ist ebenfalls vernetzt und zeigt an, in welchen Karton das aktuell aus dem Regal genommene Produkt zu legen ist und in welcher Menge.

Dadurch kann eine ganze Menge Zeit eingespart werden. Im Logistikbereich reines Geld. Durch den Erfolg wurden andere Unternehmen auf diese „pick-by-vision“ und „put-to-light“ genannte Lösung aufmerksam, denen Cinram als Partnervertrieb von Google die Methode als Gesamtpaket vermarkten kann. Den Blick durch die Brille wagten auch einige Besucher, denen Schweinsberg prompt einen Job im Lager angeboten hat.

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