Chronik zur Grube Anna II hält kondensiertes „Erfahrungswissen“ fest

Von: Verena Müller
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Die verbliebenen zwei der vier Macher der Chronik „Anna II“: Dieter Macko (l.) und Fritz Ebbert auf dem Energeticon-Gelände. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Auf die Frage der Energeticon-Besucher, die wissen wollen, wie es auf dem Gelände von Anna II früher ausgesehen hat, hat das Energeticon jetzt für 3,50 Euro eine passende Antwort: ein handliches Heft mit dem Titel „Chronik der Grube Anna II“, bei dem es sich um einen kondensierten historischen Abriss mit Bebilderung handelt.

Von der Konzession im Jahr 1848 über den Eduardschacht vor 1930, das Verwaltungsgebäude an der Herzogenrather Straße bis hin zur letzten Seilfahrt im Jahr 1994.

Aus Sicht des Energeticon-Geschäftsführers, Harald Richter, haben die Arbeiten an der Chronik vor rund anderthalb Jahren begonnen, als nämlich der Arbeitskreis Bergbau begann, sich in der Geschäftsstelle des Museums als Redaktion zu treffen.

Aus Sicht der Redaktion allerdings – so wurde es bei der Vorstellung des Booklets deutlich – könnte man die Entstehungsgeschichte im Grunde bei der Geburt der Autoren ansetzen, ach was: bei deren Großeltern, über die jeweiligen beruflichen Laufbahnen beim Eschweiler Bergwerks-Verein fortführen und über die Zechenschließung zur ersten Idee eines Bergwerksmuseums bis hin zum Druck der Chronik zum Abschluss bringen.

Jedenfalls fällt es Dieter Macko und Fritz Ebbert schwer, dort einen Schnitt zu setzen, schließlich sind sie nach wie vor lebende Vertreter der Bergbautradition in Alsdorf. Ursprünglich gehörten auch Heinz Knisch und Werner Sprenker zum Team, beide sind aber in der Entstehungszeit des Bandes gestorben. „Ich war lange das Nesthäkchen in der Runde“, erzählt Dieter Macko, der inzwischen auch 75 Jahre alt ist. „Man sieht daran: Na, wir sterben so langsam aus.“ Er lacht. Aber man merkt, dass er in dem Moment nur über die eigene Vergänglichkeit scherzt, was über den herben Verlust der Weggefährten nicht wegtäuschen kann.

In Worten der Anerkennung hatten Ebbert und Macko nämlich noch wenige Minuten zuvor den Werdegang, die Verdienste und die menschlichen Seiten der beiden ehemaligen Arbeitskreismitglieder gewürdigt. Über sich selbst, ihre eigene Laufbahn beim EBV, sprechen sie erst zum Schluss.

Bergbau-Akademie

So war Ebbert die ersten Lebensjahre in der Ukraine aufgewachsen, bevor er mit seiner Familie nach Deutschland zurückkehrte. In Alsdorf wurde er erst mit acht eingeschult, holte aber auf, machte Abitur und wollte ursprünglich Lehrer werden. Die Wartezeit auf einen Studienplatz verkürzte er mit Arbeit unter Tage, wo er letztlich auch blieb.

Er besuchte die Bergbau-Akademie, wurde Nachtschicht-Steiger („Räuber“, wie er sagt), Assessor des Bergbaus und hatte später die bergmännische Planung unter sich. Die letzten zehn Dienstjahre war er in Kohlscheid in der Verwaltung eingesetzt.

Macko wurde 1950 mit 13 Jahren Lehrling, das Abitur war den älteren Brüdern vorbehalten. Er wurde Reviersteiger und ärgerte sich über zunächst fehlende Aufstiegschancen: Viele Planstellen waren aufgrund der Schließung anderer Zechen doppelt und dreifach besetzt. Nach der Androhung zu kündigen wurde er doch noch befördert. Zuletzt war er für die Gesamthydraulik zuständig. 1992 ging er mit 51 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand.

Der Kontakt unter den Kumpeln war blieb, so sahen sich Macko und Sprenker beispielsweise beim Kegeln. Wenige Jahre später organisierte Macko mit dem Arbeitskreis die ersten Führungen auf dem alten Zechengelände. „Wir stellten einen kleine Fernseher auf, und ich hab die Gartenmöbel mitgebracht“, erzählt Macko.

Mit Anekdoten wie diesen könnte man vermutlich keine Booklets, sondern dicke Bände füllen. Das, was Sprenker, Knisch, Ebbert und Macko in der Chronik festhalten, nennt Richter jedenfalls „Erfahrungswissen der Nachkriegszeit, das nirgends geschrieben steht“. Das gelte es zu dokumentieren, weshalb er auch darum bemüht ist, die Zeitzeugen in andere Projekte einzubinden. Solange es noch geht.

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