Würselen - Charmant, wissend, gut: Anne Gesthuysen liest aus ihrem Buch

Charmant, wissend, gut: Anne Gesthuysen liest aus ihrem Buch

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Auf das Leben ihrer Tanten geschaut: Herausgekommen ist dabei das Buch „Wir sind doch Schwestern“, aus dem die Autorin Anne Gesthuysen im Alten Rathaus in Würselen las. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. Sie schreibt so, wie sie redet. Abwechslungsreich, mit viel Geist, denn sie schreibt nicht nur über ihre Familie, sondern auch über das letzte Jahrhundert. Das heißt, sie schreibt von Kriegen, von Politik, von der Gesellschaft, aber auch von Liebe. Anne Gesthuysen, WDR-Journalistin und Gesicht des ARD-Morgenmagazins, ist ein Roman gelungen.

„Wir sind doch Schwestern“ handelt auf 416 Seiten von ihren Großtanten. Den Roman und damit diese drei Frauen stellte sie im Alten Rathaus am Welttag der Frauen vor. Sie sprach über Gertrud, die 104 Jahre geworden ist, über Paula, ebenfalls 104 Jahre, und über die kleine Schwester der beiden, Katty, die mit 90 Jahren gestorben ist.

Katty, Paula und Gertrud treffen sich zu Gertruds 100. Geburtstag. Sie wollen ihre Zukunft planen, doch vorher müssen sie ihre Vergangenheit klären. Gertrud hat noch gute Augen, aber hören kann und will sie nicht. „Sie hatte schon mal eine Herdplatte angelassen, und schlecht kam sie nur doch die Treppenstufen zu ihrer Single-Wohnung in der zweiten Etage hoch“, erzählte die Autorin, weshalb Gertrud zu ihrer Schwester Katty ziehen sollte.

Paula kann kaum noch sehen, hat aber immer ein offenes Ohr für ihre Schwestern. Katty, das Nesthäkchen, will auch mit 84 Jahren – sie selbst tippt sich in diesem Alter auf 60 Jahre – Feste feiern, wie sie fallen, so wie damals, als sie schon meisterhaft beherrschte, was man viel später erst PR nannte. Allen gemeinsam sind Eigensinn, Humor und eine Kreislaufschwäche, die mit exorbitant starkem Kaffee und gutem Schnaps bekämpft wird – so auch in diesen Tagen auf dem Tellemannshof, wo in jedem Winkel die Erinnerung lauert. Der Tellemannshof, der liegt am linken Niederrhein, in dem Dorf Veen.

Anne Gesthuysen verwebt Gegenwart und Vergangenheit und entfacht ein Feuerwerk von Geschichten, die sich quer durch das 20. Jahrhundert ziehen. Sie erzählt von Katty, der charmanten Strippenzieherin mit ihrer Verehrung für Adenauer und ihrer Liebe zu einem Großbauern, von Gertruds schicksalhafter Verlobung und dem Spion, den sie versteckte. Von Paula, die ihren Mann an Männer verlor und stets die Lebenslust bewahrte. Sie erzählt von einem Leumundsprozess, der den ganzen Niederrhein in Atem hielt, und von drei starken Frauen mit dem Mut zur Eigenständigkeit. Große Lebensgeschichten mischen sich mit wunderbaren Anekdoten, das Weltgeschehen mit dem Leben am Niederrhein. Ein Buch, so komisch wie berührend, so liebevoll wie wahrhaftig. Anne Gesthuysen las aus dem Roman und immer wieder aus einer Akte, die schon vor 60 Jahren hätte verbrannt werden sollen. Immer wieder schafften es die Papiere zu überdauern, bis sie bei der Journalistin landeten, die eine Scheidungsstory von 1948 zum Anlass nahm, genauer auf das Leben ihrer Tanten zu schauen.

Vieles stimmt im Roman, einiges stimmt auch, aber ist einem anderen Leben entliehen. Wie der versteckte Spion, den gar nicht die drei Großtanten versteckt haben. Jede Geschichte hat die Journalistin recherchiert – feinfühlig. Sie hat historische Fakten eingebaut und mit Hilfe ihrer Lektorin Beschreibungen gekürzt. Herausgekommen ist ein Roman, der auf der Spielgel-Bestsellerliste oben steht. Jede Woche von neuem. Vielleicht, weil sie geschrieben hat, wie sie redet: Ohne Pausen, dicht, charmant, wissend, gut.

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