Chance für ein schnelles Netz in Baesweiler

Von: Stefan Schaum
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Die Datenströme wachsen: Neue Verbindungen könnten in Baesweilers Dörfern das Internettempo erhöhen Foto: Stock/Leber

Baesweiler. Schon seit langem sucht die Stadt Baesweiler nach einer Möglichkeit, mehr Tempo in die Internetanbindung der abgelegeneren Ortsteile zu bringen. In Loverich, Floverich, Puffendorf und Beggendorf sind die Leitungen eher lahm – das hatte jüngst auch eine Bürgerumfrage gezeigt, die das Internationale Technologie- und Service-Center (ITS) gestartet hatte.

Dass die „Deutsche Glasfaser“ GmbH ein neues Netz im gesamten Kreis Heinsberg verlegt – und in Immendorf derzeit quasi vor der Haustür steht – könnte die Chance für einen unerwartet raschen Ausbau in Baesweiler sein. Aber nur dann, wenn die Bürger dabei mitspielen.

Das Wort „Spielregeln“ fiel passenderweise recht häufig beim ersten von drei Infoabenden, zu denen die Stadt und das Unternehmen in das Puffendorfer Vereinsheim eingeladen hatten. Die Resonanz war beachtlich: Gut 100 Zuhörer nutzten die Gelegenheit. „Heute geht es auch um Ihre Daseinsvorsorge“, unterstrich ITS-Geschäftsführer Dirk Pfeifferling eingangs. „Das Internet gewinnt mehr und mehr an Bedeutung bei der Wohnqualität und auch bei dem Wert einer Immobilie.“

Um die reine Information sollte es zunächst einmal gehen, das hob Bürgermeister Dr. Willi Linkens in seiner Begrüßung hervor: „Betrachten Sie sich hier bitte nicht wie auf einer Butterfahrt und denken, dass sie gleich etwas unterschreiben müssen.“ Nicht gleich – aber möglichst bald.

Das ist eine – und wohl die wichtigste – „Spielregel“. „In acht Wochen müssen wir wissen, ob Sie den Ausbau wollen“, sagte Marco Westenberg, Regionalmanager Deutsche Glasfaser. Und nicht nur ein paar müssen ihn wollen, sondern mindestens 40 Prozent der Haushalte. Nach Möglichkeit in allen vier betroffenen Orten. „Ob wir auch dann ausbauen, wenn wir diese Zahl nur in drei Orten erreichen, müssen wir schauen“, sagte Westenberg. Denn die Investition müsse sich schließlich rechnen. „Es geht hier ums Geld, das ist nun mal die Realität.“

Etwa drei Millionen Euro muss das Unternehmen investieren, um Glasfaser in die Haushalte zu bringen. Technisch sei das kein großer Akt, sagte Westenberg, der auf Erfahrungen des aus einer niederländischen Firma hervorgegangenen Unternehmens verwies. „In Holland haben wir zwei Millionen Anschlüsse gemacht.“

Nur ein schmaler Streifen müsse im Bürgersteig geöffnet werden, um die dünnen Glasfaserkabel von dort unterirdisch bis zum Haus „zu schießen“. Ein eigenes Kabel pro Haus oder Wohnung sei – neben dem praktisch kaum begrenzten Tempo bei der Datenübertragung – der Vorteil der Glasfasertechnik. Zahlen müsse für den Ausbau niemand. Gleichwohl gilt auch hier eine Spielregel: Ein Vertrag mit mindestens 24-monatiger Laufzeit über Internet-, Telefon- oder Fernsehzugang muss mit dem Kooperationspartner, der Firma „Flink“ unterschrieben werden.

Die agiert derzeit vornehmlich im Raum Heinsberg. Womöglich ein zu kleiner Partner, um langfristig sicheren Zugang zu haben? Und was passiert im Schadensfall? Diese Fragen wurden am Abend gestellt. Daran sei gedacht, Service stehe bereit. Und in einem einmal eingerichteten Netz könnten später auch andere Internetanbieter agieren, sagte Westenberg.

Am Donnerstagabend wurden die Spielregeln auch in Loverich aufgestellt, in der kommenden Woche, am Dienstag, 8. April, 19 Uhr, geschieht es in der Beggendorfer Bürgerhalle. Dann tickt die Uhr. Finden sich genug Interessenten, könne bereits in zwei, drei Monaten der Ausbau beginnen. Und finden sie sich nicht? Dann könnte eine lange Zeit des Wartens beginnen, sagte Dirk Pfeifferling. Denn die Stadt hatte bereits einen Netzausbau öffentlich ausgeschrieben und interessierte Firmen gesucht – doch hatte sich keine gemeldet.

Eine Alternative gibt es noch, denn es besteht die Möglichkeit, Fördergelder des Landes zu beantragen und dadurch leichter Investoren zu gewinnen. „Doch das ist ein Prozess, der leicht drei, vier Jahre dauern kann“, sagt Pfeifferling.

Dass die Leitungen derzeit zwar vergleichsweise langsam sind – aber mit bis zu 6 Mbit/s dennoch über Schneckentempo hinausgehen – könnte die angestrebten 40 Prozent schwerer erreichbar machen. Den Ausbau eher als langfristige Perspektive zu begreifen, wurde deshalb mehrfach am Abend betont.

Eine Geschwindigkeit, die jetzt noch ganz ok sein mag, ist es womöglich in fünf Jahren angesichts wachsender Datenströme vermutlich nicht mehr. „Die dritte Alternative wäre, einfach abzuwarten“, sagte Pfeifferling. „Aber es ist vermutlich nicht die Beste.“

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