Baesweiler - CDU-Vorsitzende mit 25: „Will noch viele junge Leute anstecken“

CDU-Vorsitzende mit 25: „Will noch viele junge Leute anstecken“

Von: Stefan Schaum
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Knuddeln mit Kater „Oskar“: Dafür nimmt sich Elena Kummer trotz viel politischen Engagement noch gerne Zeit. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Wie viele Stunden pro Woche sie politisch unterwegs ist? Elena Kummer hat es nicht nachgerechnet. Vielleicht, weil sie es gar nicht so genau wissen will. Dass sie viel zu tun hat, ist ihr auch so klar. Gerade mal 25 ist sie – und frisch gewählte Chefin des Baesweiler CDU-Ortsverbandes. Eine große Aufgabe. Neben ihrem Job als Clinical-Study-Assistant bei der Firma Grünenthal, neben der Landwirtschaft, die sie durch ihre Eltern und den Opa, Alt-Bürgermeister Hans Plum, von klein auf kennt und liebt. All das will sie „definitiv wuppen“, wie sie im Interview erzählt.

Sie sind seit September verheiratet. Auf der Homepage der CDU steht aber noch ihr Mädchenname: Elena Plum.

Kummer: Nee, das ist gerade geändert worden. Nach meiner Wahl habe ich gleich eine Mail geschrieben, damit das aktualisiert wird.

Und der Ortsverband – wollen Sie den auch aktualisieren?

Kummer: Warum? Der ist doch ganz gut so, wie er ist. Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen Parteifreunden und neuen Kräften.

Aber Sie stehen automatisch für einen Generationswechsel in der CDU. Sie sind die erste Vorsitzende in ihrem Ortsverband, auch in Oidtweiler ist mit Ina Heinrichs eine junge Frau an der Spitze. Wird der klassische Männerhaufen jetzt weiblicher?

Kummer: Na ja, es gibt schon ein paar Frauen bei uns. Aber über zusätzliche weibliche Unterstützung würde ich mich freuen. Dabei geht es mir aber nicht darum, irgendwelche Geschlechtsstatistiken aufzupolieren – mehr geht es mir darum, Menschen zu finden, die Spaß daran haben, bei uns mitzuarbeiten und Baesweiler gestalten möchten. Egal, ob männlich oder weiblich, jung oder alt. Es soll einfach Spaß machen, mitzuarbeiten.

Und Spaß macht es, weil...

Kummer: Weil man hier aktuell und vor der eigenen Haustür etwas beeinflussen und verändern kann. Ich finde das super spannend.

So denken sicher nicht alle in Ihrem Alter.

Kummer: Das stimmt wohl. Leider. Ich wünsche mir, dass ich noch viele junge Leute anstecken kann. Meine alten Freunde vom Baesweiler Gymnasium kennen mich ohnehin nicht anders. Die haben mir gesagt: „Du hattest schon immer ein Faible für die Politik. Cool, dass du das jetzt so richtig machst.“

Und die Älteren? Wie beurteilen die denn die neue Vorsitzende?

Kummer: Auch gut, ich kann nicht klagen. Das gilt nicht bloß für die Parteimitglieder. Ich mach‘ ja schon seit 2008 in der CDU mit und bin 2004 in die Junge Union eingetreten. Was den Wahlkampf und Kontakt mit Bürgern angeht, habe ich also schon einige Erfahrungen gesammelt. Ich bin ganz klassisch von Haustür zu Haustür gezogen. Ich wollte gezielt in die Ecken rein und auch Leute besuchen, die vielleicht nicht mehr so mobil sind. Wenn Senioren geöffnet haben und ich ihnen gesagt habe, dass ich für die CDU kandidiere, haben die sich eigentlich immer richtig gefreut. Weil sie gesehen haben, dass es weitergeht, dass die junge Generation anpackt und sich engagiert. Selbst wenn sie eine ganz andere politische Auffassung haben. Da gab es schon viele Komplimente.

Als Enkelin des Baesweiler Ehrenbürgers Hans Plum konnten Sie wahrscheinlich gar nicht anders, als in die Politik zu gehen.

Kummer: Also: gezwungen hat mich keiner (lacht). Aber stimmt schon, mein Opa ist ein großes Vorbild. Meine Eltern erzählen mir oft, wie ich ihm als Dreijährige die Unterschriftenmappen hinterher getragen oder mit seiner Sekretärin im Rathaus telefoniert habe. Er ist bis heute jemand, der immer für einen Rat gut ist – der mir aber nie seine Meinung aufdrängt. Das passt sehr gut zu mir. Ich bin überhaupt jemand, der offen für ganz neue Ideen ist, der aber auch den Rat von Erfahrenen annehmen möchte.

Andere politische Vorbilder?

Kummer: Nein, eigentlich nicht. Ich sag‘ einfach mal: Ich bin ich.

Haben Sie gleich Ja gesagt, als man gefragt hat, ob Sie sich den Vorsitz vorstellen können?

Kummer: Ganz sicher nicht. Ich hab‘ nicht sofort Hurra geschrien, sondern erst mal gründlich überlegen müssen. Ist schließlich eine große Verantwortung und auch viel Arbeit. Es gab einige Gespräche, bevor ich so weit war.

Was gab den Ausschlag?

Kummer: Meine Überzeugung. Wenn ich will, dass es politisch weitergeht, dann muss ich auch bereit sein, mit anzupacken. Ich denke, dass wir den Wechsel gut hinbekommen haben – denn es sollte ein harmonischer sein und einer, der eine Weiterentwicklung des Ortsverbandes und damit der CDU in Baesweiler ermöglicht. Ich werde jetzt ganz sicher nicht mit der Brechstange rangehen, um neue Ideen umzusetzen.

Wie läuft die Kooperation mit anderen Ortsverbänden?

Kummer: Sehr gut. Die Zeiten, als jeder Ortsverband nur für sich und seinen Bereich gedacht hat, sind schon lange vorbei. Das hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark gebessert. Die jüngere Generation trennt da gar nicht mehr. Ich selbst sehe Baesweiler auch immer als Ganzes.

Werden Sie als 25-Jährige energischer auftreten müssen, um sich Gehör zu verschaffen?

Kummer: Nein. Im Gegenteil. Bislang hatte ich immer das Gefühl, gehört zu werden. Auch, wenn es mal Klartext ist. Durchsetzen kann ich mich schon, denke ich. Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden, heute helfe ich bei meinem Mann gerne mit. Der hat einen großen Hof, viele Tiere. Das ist ein Haufen Arbeit. Wie man anpackt, weiß ich ganz gut, denke ich.

Ihre nächsten Ziele?

Kummer: Jetzt steht erst mal der Wahlkampf an. Wir wollen unseren Bürgermeister Dr. Willi Linkens kräftig unterstützen. Es wird vor allem wichtig sein, die Leute grundsätzlich zum Wählen zu bewegen. Wenn mancher denken sollte, dass die Wahl eh bereits gelaufen ist, ist das gefährlich. Es ist wichtig, dass die Wahlbeteiligung hoch ist.

Und wie steht es mit Ihnen: Könnte die erste Baesweiler CDU-Ortsverbandsvorsitzende auch mal die erste Bürgermeisterin werden?

Kummer: Oh je. So weit habe ich ja nicht mal ansatzweise gedacht. Das ist jetzt wirklich noch gar keine Frage.

Wie sieht es denn mit dem Zeitmanagement aus – können sie Beruf und Politik auch auf lange Sicht stemmen?

Kummer: Ja, ganz sicher. Das erfordert zwar viel Arbeit, aber es macht ja Spaß. Ich denke, dass wir auch in Zukunft Menschen in der Politik brauchen, die im Leben stehen und daraus berichten können. Und das möchte ich verkörpern Ich muss mich intensiv auf Ratssitzungen vorbereiten und alles gründlich lesen. Anderen, die seit Jahren dabei sind, fällt das sicher leichter. Die schauen da einmal kurz drüber und haben es dann gleich drin. Das wird bei mir noch was dauern. Aber ich bin ja auch noch jung.

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