„Castingshow vor Ort” ohne „fiese Sprüche”

Von: Stefan Schaum
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Auch einfaches Liedgut kann wirkungsvoll sein: Astrid Gottwald überzeugte auf der Bühne mit „Alle meine Entchen”. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Die glückliche Kleine reißt die Tür auf und wirft sich jubelnd in Mamas Arme. Nina Schramm steht noch ganz schön unter Strom. „Ich hab´s geschafft”, ruft sie. Die Zwölfjährige hat soeben ein dickes Lob für ihren Gesang bekommen und die begehrte Rolle obendrein.

Sie darf am 21. und 22. Juli auf der Bühne stehen, wenn in der Alsdorfer Stadthalle das Musical „Das Schwarze Gold des Berges” Premiere feiert. Und sie ist nicht die einzige, die in der Ofdener Realschule im Glücksrausch ist. Denn die Chancen, dort beim Casting zu punkten, standen ziemlich gut.

80 Kandidaten

Rund 80 Kandidaten waren in die engere Auswahl gekommen. Alle hatten sich schriftlich beworben und warten nun auf ihren großen Auftritt vor der Jury, die gut 60 Plätze für das Stück zu vergeben hat. Bei so vielen Rollen muss zwar nicht knallhart ausgesiebt werden. „Dennoch müssen wir hier und da auch mal eine unangenehme Entscheidung fällen”, sagt Beatrix Schongen. Die Alsdorfer Autorin hat die Märchenvorlage geschrieben, die nun als Musical- und Theaterprojekt im Förderverein K.I.N.D. richtig Gestalt annimmt.

Neben der Initiatorin entscheiden Choreograph Albert Poos, Vocal-Coach Hilde Schüller, Regieassistentin Anna Klose und der musikalische Leiter Rudolf Casper über Wohl und Weh der Kandidaten.

Keine schrägen Töne

Richtig schräge Töne muten die Bewerber ihnen allerdings nicht zu. Schongen: „Wir hatten bei den Kandidaten schon darauf geachtet, wer im Chor gesungen oder Tanzunterricht bekommen hat.” Und falls die Tonleiter doch mal gefährlich ins Wanken gerät, steuert Rudolf Casper am Klavier rasch ein paar Töne zur Orientierung der Kandidaten bei.

Nina Schramm aber rutscht ganz locker durch das Casting. Sie singt ein Lied namens „Teenage Rockstar”, das in der Jury zwar niemand kennt, das aber prompt gefällt. Dann tanzt sie noch ein wenig über die Bühne, und Choreograph Albert Poos hebt den Daumen: „Gut gemacht!”

Da fällt dem Mädchen aber ein Stein vom Herzen. „Ganz ehrlich: Ich hatte vorher richtig Angst.” Schließlich schaue sie sich gern die Casting-Shows im Fernsehen an und wisse daher, „dass es da auch mal richtig fiese Sprüche gibt”.

So etwas gibt es hier aber nicht. Dafür gibt es -Ê falls doch jemand im Casting scheitert - Roland Dammers. Der Sozialpädagoge gehört zum ehrenamtlichen Team, um bei Bedarf Kandidaten zu trösten und zu stärken. Die jüngsten sind ja erst acht Jahre alt, denen nimmt er in einem eigens eingerichteten Raum mit Spielecke die Angst vor dem Auftritt. „Ich mach hier ein wenig den Alleinunterhalter, dann gehen die Kinder ganz entspannt in den Juryraum.”

Dicke Terminmappe

Kommen sie erfolgreich wieder raus, gibt es eine dicke Mappe mit den nächsten Terminen. Denn es warten viele Proben. „Die Zeit nehme ich mir gerne”, sagt Astrid Gottwald. Zwar muss sich die Elftklässlerin schon bald auch auf ihr Abitur vorbereiten, „doch so ein Musical ist mal eine schöne Abwechslung zum Schulstress”, sagt sie. Sie hat übrigens besonders lässig vor der Jury agiert. Ihre Vorbereitung? Gleich Null!

So geht sie also rein, stellt sich vor und singt das hier: „Alle meine Entchen”! Dieses Lied versprüht zwar nicht unbedingt Star-Appeal, doch die Jury merkt: Die kann was. Das will sie nun bald zeigen. Denn nach dem Casting ist auch für sie: vor der großen Bühnenshow.

Die endgültige Auswahl des Ensembles für das Märchenmusical „Das schwarze Gold des Berges” wird die Projektgruppe MuTik am Donnerstag vorstellen.
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