„Café Willkommen“ öffnet seine Türen für Flüchtlinge

Von: Stefan Schaum
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Ort der Begegnung, Raum für Gespräche: Im „Café Willkommen“ können Flüchtlinge auch über Ängste und Probleme sprechen. Foto: S. Schaum

Baesweiler. Der Mann, der in der Heimat ein Beamter war, hat ein Gedicht geschrieben. Worte der Dankbarkeit hat er gewählt, in blumigen Sätzen, mit sehr viel Emotion. „Ich danke den Händen, die uns empfangen haben. Ich danke der Liebe, die sie uns gegeben haben. Doch mein Herz ist zerrissen.

Eine Hälfte ist hier – die andere dort, bei meiner Frau und meinen Kindern. Nur mit ihrer Hilfe kann mein Herz wieder heilen.“ Es sind Sätze, die Yousef Aeshon auf ein kleines Blatt Papier geschrieben hat, und die er bei der Eröffnung des „Café Willkommen“ vorträgt. Dort, im Keller des Settericher Pfarrheims St. Andreas, ist er nicht allein. Da sind andere, die wie er geflohen sind und viele, die ihnen helfen wollen.

Jeweils dienstags wird eine Gruppe von gut 20 Ehrenamtlern im Abstand von zwei Wochen die Tische decken. Kaffee und Kuchen wollen sie servieren und eine Anlaufstelle sein bei Fragen und Problemen. Im Mai gab es erste Gespräche zwischen Gemeindemitgliedern, dem Nachbarschaftstreff Setterich und der Stadt.

„Angesichts der Flüchtlinge war allen klar, dass wir ehrenamtlich etwas machen müssen und machen wollen“, erinnert sich Diakon Udo Haak. Dass es ein Café werden soll, stand rasch fest. Weil solch ein Raum eine einladende Atmosphäre herstellt, die es leicht macht, anzukommen, sich zu öffnen, über Sorgen zu reden. Ein paar Sprachkundige, die dolmetschen können, finden sich immer in den Reihen der Ehrenamtler. Auch bei der Eröffnung, bei der die Worte von Yousef Aeshon übersetzt werden.

Aus Syrien ist er mit seiner Frau, den drei Söhnen und der Tochter geflohen. Nur er und der älteste Sohn haben es nach Deutschland, nach Baesweiler geschafft, der Rest der Familie blieb im Libanon. Seit drei Monaten lebt Aeshon in der Stadt, Vater und Sohn sind dort zwei von aktuell 222 Flüchtlingen.

„Die, die eine Zuflucht suchen, werden uns immer willkommen sein“, sagte Pfarrer Ferdi Bruckes zur Eröffnung des Cafés. „Wir hoffen, dass sich hier Dinge entwickeln, die den Menschen Zuversicht geben und ihnen helfen.“ Dem schloss sich Bürgermeister Dr. Willi Linkens an: „Auch für Flüchtlinge gilt das, was für alle Bürger gilt – dass sie sich sicher und willkommen fühlen können.“ Yousef Aeshon hofft, dass das auch bald für den Rest seiner Familie der Fall ist. Dass sie endlich wieder zusammen ist. „Für das viele Gute, das ich bislang in diesem Land empfangen habe, gibt es gar keine Worte der Dankbarkeit, die groß genug sind.“

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