Burg Wilhelmstein: Exklusiver Blick hinter die Kulissen

Von: eli
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Ein Blick in die Künstlergarderoben: Hans Brings erzählt den Teilnehmern der Exklusivführung dabei so manche Anekdote.
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Um den Brunnen ranken sich viele Sagen, am Ende befinde sich ein Geheimgang. Foto: E. Bresser
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Dort oben, da war der Kerker: Josef Sevenich deutet auf ein Fenster im Erker. Heute ist der Bereich vermietet. Foto: E. Bresser
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Kunst im Treppenhaus: Die vielen Plakate zeugen von der Vielfalt der Künstler, die im Laufe der Jahre auf Burg Wilhelmstein aufgetreten sind. Foto: E. Bresser

Würselen. Die Folterkammer, die wollen sie bitte sehen. Josef Sevenich lächelt entschuldigend, das gehe leider nicht, sagt er, denn die sei vermietet. An eine ältere Dame. Gelächter in der Gruppe. Sevenich führt die zehn Abonnenten unserer Zeitung über das Burggelände.

Es ist eine exklusive Führung im Rahmen der Aktion „7 x Sommer“, die Einblicke hinter verschlossene Türen bietet. Sevenich ist gut gelaunt, erzählt Anekdoten, gespickt mit Erzählungen zu seiner Familie und zu seiner Herzensangelegenheit, der Burg Wilhelmstein.

Um 1270 oder 1330 herum wurde die Burg gebaut – genau belegen könne das keiner, erzählt Sevenich im Plauderton. Aber: „Es wird vermutet, dass Graf Wilhelm von Jülich IV. die Burg erbauen ließ. Daher stammt auch der Name Burg Wilhelmstein.“ Er deutet auf das Burgtor und das darüber eingemauerte Eisen. Ein Bach führte wohl vor dem Eingang vorbei und an dem Eisen war ein Seil oder eine Kette befestigt.“

450 Meter Umfassungsmauer hat die Burg. Nur eine Öffnung gibt es: den Hintereingang zur Bühne, um Requisiten dorthin zu schaffen. „Herr Becker wird heute wohl nicht viel dabei haben“, mutmaßt Sevenich mit Blick auf die noch anstehende Veranstaltung, zu der auch die Abonnenten eingeladen sind. „Dem reicht sein Mundwerk.“

Rund 20.000 Besucher im Jahr

Josef Sevenich ist selbst Teil der Historie der Burg Wilhelmstein. 1950 wurde die Burg an die langjährigen Pächter, Familie Grafen, verkauft und befindet sich seitdem im Besitz der Familie Grafen-Sevenich. Die baufällige Ruine wurde neu aufgebaut und 1984 das Amphitheater durch die Stadt Würselen modernisiert. „Es besteht ein 40-jähriger Pachtvertrag, der noch bis 2024 läuft, mit einer Option zur Verlängerung“, erklärt Sevenich.

Rund 20.000 Besucher können die Veranstalter in jeder Saison verzeichnen. Gänzlich finanziell tragen könne sich das Konzept nicht, sagt Veranstaltungsleiter Hans Brings, darum gäbe es seitens der Stadt einen Zuschuss. „So gesehen stehen wir natürlich unter Druck. Die Veranstaltungskosten müssen wir einspielen, aber das schaffen wir auch.“ Zu diesen Kosten zählen auch die der Technik. Scheinwerfer, Boxen, Kabel, Mikrofone – jedes Teil wird für jede Veranstaltung angemietet und von einer Firma auf- und wieder abgebaut.

Brings führt die Gruppe hinter die Kulissen der Freilichtbühne, auf der schon Weltstars wie Al Di Meola, Herbie Hancock oder Joan Armatrading standen. An diesem Abend erwarten die Zuschauer den Kabarettisten Jürgen Becker. Noch ist er nicht da und es dürfen Blicke in die Künstlergarderoben geworfen werden. „Nicht sehr luxuriös“, räumt Brings ein und erzählt, dass erst vor einiger Zeit eine Dusche eingebaut wurde. Bis dahin hatten noch Hotelzimmer für die Künstler angemietet werden müssen, „das war natürlich ein zusätzlicher Kostenfaktor“.

Eine weitere Garderobe, ein ähnliches Bild: einige Frisiertische, Spiegel, Lampen. Das alte Gemäuer würden manche amerikanische Künstler erst einmal abfilmen, „so etwas kennen die ja gar nicht“, sagt Brings. In einer Ecke sind Anker zu sehen. Sie halten die Zeltplane, die draußen über die Bühne und den Sitzbereich gespannt ist. Riesige Träger stützen die Konstruktion ab. Es ist bereits das dritte Dach, nachdem das erste 2008 ausgedient hatte und das zweite Weihnachten 2010 unter der Schneelast zusammenbrach. Die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen baute es wieder auf.

Dass die Künstler immer wieder gern auf der Burg auftreten, hat wohl viele Gründe: die Atmosphäre, das Familiäre und nicht zuletzt das Team. „Wir haben zum Beispiel einen sehr guten Caterer“, erzählt Hans Brings, „das spricht sich bei den Künstlern rund“. Er erinnert sich etwa an den Sänger Max Mutzke, der eigentlich im Hotel essen wollt, sich aber an das gute Essen erinnerte. „Da ist er direkt hierher gefahren – und war der allererste. Da musste er noch ein bisschen warten.“

Es gab übrigens schon ein Theater an der Burg vor dem Amphitheater, erzählt Josef Sevenich. 1920 begannen Theateraufführungen auf der Burgwiese und im Burghof, erst später in der für diesen Zweck unterhalb des Bergfrieds, im früheren Burgraben, errichteten Freilichtbühne. Im Hintergrund beginnt der Sound-Check für den mittlerweile eingetroffenen Jürgen Becker. Einen flüchtigen Blick erhaschen die Teilnehmer auf den Kölner Kabarettisten, dann erzählt Sevenich in gemütlicher Runde weiter.

Zum Beispiel von dem Brunnen, der im Hof vor dem Restaurant der Burg steht, das sein Sohn Hans-Günter Sevenich führt. Derzeit ist der Brunnen 28 Meter tief, misst aber bis zur Talsohle 60 Meter. Der Wunsch des Seniors: den Brunnen entschutten und der einen oder anderen Sage, die sich um den Brunnen rankt, auf den Grund gehen. So soll es dort einen Geheimgang geben, der in das Wurmtal zum Übergang von Bardenberg nach Kohlscheid führt. Eine Vorstellung, die auch die Abonnenten spannend finden. Und so beugen sie sich später über den Rand des Brunnens, um nach unten zu blicken. Aber: „Nichts zu sehen.“

Stolz auf das Werk

Bei Kaffee und Kuchen lassen sie die vergangenen eineinhalb Stunden Exklusivführung noch einmal Revue passieren. „So habe ich die Burg noch nicht gesehen“, sagt Hans Nacken, „dabei wohnen wir ganz in der Nähe“. Alle sind begeistert, danken Brings und Sevenich herzlich für das Engagement. Josef Sevenich erzählt noch die ein oder andere Anekdote, manches von Künstlern, anderes von seiner Familie.

Vor allem aber erinnert er sich an einen Satz, den er in Aufzeichnungen gefunden hatte: „Außer Erde und Stein war hier nichts“, stehe da. Heute könne er sagen: „Aus Erde und Stein hat unsere Familie etwas geschaffen, auf das wir stolz sein können.“

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