Burg Rode: Kampf gegen Zahn der Zeit aufgenommen

Von: Beatrix Oprée
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In luftiger Höhe: Wolfgang Sc
In luftiger Höhe: Wolfgang Schmitz nimmt auf der Wetterseite der Burg die Arbeit von Handwerker Sefer Hyseni in Augenschein. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Wahrhaft wehrhaft: Bis zu 2,45 Meter sind die Mauern des Bergfrieds über der Rodastadt dick. Und 15 Meter hoch. Ein Johann von Kornelimünster war 1389/90 Baumeister des stattlichen Rundgemäuers, dessen Umfang fast 30 Meter beträgt.

Mit 12 Goldgulden pro Quadratmeter, so steht es auf einer Tafel im Kaminzimmer, schlug der Bau zu Buche Ein teures Unterfangen, das seinerzeit die Kassen der Herzöge von Brabant belastete.

Der Unterhalt der 1104 erstmals urkundlich erwähnten Burg Rode war auch schon vor Jahrhunderten bemerkenswert. Aber der Zahn der Zeit nagt unerbittlich weiter.

Heute ist Wolfgang Schmitz als Vorsitzender des Vereins Burg Rode Herr der Festung - und der Bau in weiten Teilen eingerüstet. Vor allem auf der Wetterseite Richtung Straß und Rolduc sind schadhafte Fugen im Mauerwerk zu bearbeiten, der ein oder andere feine Riss zu verfüllen sowie die Silikondichtungen an den Tropfblechen der Fenstersimse zu erneuern. Bis Ende des Jahres wird die Fachfirma damit noch beschäftigt sein, damit sich der Frost nicht hineinfressen kann.

Und immer entdeckt der Kuratoriumsvorsitzende neues Ungemach: wie den Sandstein über dem Parterre-Eingang, der sich langsam aber sicher in Wohlgefallen auslöst. „Das sind dieselben Probleme wie am Kölner Dom - die Umwelteinflüsse lösen das Gestein auf.” Der Block wird erneuert werden müssen.

Ebenso wie die Einfassung der Muschelgrotte - auch ein Relikt des Umbaus um 1877. Beim Familientag hatte sich ein Teil daraus gelöst und war auf Kind gefallen. „Zum Glück hat es keine Verletzung gegeben”, ist Schmitz froh. Gehandelt wurde sofort, die Grotte mit einem massiven Brett vernagelt. 50.000 Euro, so die Schätzung, wird die Sanierung der Grotte und des Mauerwerks kosten.

Doch damit noch lange nicht genug: 130 Fenster galt es Stück für Stück auszubauen und gründlich zu überarbeiten. Manche waren so verwittert, so dass Holzleisten ersetzt werden mussten. Gesamtkosten: 20.000 Euro. Doppelt abgeschliffen und gründlich geölt worden ist auch das Parkett in den Sälen, Kosten: 5500 Euro.

„Eine neue Versiegelung hätte zur Folge gehabt, dass bei eventuellen Schäden immer die ganze Fläche durch eine Fachfirma hätte neu bearbeitet werden müssen. Einen Kratzer in einem geölten Boden hingegen können wir selbst reparieren”, erklärt Schmitz.

Das spart Kosten bei der ganzen Mühe, die gute Stube der Stadt attraktiv zu erhalten, nicht nur für das eigene Kulturprogramm, sondern auch für allerlei private Veranstaltungen. Kleine weiße Porzellanvögelchen, eine Deko-Idee von Hausmeister Dirk Rombach, zeugen davon, wofür der große Saal respektive das Kaminzimmer im Turm besonders gerne genutzt werden: für Trauungen.

Zu diesem Zwecke weiter aufgerüstet werden soll der Saal unter anderem durch einen roten Teppich. Natürlich nicht irgendeinen, sondern genau den, über den Königin Beatrix samt Willem-Alexander und Maxima geschritten sind, als sie unlängst am Herzogenrather Bahnhof zwecks Stippvisite ankamen.

„Diesen Teppich zu bekommen, da arbeiten wir dran”, grinst Wolfgang Schmitz. Gute Aussichten für Heiratswillige in Roda.

Putzarbeiten im Keller müssen noch beendet werden. Und als nächste große Baustelle steht die Erneuerung der Heizungsanlage im herrschaftlichen Haus an. „Die derzeitigen Nachtspeicheröfen sind zu unwirtschaftlich”, sagt Wolfgang Schmitz.

Aber wie lassen sich die nötigen neuen Heizungsrohre mit dem Denkmalschutz vereinen? Das wird den Akteuren des Vereins Burg Rode wohl noch einiges Kopfzerbrechen bereiten, die sich aber guter Unterstützung durch die Stadt erfreuen.

Die Zuständigkeiten waren, nachdem Burg als Verwaltungssitz zu klein geworden war und in die Hände des Vereins überging, genau festgelegt worden: Für die Außenhaut und das komplette Außengelände kommt die Stadt auf, für das „Innenleben” ist das Kuratorium zuständig.

Dennoch bleibt ein ziemlicher Batzen für den Unterhaltungsaufwand, der durch Mitgliedsbeiträge und Sponsoren gestemmt werden muss.

Neuen Plänen für die Zukunft soll das aber keinen Abbruch tun. Etwa für noch nicht genutzte Räume im Keller, unter anderem hinter der „Folterkammer”: In den kommenden zwei Jahren soll hier ein Umbau für eine Dauerausstellung im Zuge der „Via Belgica” erfolgen, der römischen Heerstraße, die einst von Köln bekannterweise auch an Baesweiler vorbei zur Atlantikküste führte.

Bei Rimburg wurde die Wurm überquert. Vertreter des Landschaftsverbands Rheinland haben sich die Örtlichkeiten auf der Burg schon begutachtet, die durch einen separaten Eingang zugänglich werden könnten.

Unter anderem Fundstücke aus der am Gewerbegebiet Nordstern entdeckten Villa Rustica könnten dort bald zu sehen sein.

Die Arbeiten auf der Burg in Augenschein nehmen können Interessierte beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, 12 bis 18 Uhr.

Dazu gibt es ein Rahmenprogramm der Limburger Ritterschaft, die auf der Burg residiert.

Die zurzeit noch in Erenstein grasenden blauen Schafe werden vom 23. September bis 3. Oktober Burg und Burggarten bevölkern: Das Motto: Alle sind gleich, jeder ist wichtig.

Am Sonntag, 25. September, 15.30 Uhr, ist im Burggarten ein Friedenskonzert. Werner Janssen liest, musikalisch begleitet, Gedichte zum Thema der Blauen Friedensherde.

Der Künstler für Malabon ist von Sonntag, 9., bis 16. Oktober, der Grafiker Peter Wever.

Die Kulturnacht „Zeitenwende” steigt am Samstag, 29. Oktober, ab 23 Uhr auf der Burg.

Ansonsten gibt es auch noch das Café Burg Rode: samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 18 Uhr.

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