Burg Baesweiler: Özgür Cebe mit Applaus belohnt

Von: mas
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„Inder sind viel romantischer als wir. Die haben immer Rosen dabei“. Pointenreich ist das neue Programm von Özgür Cebe, der in Baesweiler gastierte. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. „Mein Vater ist Revoluzzer, meine Mutter Sozialpädagogin und ich war Waldorfschüler. Echt jetzt!“ Özgür Cebe zeigt seine Wurzeln auf. Er sagt, dass er auch türkische, armenische und kurdische Gene in sich hat. Aber er ist Deutscher.

In Bielefeld geboren und aufgewachsen. In Baesweiler räumte der Comedy-Star und Schauspieler mit seinem neuen Programm „Freigeist oder geistfrei? Das ist hier die Frage“, kräftig Zustimmung und Applaus ab.

Der Superspötter kokettiert mit seiner Herkunft. Das Mundwerk glüht. Özgür verblümt sprachlich nicht. Der Mann, der in Bonn seine Heimat gefunden hat, wird sehr direkt. Und doch bleibt ein Eindruck in den beiden Stunden seines Auftritts anlässlich der Reihe „Kultur nach Acht“ besonders haften: Mit seinen Gesichtszügen und der unvergleichlichen Mimik kann man weder traurig schauen, noch sein.

Elf Auszeichnungen hat Özgür Cebe bisher eingeheimst. Nachvollziehbar, denn der Komödiant nimmt die Leute von der ersten Minute sofort mit. Bevor Özgür („Ihr könnt Öze zu mir sagen, so wie Götze“) Cebe überhaupt was sagt, singt er erst mal. „Der Pole klaut, der Ami haut. Klein Istanbul ein Sündenpfuhl, der Kölner der ist schwul“ werden zum Auftakt kräftig Klischees bedient.

Dem Publikum gefällt‘s. So fällt auch kaum auf, dass die Veranstaltung nicht ausverkauft ist. Dank des hohen Amüsierfaktors, den der 40-Jährige schnell aufbaut. Gerne beruft er sich auf seine „Ausbildung“ in der Waldorfschule. „Nach zwei Jahren haben sie mich rausgeschmissen. Es ist mir nicht gelungen, meinen Namen zu tanzen“, gibt Cebe zu. Wo lag die Schwierigkeit?

„Ich bin an den Ö-Strichelchen gescheitert“. Außerdem gefiel ihm seine Kluft nicht, aus einem rosa-ähnlichen Stoff geschneidert. „Ich habe ausgesehen wie eine Mischung aus Ranga Yogeshwar und Cindy aus Marzahn.“ Ein bisschen Heimatkunde ist auch dabei, wenn Cebe mit treffender Sprache und seinem versöhnlichen Humor eine Milieubeschreibung aus seiner Kindheit vornimmt. „In der Bielefelder Tannenbergsiedlung gab es nur eine ausländische Familie. Familie Schulz.“

Zotenfrei baut der mit einer kompletten Schauspielausbildung („Ich durfte auf der Bühne stehen und sie kehren“) versehene Komödiant sein Programm auf. Ein wenig schlüpfrig wird’s beim Vergleich von deutschen und türkischen Kondomen. „Die türkischen sind beschnitten. Deshalb haben sie auch so viele Kinder“, klärt er auf.

Chancen von Arbeitsuchenden mit Migrationshintergrund werden beleuchtet. Das sieht bei ihm dann so aus: „Haben Sie Erfahrungen in Sachen Pakete stapeln“? Natürlich hat er die. „Ja, ich habe zehn Jahre Tetris gespielt!“ Und auch eine Botschaft hat Cebe: „Ich habe die Schnauze voll vom Rassismus. Rassismus ist Inzest und eine gefährliche Krankheit“. Nach seinem Auftritt erhält der Mann mit den türkischen Wurzeln viele gute Noten.

Schade nur, dass – wie schon beim mitreißenden Auftritt von Fatih Cevikollu oder auch von Abdelkarim – ausländische Mitbürger nicht zu sichten waren. Denn auch für sie ist dieses Kultur-Programm in den Fachausschüssen zusammengestellt worden.

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