Herzogenrath - Buntes Wandbild im tristen Township

Buntes Wandbild im tristen Township

Von: Daniel Gerhards
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Konzentriert bei der Arbeit: D
Konzentriert bei der Arbeit: Die Kohlscheider Künstlerin Uta Göbel-Gross (rechts) arbeitet gerne mit Jugendlichen im Township Manenberg in Kapstadt. Foto: Ephy Nkunzi

Herzogenrath. Mit Kapstadt verbindet Uta Göbel-Gross viele emotionale Dinge. Sie ist zwar schon wieder seit einiger Zeit in Kohlscheid, doch von ihrem Aufenthalt am Kap hat sie noch immer „ganz viele Bilder im Kopf”.

Die Arbeit und das Leben in der südafrikanischen Metropole haben es der Künstlerin angetan. Bei ihrer jüngsten Visite im Township Manenberg arbeitete sie mit Jugendlichen einer Schule. Gemeinsam mit den Schülern, die vorwiegend in die achte Klasse gehen, malte sie ein Wandbild. Das ist nun das Aushängeschild der Phoenix-High-School im ansonsten recht tristen Township Manenberg. „Wir haben viel mit den Schülern über das Bild geredet. Dann Dinge skizziert”, erklärt Göbel-Gross. Schließlich kam die Farbe auf die Wand. So entstand mit und mit das großflächige Bild.

Nachhaltige Entwicklung

Göbel-Groß engagiert sich seit über elf Jahren in der Aachen-Kapstadt-Partnerschaft. Dabei handelt es sich nicht um eine reguläre Städtepartnerschaft. Grundlage ist die Agenda 21. Daher geht es in den vielfältigen Projekten, die die Partnerschaft initiiert und begleitet, meist um nachhaltige Entwicklung. Die Künstlerin Uta Göbel-Gross war Teil der Aachener Delegation, die im Oktober nach Kapstadt reiste, um dort Projekte zu besichtigen und Gespräche zur Zukunft der Partnerschaft zu führen.

Im Rahmen der Partnerschaft besuchten im vergangenen Sommer Schüler der Phoenix-High-School ihre Partnerschule in Heinsberg (Kreisgymnasium). Die Schüler, die am Austausch teilnahmen, waren auch beim Malen des Wandbilds an ihrer Schule mit von der Partie.

Tafelberg und viele Menschen

Dabei kam ein buntes Bild mit dem Tafelberg, dem Meer, den Wolken und vielen bunten Menschen heraus - das, was Kapstadt in den Augen der Kinder ausmacht. „Das ist etwas Schönes, Bleibendes für die Schule”, sagte Göbel-Gross. Mit Materialien wie Farbe, Pinsel oder Kreide umzugehen, ist für viele der Kinder völlig neu. „Darauf müssen sie sich erstmal einlassen. Das ist eine neue sinnliche Erfahrung, etwas zu malen.” Im regulären Unterricht fehlt für so etwas schlicht das Geld.

Selbstvertrauen stärken

Für Göbel-Groß geht es bei ihren Projekten um mehr als das Lernen von künstlerischen Techniken: „Die Kinder wachsen unheimlich daran. Das hat viel mit Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu tun.” Zudem sollen die Kinder lernen, sich etwas vorzunehmen, was sie in ihrem Leben erreichen wollen. „Wir haben über Visionen gesprochen. Und über die Frage, was Visionen für das Leben bringen”, sagt Göbel-Groß. Denn es mangelt im Township an positiven Vorbildern. Die Kriminalität ist hoch, die Banden haben große Macht und wer es zu etwas bringt, zieht weg aus Manenberg. Daher fällt es vielen Jugendlichen schwer, einen Traum für ihr Leben zu entwickeln.

Eigentlich ist es nicht sicher, als Weißer in das Township zu fahren. „Es gibt schon Angstmomente. Mir ist sehr bewusst, dass man sich richtig verhalten muss”, erklärt Göbel-Gross. Doch mit Hilfe der Sozialarbeiter von „Selfhelp Manenberg” (ein Kooperationspartner in der Aachen-Kapstadt-Partnerschaft) kann ein Grundmaß an Sicherheit hergestellt werden. „Ich fühle mich sicher, weil Selfhelp weitergibt, dass ich an einem Projekt arbeite.” Zudem arbeitet sie stets mit einem lokalen Kollegen zusammen. Das bringt sie künstlerisch weiter und schafft noch etwas mehr Sicherheit.

Inspiration für die Arbeit

Trotz solcher Einschränkungen genießt Göbel-Gross ihre Zeit in Kapstadt immer sehr. Sie war nun bereits siebenmal zum Arbeiten dort. „Die Art des miteinander Arbeitens gefällt mir sehr gut. Die Begeisterung und das Lachen bereichern mich sehr.” Das sei eine völlig andere Erfahrung, als man sie bei Kunstprojekten in Deutschland sammeln würde. „Hier sind die Leute oft sehr satt. In Kapstadt hat so etwas einen größeren Wert.” Und zusätzlich bezieht sie einen Menge Inspiration für ihre Arbeit in ihrem Kohlscheider Atelier. Viele ihre Arbeiten haben einen afrikanischen Einschlag.

Mehr Infos dazu gibt es im Internet unter http://www.utagoebelgross.de. Informationen zur Aachen-Kapstadt-Partnerschaft gibt es im Internet unter http://www.aachen-kapstadt.de.
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