Bunte Tücher und akrobatisches Geschick

Von: ehg
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Vor den Augen der Spielspitzen: Hunderte Zuschauer säumen den Platz vor St. Sebastian, um die Fahnenkünste zu genießen. Foto: W. Sevenich
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Die Mädels der Spielspitzen trotzen in ihren hübschen Kleidern dem feuchtkühlen Wetter. Foto: W. Sevenich
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Die Pritschenkinder warten geduldig auf ihren Einsatz. Foto: W. Sevenich

Würselen. Nicht ganz vergeblich hatten die Spellsleute ihre Stoßgebete zum Himmel geschickt. Sie kamen beim Aufmarsch zum Fahnenschwenken vor St. Sebastian zwar nicht ohne Regenschirme und -capes aus, aber dennoch einigermaßen trocken über die Runden. Kleines Trostpflaster waren ein paar Sonnenstrahlen, die das bunte Spektakel erst recht farbenfroh ins Szene setzten.

„Egal, welche Kapriolen das Wetter schlägt, wir lassen die Jungenspiele nicht im Regen stehen“, zogen Bürgermeister Arno Nelles und der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Würselener Jungenspiele (AWJ), Hans Maaßen, trotz Fußball in Brasilien und Regen im Revier eine erste positive Bilanz.

„Wider Erwarten waren unsere Veranstaltungen mehr als gut besucht“, hieß es. Und: „Wir können uns nicht beklagen. Die Besucher kamen zwar erst spät, aber es herrschte zu fortgeschrittener Stunde eine Bombenstimmung vor.“ Fußball und Wetter haben keinen Abbruch getan, war die einhellige Meinung.

Wöschelte wür net mie so schönn

„Wir machen das Beste draus“, begrüßte AWJ-Vorsitzender Hans Maaßen die zahlreichen Spells-leute – die Maibräute noch in „Kurz“ – die nacheinander aufmarschiert waren, während Pfarrer Karl-Josef Pütz mit dem Bissener Königsspiel und der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624 Gottesdienst feierte. Stadtdirektor a. D. Albert Cramer verfolgte das Schauspiel mit Ehefrau Marianne vom Balkon seiner Wohnung aus.

Zwölf Wöschelter Prinzen mit dem ehemaligen König der St.-Sebastianus-Schützen, Rudi Mainz, und dem stellvertretenden AWJ-Vorsitzenden Wolfgang Kern brachten auf den Punkt, was viele Schaulustige empfanden: „Wöschele wür net mie so schönn, wenn et Spell ens net mie jöng!“ Heimatsänger Friedel Schwartz, aus dessen Feder dieses Lied stammt, grüßte aus weiter Ferne.

Küsschen für die Maibräute

Der Teppich war ausgerollt für ein gelungenes, zügig abgewickeltes Schauspiel, bei dem AWJ-Vorsitzender Maaßen Regie führte. Allen voran begrüßte er das Scherberger Königsspiel. Ein Küsschen in Ehren gab es von ihm und dem Bürgermeister für die weiblichen Spitzen aller Spiele. In der Regie von Rolf Paffen ließen die Fahnenschwenker zu Walzerklängen ihre Tücher synchron „durch die Beine“ wandern. Mit der Schützenkönigin der St.-Hubertus-Schützengilde, Birgit Clermont, machte das Morsbacher Siedler-Königsspiel seine Aufwartung.

Bei ihren Fahnenschwenkern zeigte sich wieder, wer ein Meister werden will. Eine gelungene Performance, auch in Erinnerung an den Steinkohlenbergbau auf Gouley. Zwischenzeitlich waren die Regentropfen wieder dicker geworden. Doch sie hielten die Akteure des Schweilbach-Teuter Königsspiels, das sein 30-Jähriges feiert, nicht davon ab, ihre akrobatischen Künste zu demonstrieren, untermalt von südamerikanischen Rhythmen der „Trommelaere va Heerle“. Ein Schützen-Opa bannte das Geschehen auf die Platte, voller Stolz auf den Enkel. Ein Beweis mehr, wie die Jungenspiele Generationen verbinden.

Hans-Josef Bülles 50 Jahre dabei

Zwei Generationen Fahnenschwenker schickte das Spiel Markt-Preck ins Rennen. Auch sie ernteten reichlich Applaus. Vom Jungenspiel Elchenrath überbrachten die Fahnenschwenker unter Leitung von Willi Hendriks Grüße. Ihre Powershow beeindruckte mächtig. Mit dem Kulturausschuss-Vorsitzenden Hans-Josef Bülles an der Spitze hatten die Bissener Fahnenschwenker ihren großen Auftritt. Bülles feiert ein goldenes Jungenspiel-Jubiläum, aufgeteilt in 13 Jahre Spellsjong in Nassau und 37 Jahre Spellsjong und Fahnenschwenker „auf Bissen“. Ununterbrochen.

Chapeau! Die Bissener gedachten ihres im Alter von 80 Jahren verstorbenen Mitglieds Gottfried Willems mit Trauerflor an ihren Fahnen. „An Tagen wie diesen“ erklang es aus der Konserve, als die Oppen-Haaler Fahnenschwenker ihre Künste zeigten. Die rot- und blauweißen Rautentücher kreisten so geschwind durch die Lüfte, dass es den Zuschauern schwindelig werden konnte. Eine tolle Show! Was die Fahnenschwenker aller Jungenspiele geboten hatten, war nur ein Vorgeschmack auf das, was die Besucher der Zeltveranstaltungen erwartete. Nach rund einstündigem Fahnen-Schauspiel mit Begegnung von Jungenspiel zu Jungenspiel ging es zurück in die Quartiere – trockenen Fußes.

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