Bundestagskandidaten stellen sich den kniffligen A-Fragen

Von: Holger Bubel
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Warben noch einmal um die Stimmen der Wähler: Stefan Rohmann (FDP), Helmut Brandt (CDU), Bettina Herlitius (Bündnis 90/Die Grünen), Martin Peters (SPD) und Andreas Müller (Die Linke). Unser Redakteur Karl Stüber (vorne) moderierte die Diskussionsrunde, die von Politikinteressierten aufmerksam verfolgt wurde. Foto: Holger Bubel

Nordkreis. Wenn die Kolpingsfamilie Alsdorf ruft, dann kommen sie - zumindest die Bundestagskandidaten der großen (und weniger großen) Parteien, um sich noch einmal vor dem 27. September dem Wahlvolk zu präsentieren.

Ob es am lauen Schmuseduell der Bewerber ums Kanzleramt, Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, abends zuvor im TV lag, der Zuspruch der Politikinteressierten aus dem Nordkreis war überschaubar am Montagabend im Castorhaus bei der Podiumsdiskussion der Kandidaten. Dennoch: Einige „prominente” Gesichter waren zu sehen unter den rund 80 Besuchern. Parteifreunde, Kommunalpolitiker, die ihren Kandidaten in Aktion erleben wollten, oder als moralische Unterstützung gekommen waren, aber auch einige gemeine Wähler.

Sitzordnung mit Bedacht?

Ob Martina Saffer-Klein, stellvertretende Vorsitzende der Kolpingsfamilie Alsdorf, mit Bedacht die Sitzordnung der Politiker gewählt hatte, wollte sie vor der Veranstaltung, moderiert von unserem Redakteur Karl Stüber, nicht verraten: Neben Stefan Rohmann, Student und Kandidat der FDP, fand CDU-Mann und Rechtsanwalt Helmut Brandt Platz, in der Mitte Bettina Herlitzius von den Grünen, unmittelbar zu ihrer Linken das noch junge SPD-Talent Martin Peters und ganz links - wie könnte es auch anders sein - Andreas Müller von der Partei Die Linke. Dass die physische Nähe der Kandidaten auch durchaus die politische widerspiegelte, stellte sich sehr bald heraus. Denn wenn auch die ambitionierten Politiker programmatisch von ihren Parteiobersten sehr gut auf Linientreue eingeschworen waren, signalisierten sie doch deutlicher als ihre Führung ihre Koalitionsvorstellungen - auch wenn diese nicht offen ausgesprochen wurden.

Die Themenpalette an diesem Abend wurde von Moderator Karl Stüber festgelegt: Arbeit, Armut, Alte (Senioren), Ausländerpolitik, Atomstrom - das letzte Themengebiet aus der A-Reihe, Afghanistan, konnte aus Zeitgründen nicht mehr diskutiert werden. Es waren wohl gewählte Themen, wie sich zeigen sollte. Besonders die Bereiche Arbeit und Armut - gar nicht so weit auseinander, wie gemeinhin angenommen - bewegten die Gemüter: „Arbeit muss sich wieder lohnen”, forderte etwa FDP-Kandidat Stefan Rohmann und legte, wann immer es passte, die Wahlkampfgrundsätze seiner Partei - „Steuersenkung, mehr Geld für Bildung und keinen Mindestlohn” - ins Lösungspaket für die großen Wirtschafts- und Gesellschaftsprobleme.

Das schaffte er souverän, für sein noch junges Alter von 25 Jahren. Nur einmal geriet er ins Straucheln, als er im Rahmen der Integrationspolitik die Haltung seiner Partei zur Aufnahme der Türkei in die EU darlegen sollte: „Da muss die EU einen klaren Standpunkt finden”, umschiffte der Student der Europastudien etwas orientierungslos diese Klippen. Klare Positionen, und zwar in deutlicher Einmütigkeit, bezogen die Kandidaten zur Integration von in Deutschland lebenden türkischen Mitbürgern: „Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Bildung muss für alle gewährleistet sein”, sagte Bettina Herlitzius und erfuhr Zustimmung von ihren männlichen Kollegen. Brandt verwies auf die zahlreichen Maßnahmen zur Eingliederung muslimisch gläubiger Menschen: Integrationsgipfel, Islam-Konferenz... „Und in NRW gibt es mit Armin Laschet ja sogar einen Integrationsminister”, konstatierte Brandt und fügte allerdings die Forderung an die muslimische Bevölkerungsgruppe hinzu, „doch bitte die Gedanken des Grundgesetzes zu akzeptieren und nicht die der Scharia”.

In einer von gegenseitiger Akzeptanz getragenen Diskussion kam es nur selten zum kontroversen und lebhaften Argumentationsaustausch. Angeregt durch Fragen zu (Mindest-)Löhnen und Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Hochqualifizierter aber auch Behinderter, gingen die Meinungen dann doch auseinander. Mindestlöhne forderten die Vertreter von SPD, Grünen und Linkspartei. Ablehnung gab es von FDP und CDU, auch wenn Brandt eingestand, dass „es gerechte Löhne” geben müsse. Eine Beschränkung von Leiharbeit, „die Arbeitsplätze vernichtet”, versprach der Linke Andreas Müller bei seiner Wahl. Menschen in Arbeit zu bringen - so die Meinung aller - sei das beste Mittel, Armut zu verhindern. „Vieles ist schon auf den Weg gebracht. Gestärkt geht es aus der Wirtschaftskrise hervor.”

Wenig Konkretes gab es zu hören, was auch auf Hartz IV und davon Betroffene zutraf. Brandt verwies auf die Verantwortung dafür von Rot-Grün. Herlitzius verteidigte den Gedanken von „Fördern und Fordern”, leugnete aber nicht, „dass Hartz IV nachbesserungswürdig” sei. Chancen für neue Jobs seien besonders im Bereich der erneuerbaren Energien zu finden, lautete der Weg von Bettina Herlitzius und Martin Peters - nicht die einzige Übereinstimmung der beiden.

Ja und ja, aber zur Atomenergie

„Was soll ich noch hinzufügen?”, fragte der SPD-Kandidat mehr als einmal, wenn die Grünen-Abgeordnete zuvor Stellung zu Themen wie Behebung der Armut, zur Senioren- und Bildungspolitik bezog. Nur selten ließ der SPD-Mann seine näher an Schröder als an Wehner erinnernde Rhetorikschulung aufblitzen. Etwa im Angriff auf Ministerpräsident Rüttgers und dessen despektierliche Äußerungen über rumänische Arbeiter. Da blitzten für kurze Momente das Eloquenzpotential und die Lust auf Konfrontation bei Peters auf.

Beim Ausstieg aus der Atomenergie gab es keinen Konsens: „Ja” dazu sagten Müller, Peters, Herlitzius. „Ja, aber” sagte Brandt und warnte vor der Abhängigkeit von Energie aus den osteuropäischen Ländern.
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